Topmotive und Caruso Die digitale Werkstatt als Ziel

Das »Next«-Portal bündelt Fahrzeuginformationen, In-Vehicle-Daten und Prozessdaten und ermöglicht so auf Basis des Datenmarktplatzes Caruso neuartige Mobilitäts-Services.
Das »Next«-Portal bündelt Fahrzeuginformationen, In-Vehicle-Daten und Prozessdaten und ermöglicht so auf Basis des Datenmarktplatzes Caruso neuartige Mobilitäts-Services.

Um Kfz-Werkstätten auf den digitalen Wandel vorzubereiten, hat Topmotive die »Next«-Plattform entwickelt: Sie bündelt Fahrzeug- und Echtzeit-Betriebsdaten – und ebnet so den Weg zu effizienten Reparaturprozessen und innovativen Services. Der Datenmarktplatz Caruso liefert dafür ein Fundament.

Das Geschäft mit Ersatzteilen und Reparatur-Services steht bis 2030 vor einem grundlegenden Wandel: Die klassischen Player der Branche müssen sich Umsatz und Gewinn mit Disruptoren teilen. Die Ära, in dem Aftersales und Automotive Aftermarket ein verlässlicher Umsatz- und Gewinngarant für Hersteller, Zulieferer und Werkstätten war, neigt sich dem Ende zu, warnt unter anderem McKinsey.

Automobilhersteller gelten seit jeher als Vorreiter der Digitalisierung. Der Independent Automotive Aftermarket (IAM) hat dagegen beim digitalen Wandel noch Nachholbedarf. Die meisten benötigten Ersatzteile werden zwar längst online bestellt, und die Investitionsbereitschaft in digitale Diagnosesysteme steigt rasant. Trotzdem lassen deutsche Kfz-Werkstätten jede Menge Optimierungspotenzial liegen – und das, obwohl neun von zehn Werkstätten wissen, welche Herausforderungen sie künftig bewältigen müssen und nur knapp jede vierte (23 Prozent) sich darauf gut vorbereitet fühlt.

Konkrete Ansatzpunkte für Prozessverbesserungen gibt es zuhauf, etwa bei der Optimierung interner Workflows, dem Supply Chain Management oder der Kundenbindung. So lassen sich beispielsweise mithilfe vernetzter IT-Lösungen schon heute etliche Reparatur- und Warenwirtschafts-Prozesse automatisieren – und dadurch Effizienzreserven ausschöpfen. Künftig bietet zudem das vernetzte Auto in Verbindung mit intelligenten Plattformen vielerlei Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle. So könnten Werkstätten dank Echtzeitdaten aus dem Auto potenzielle Störungen erkennen, noch bevor sie für den Fahrer zum Problem werden.

»Dazu braucht es vor allem eins: integrierte Prozesse«, erläutert Stefan Schneider, Vorstandsmitglied der Topmotive Gruppe. Doch genau daran hapert es vielerorts. Aktuell wird der Großteil der Werkstätten durch eine Vielzahl heterogener IT-Systeme ausgebremst: Warenwirtschafts-, Katalog-, Diagnose- und Begutachtungssysteme sind meist nicht oder nur unzureichend miteinander verzahnt. Die Folge: Zeitraubende Medienbrüche, hohe Fehlerrisiken durch manuelle Datenerfassung sowie redundante Datenhaltung. »All das hält die Werkstatt von ihrer eigentlichen Arbeit ab«, sagt Schneider.

Intelligente Plattform optimiert Werkstattabläufe, spart Zeit und beugt Fehlern vor

Um das zu ändern, hat Topmotive – nach eigenen Angaben Marktführer im Bereich Katalog- und Informationssysteme sowie IAM-Services – im vergangenen Jahr das Portal „Next“ an den Start gebracht. »Die digitale Plattform bündelt sämtliche Informationen rund um Reparaturen und Services und ermöglicht Werkstätten so, sich ganz auf ihre Kernaufgabe zu konzentrieren: Autos zu reparieren«, verdeutlicht der Topmotive-Vorstand. Die intelligente Lösung bringt OE- und IAM-Daten unterschiedlicher Anbieter auf einer einheitlichen Oberfläche zusammen. Und damit nicht genug: Denn im Gegensatz zu klassischen Kataloglösungen umfasst „Next“ auch eine intelligente Fahrzeugakte. Diese bündelt Informationen zu den unterschiedlichen Reparaturaufträgen und Fahrzeugen und ebnet so den Weg zu effizienten und fehlerfreien Werkstatt-Services. Denn „Next“ verknüpft relevante Daten über ein unabhängiges und hochintegratives Datenmodell geschickt miteinander und stellt sie in der intelligenten Fahrzeugakte auf Knopfdruck bereit. »Dabei speichert das System erlerntes Wissen und macht es dem Nutzer nachhaltig wieder zugänglich«, führt Schneider aus.

Der Vorteil für Anwender: Sie müssen benötigte Daten nicht mehr mühsam in unterschiedlichen Systemen zusammensuchen, sondern rufen Informationen aus unterschiedlichen Quellen über eine einheitliche Oberfläche ab – bei Bedarf auch mobil und per Spracherkennung. »So kann der Mechaniker Varianten und Preise eines Ersatzteils direkt von der Hebebühne aus ermitteln und hat trotzdem weiter beide Hände für die Arbeit frei«, sagt Schneider. Auf Basis aktueller Daten lassen sich belastbare Kostenvoranschläge rasch erzeugen sowie benötigte Teile und Betriebsstoffe direkt aus dem Warenkorb bestellen. Integrative Schnittstellen ermöglichen obendrein das reibungslose Zusammenspiel mit dem Warenwirtschaftssystem der Werkstatt.

So beschleunigt „Next“ Workflows, baut manuelle Schnittstellen ab und minimiert Fehlbestellungen. Denn die intelligente Plattform merkt sich, welche Teile in welchen Fahrzeugen verbaut wurden, und stellt automatisch entsprechende Querverbindungen zu ergänzenden Produkten her. Sollen beispielsweise die Bremsen eines VW-Multivans erneuert werden, schlägt „Next“ automatisch die passenden IAM-Teile vor – und zwar inklusive Preisangabe und technischer Daten. Das spart nicht nur Zeit, sondern beugt auch Fehlern vor. Schließlich ist die exakte Teileidentifizierung alles andere als ein Kinderspiel – allein der „TecDoc Catalogue“, einer der großen Ersatzteilkataloge weltweit, enthält aktuell mehr als 6,6 Millionen Artikeldaten von über 700 Marken, und Topmotive ergänzt diesen Bestand um mehr als 3000 weitere Marken.

Die Komplexität der Fahrzeuge und vielschichtige technische Spezifikationen nehmen zu. Dementsprechend steigt auch die Anzahl verfügbarer Ersatzteile – und nicht immer finden Werkstätten auf Anhieb das richtige. Aktuell lassen sich Schneider zufolge bis zu 20 Prozent der georderten Komponenten nicht verbauen und gehen als Retoure zurück an den Händler. »‚Next‘ verringert das Risiko fehlerhafter Bestellungen und damit die Retourenquote. Das rechnet sich nicht nur für die Umwelt, sondern auch für Händler und Werkstätten«, weiß der Topmotive-Vorstand aus der Erfahrung mit den „Next“-Kunden. »Schließlich werden Reparaturzeiten beschleunigt, Kunden können ihr Auto schneller wieder abholen, Werkstätten mehr Aufträge annehmen. Anders gesagt: Effizienz und Kundenzufriedenheit steigen. Und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit der Werkstätten.« Nicht von ungefähr arbeiten mehr als 700.000 Nutzer regelmäßig auf der Topmotive Plattform. »Aktuell verzeichnen wir weltweit rund 50 Millionen Logins im Monat, Tendenz steigend«, betont Schneider.