Socionext Der Visualisierungs-Experte

Jürgen Betz, Socionext: »Socionext ist ein noch sehr junges Unternehmen, weshalb wir die diesjährige embedded world genutzt haben, um uns erstmals mit Demos wie dem All in one zu präsentieren. Es hat sich aber gezeigt, dass unsere Kunden sehr wohl wissen, welche Expertise sie von uns erwarten können.«

Socionext ist ein junges fabless Unternehmen, das aus den LSI-Aktivitäten von Fujitsu und Panasonic entstanden ist. Im Automotive-Markt positioniert sich Socionext als Anbieter von Komplettlösungen für die grafische Visualisierung von Informationen.

Dass Socionext sich auf Visualisierung spezialisiert, kommt nicht von ungefähr, sondern ist in der Historie beider Ursprungsunternehmen begründet. Jürgen Betz, Leiter des strategischen und Produkt-Marketings für den europäischen Markt im Geschäftsbereich Graphics Solutions und IOT bei Socionext, erklärt: "Socionext ist vor ungefähr einem Jahr an den Start gegangen. Damals haben wir viele Strukturen und Technologien aus den beiden Mutterkonzernen übernommen, dazu gehörten eben auch die Expertise zur Visualisierung von grafischen Inhalten. In diesem Fall hat Panasonic sein umfassendes Wissen aus dem Bereich Fernseh-Receiver für den Consumer-Markt mit in die Ehe gebracht, wir wiederum unser Automotive-Know-how." Jetzt heißt es, das gebündelte Wissen für die Produktentwicklung in beiden Märkten zu nutzen.

Sich als Visualisierungs-Experte zu positionieren, hat aber natürlich auch den Hintergrund, dass dieser Markt stark wächst. Gerade im Automotive-Markt mit immer ausgeklügelteren Instrumenten-Clustern, Infotainment-Systemen und nicht zuletzt auch wenn es um kamerabasierte Fahrerassistenzsysteme geht, wird die Echtzeit-Visualisierung des Umfeldes immer wichtiger. Wobei Betz noch hinzufügt: "Die Verarbeitung visueller Daten spielt aber auch in anderen Märkten eine immer bedeutendere Rolle und auch hier kann Socionext seine Stärken ausspielen."

Doch zurück zum Automotive-Markt - Infotainment, Assistenzsysteme etc. adressieren alle Halbleiterhersteller, die im Automotive-Markt aktiv sind und Graphik-Know-how ist auch bei anderen Herstellern zu finden, wie also differenziert sich Socionext? Betz: "Wir agieren als Anbieter von Komplettlösungen, sprich wir liefern nicht nur die klassische Hardware, sondern auch die Software." Aber Software ist für die meisten Halbleiterhersteller kein neues Thema, Treiber gehören mittlerweile fast immer zum Lieferumfang dazu. Hier kontert Betz entschieden: "Wir liefern aber nicht nur die Treiber, sondern auch die Software-Landschaft für Applikationen und Entwicklungs-Ttools." Socionext könne die gesamte Kette für die Visualisierung abdecken, angefangen bei IP-Blöcken, über SoCs für die Bildverarbeitung aber auch die Darstellung auf den Displays selbst, bis hin zu den Display-Anbindungen, Tools und eben Applikations-Software.

Betz konkretisiert seine Aussage anhand einiger Demos, die das Unternehmen im letzten Jahr entwickelt hat und die dieses Jahr auch auf der embedded world zu sehen war. Eine Demo ist beispielsweise ein 360°-Wraparound-View-System, das aus Daten, die vier Kameras liefern, ein 3D-Modell mittels Datensynthese errechnet und auf einem Display darstellt. Eine weitere Demo ist das All-in-One-Systemkonzept. Der Hintergrund dieser Entwicklung bestand darin, dass Socionext zeigen wollte, wie ein Smartphone in ein Fahrzeug integriert werden kann. Was sie aber auch zeigt, wo Socionext seine Expertise hat. Für die Demo wurden ein frei programmierbares Instrumenten-Cluster, ein Head-Up-Display und ein Touch-System kombiniert, die alle von einem einzigen Dual-Core-SoC von Socionext angetrieben werden. Die drei Displays arbeiten vollständig unabhängig voneinander, um verschieden priorisierte Graphikinformationen darzustellen. Die unkomprimierten Grafikinformationen werden über den High-Ppeed-Display-Link APIX übertragen. Dazu kommt noch die MirrorLink-Integration, mit der das Smartphone angebunden werden kann und somit auch auf Informationen und Cloud-Dienste des Smartphones zurückgegriffen werden kann.

Betz weiter: "Unsere All-in-One stellt eine Automotive-qualifizierbare Systemarchitektur dar." Und weiter: "Auf der Display-Seite ist Socionext hervorragend positioniert. Unsere Grafik-Display-Controller-Familien, kurz GDC sind hoch integrierte Komponenten zur Kostenreduzierung. Mit dieser geänderten Systemarchitektur über APIX kann die MCU eingespart werden." In der aktuellen GDC-Familie sitzt das Seeris-IP von Socionext. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von drei Engines. Beispielsweise können Kamera- bzw. Videobilder, Icons und gerenderte 3D Grafiken aus der GPU verarbeitet und zur Anzeige gebracht werden. Unabhängig von CPU und GPU agieren die Capture-, 2D- und Display Engine am Bus und verarbeiten die Streaming und Framebufferinhalte eigenständig. Zusätzlich stehen On the fly-Grafik-Operationen sowie Analyse, Formatwandlungen und viele weitere Funktionen zur Verfügung. "Die Seeris-Engines können je nach Anforderung konfiguriert und hinsichtlich ihrer Verarbeitungsleistung und Gattergröße variiert werden. Diese IP-Cores haben speziell entwickelte Blöcke für Automotive Anwendungen und bieten beispielsweise Security-Features, so dass Systeme mit Seeris auch Vorgaben gemäß ASIL-Leveln erreichen können." Das Besondere an Seeris ist, dass Socionext dieses IP nicht nur selbst in eigenen Produkten einsetzt, sondern die IP auch zur Lizenzierung anbietet. Betz weiter: "Das Seeris-IP eignet sich nicht nur für Automotive-Anwendungen, sondern beispielsweise auch für das IoT. Denn dank seiner Konfigurierbarkeit kann jeder der IP-Blöcke sehr klein gemacht werden."