Trends und Highlights der CES „Consumer Feeling“ quer durch alle Branchen

Mit dem „Vision AVTR“ hat Daimler auf der CES gezeigt, wie sich das Unternehmen aus Stuttgart die automobile Zukunft vorstellt.

Von Lidar-Sensoren zu einem Zehntel des bisherigen Preises über Prototypen autonomer Fahrzeuge, dem Smart Home als „lebendem Organismus“ bis zum klimafreundlichen „Smart Pork“: Die CES hatte in diesem Jahr viel Konkretes zu bieten.

Das zeigte schon der Blick auf die Automobilbranche, für die sich Las Vegas zum Tummelfeld für die Themen entwickelt hat, die die Branche derzeit umtreiben. »Es kommt darauf an, die menschlichen Umgebungen zu personalisieren, um das Leben bequemer und angenehmer zu machen und den Menschen von lästigen Routinearbeiten zu entlasten«, formulierte H.S. Kim, President und CEO von Samsung Consumer Electronics, zur Eröffnung. Auf Autos umgemünzt: Sie werden zu Umgebungen, in der wir viele Dinge tun können, weil sie mit unseren Wohnungen, unseren Städten und Arbeitsplätzen vernetzt sind. Der Konsument erwartet deshalb in allen Umgebungen „Consumer Electronics Feeling“.

Dass die Fahrzeuge ihn von A nach B bringen? Ach ja, das sollen sie auch. Der Mensch aber soll sich aufs Wesentliche konzentrieren. Gleichzeitig erlauben die vernetzten Autos den OEMs, sich neue Umsatzmöglichkeiten zu erschließen. So hat Qualcomm einen Car-to-Cloud Service vorgestellt, auf dessen Grundlage die OEMs ihre Cockpit- und Telematik-Systeme nicht nur auf dem neusten Stand halten, sondern auch Geld über Over-the-Air Updates, Pay-per-Use Services und Datenanalysen generieren können.

Das Beispiel zeigt, wie wichtig die Chips sind, um die vernetzten Autos, die „Server auf Rädern“ zu realisieren. Server, weil die bisherige über ECUs verteilte Architektur der Autos sich zu einer zentralen Plattform entwickelt. Die IC-Schmieden liefern die Chips dazu und arbeiten eng mit den OEMs zusammen. Qualcomm etwa hat in Las Vegas betont, seine Kooperation mit General Motors weiter ausbauen zu wollen, um intelligente Autos der nächsten Generation zu entwickeln. Dazu gehört eine skalierbare WiFi/Bluetooth-Plattform, die, ausgestattet mit den neusten KI-Techniken, den Weg zu kostengünstigen ADAS-Systemen eröffnet, die sich auf die Level 1/2, 2+ und 4/5 anpassen lassen.

Eine besondere V2X-Technik hat die Samsung-Tochter Harman International entwickelt: „Vehicle-to-Pedestrian“ verwendet V2X, um Radfahrer und Fußgänger vor Gefahren zu warnen. Sie erhalten über ein C-V2X-fähiges Mobilgerät eine Warnung, sobald ein Fahrzeug ihren Weg zu kreuzen droht – eine schöne Anwendung für 5G im Mobilitätsumfeld.

Auf der Sensorseite hat wiederum der chinesische Drohnenhersteller DJI für Aufsehen gesorgt, der mit Livox Technology zwei Lidar-Sensoren entwickelt hat. Das Besondere: Sie sollen für ein Zehntel des Preises erhältlich sein, der bisher für vergleichbare Sensoren bezahlt werden musste. Das chinesische Robotaxi-Unternehmen AutoX habe sie laut Livox bereits in seine Fahrzeuge integriert. Auch amerikanische Auto- und Roboterfirmen würden sich für die kostengünstigen Lidar-Sensoren interessieren. Was ein sensibles Thema ist, denn die USA untersuchen gerade, ob die Drohnen von DJI als Sicherheitsrisiko einzustufen sind.

In diesem Zusammenhang ist interessant, dass Huawei zwar auf der CES ausgestellt hat, dort aber eher zurückhaltend aufgetreten ist. Das galt für DJI weniger. Dafür aber hatten offenbar chinesische Halbleiter- und KI-Firmen Schwierigkeiten, überhaupt auf die Messe zu gelangen. Es sei für einige chinesische KI-Startups fast unmöglich gewesen, Visa für einen Aufenthalt in den USA zu bekommen, wie zu hören war.

Doch zurück zur Mobilität: Für Furore sorgte Sony, von der wohl kaum einer ein autonomes Auto erwartet hätte. Zusammen mit Zulieferern wie Bosch, Continental und ZF sowie Magna Steyr hat Sony aber genau das getan und den „Vision S“ präsentiert. Damit will das Unternehmen – jedenfalls derzeit – nicht zum Autohersteller mutieren, sondern zeigen, wie sich die Daten vieler Sensoren zusammenführen lassen und wie KI dabei hilft, Autos autonom fahren zu lassen. Vor allem will Sony auf den lukrativen Markt für Sensoren vordringen, die in Autos Einsatz finden.