3. VDI-Fachkongress Elektromobilität 2011 Bezahlbar muss es sein

Prof. Dr. Achim Kampker, Lehrstuhl für Produktionsmanagement, Werkzeugmaschinenlabor WZL, der RWTH Aachen, hält die Reichweitendiskussion für relativ irrelevant. Er sieht vielmehr das Thema „Wirtschaftlichkeit“ als vorrangig an, denn keiner will für ein E-Fahrzeug deutlich mehr Geld bezahlen, speziell wenn er dann noch nicht einmal ein Auto bekommt, das sich mit heutigen Kriterien messen lassen muss.

Das heißt aber nicht, dass Langstrecke als Reichweite überhaupt kein Thema für Kampker darstellt. Vielmehr geht es jetzt erst einmal darum, möglichst schnell in den Markt der Elektromobilität einzutreten, und das geht nicht mit einem E-Fahrzeug, das eben bereits 500 km Reichweite hat. Kampker: „Parallel arbeiten wir natürlich auch an den Themen Schnellladung und Reichweite, aber hier befinden wir uns noch im Forschungsbereich.“

Geht es um kleine Fahrzeuge, die für den Stadtverkehr geeignet sind, dann sind die Entwicklungen schon viel weiter fortgeschritten. Und das ist wichtig, denn aus der Sicht von Kampker muss die deutsche Industrie höllisch aufpassen, dass China Deutschland nicht als Innovationstreiber im Automobilmarkt überholt.

Kampker: „Um am Standort Deutschland erfolgreich Elektrofahrzeuge herzustellen, müssen vier Herausforderungen gemeistert werden. Zum einen steht die Branche vor einer unsicheren Marktentwicklung. Das Marktpotenzial von Elektrofahrzeugen wird heute je nach Quelle unterschiedlich bewertet. Im Schnitt allerdings gehen Szenarien von einem Markt von 250.000 bis 400.000 Fahrzeugen in Deutschland in 2015 aus. Neben der unsicheren Marktentwicklung gibt es bisher keine etablierten Technologien. Aus heutiger Sicht ist für viele Basistechnologien keine klare Entwicklungsausrichtung zu erkennen. Daraus resultiert ein hohes Risiko der Verfolgung eines technologischen Exoten. Eine weitere Herausforderung ist die fehlende Systemkompetenz. Heute können Automobilhersteller noch keine Gesamtfahrzeugkompetenz für Elektrofahrzeuge anbieten. Die vierte Herausforderung ist der Kostendruck, dem die Hersteller gegenüber stehen. Da der Trend der Elektrofahrzeuge in Richtung Klein- und Kompaktwagen führt, die im direkten Wettbewerb zu konventionell angetriebenen Fahrzeugen stehen, ist eine konkurrenzfähige Preisgestaltung und damit eine kostengünstige Produktion entscheidend. Somit gewinnt das Thema Produzierbarkeit an großer Bedeutung.“

Um in allen verschiedenen Bereichen der E-Mobility voranzukommen, wurde das StreetScooter Projekt aus der Taufe gehoben, ein Projekt bei dem Kampker betont, dass es sich nicht um ein Förderprojekt handelt, also noch kein müder Brüssel-Euro in dieses Projekt gewandert ist, sondern um ein Industrieprojekt. Dass dieses Projekt Mitte 2009 initiiert wurde, beweist für Kampker, dass die Industriepartner ihr Engagement Ernst nehmen. Innerhalb dieses Projekts wurde ein Kleinwagen für den urbanen Verkehr entwickelt. Und nachdem Kampker erklärt hat, dass die Wirtschaftlichkeit ein entscheidender Punkt ist, wurde dieser Punkt natürlich in der Entwicklung berücksichtigt. Und das Ziel lässt hier auch keinen Zweifel aufkommen: Die günstigste Basisversion soll bereits zu einem Preis von 5.000 Euro allerdings ohne Batterie angeboten werden. Und laut Kampker sieht es so aus, als ob dieses Ziel auch erreicht werden kann. Bereits in diesem Jahr sollen erste Prototypen kommen, die Kleinserienproduktion ist ab 2013 geplant.