Interview mit Martin Goetzeler, dSpace „Bescheiden bleiben, aber sichtbarer werden“

Martin Goetzeler, dSpace: »Entwicklungschancen sehe ich vor allem im Bereich Prozess- und Strukturverbesserungen sowie bei einer weiteren Internationalisierung und einer stärkeren Positionierung unserer Marke nach außen. Und bei innovativen Themen wie autonomes Fahren sowie Elektromobilität werden wir weiter aufs Tempo drücken.«

Martin Goetzeler ist seit Ende Februar neuer Geschäftsführer des Paderborner Entwicklungs- und Testspezialisten dSpace. Im Gespräch mit der Markt&Technik zieht er eine erste Bilanz und verrät, wie er das Familienunternehmen strategisch, personell und in der Außendarstellung weiterentwickeln will.

Markt&Technik: Herr Goetzeler, ein Wechsel zu einem neuen Arbeitgeber ist immer mit gewissen Erwartungen verbunden. Was hat Sie nach nunmehr sechs Monaten im neuen Job bei dSpace überrascht – im Positiven wie im Negativen?

Martin Goetzeler: Eigentlich nicht viel. Das liegt einfach daran, dass ich Dr. Herbert Hanselmann, den Gründer und Gesellschafter von dSpace, schon seit 15 Jahren kenne. Wir sind uns bei den Baden-Badener Unternehmensgesprächen begegnet und seit dieser Zeit auch privat befreundet. Ich hatte daher schon interne Kenntnisse, bevor ich die Position angetreten habe.

Sie haben für große Konzerne wie Siemens oder Osram gearbeitet. Was reizt Sie an der Führung eines mittelständischen Unternehmens in ländlicher Idylle?

dSpace ist für mich spannend, weil es ein global aufgestelltes High-Tech-Unternehmen ist, man könnte auch sagen: ein Hidden Champion. Im Unterschied zu vielen Großunternehmen haben wir flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege. Gerade durch die enge Zusammenarbeit mit dem Gründer lassen sich auch strategische Entscheidungen sehr schnell fällen. Hinzu kommt, dass dSpace die Vorteile eines Familienunternehmens bietet, also Themen wie Kontinuität sowie keine Pflicht zur quartalsweisen Publizität. Und auch die Firmenkultur – der dSpace-Spirit – unterscheidet sich von der üblichen Kultur eines Großunternehmens.

Woran lässt sich diese andere Kultur im Arbeitsalltag denn konkret festmachen?

Das fängt schon damit an, dass sich bei uns alle duzen. Und bei Bedarf kann auch jeder mit seinem Anliegen direkt zum Gründer oder Geschäftsführer kommen. Damit die Kollegen mich besser kennenlernen können, haben wir zudem gemeinsame Frühstücks-Meetings für bis zu zwölf Mitarbeiter eingeführt. Dies bietet die Möglichkeit zu einem persönlichen Dialog, der mir wichtig ist.

Sind Sie eigentlich trotz oder gerade wegen des Standorts Paderborn zu dSpace gegangen?

Das entscheidende Kriterium ist für mich die extrem spannende Aufgabe. Ich fühle mich aber auch in Paderborn sehr wohl. Sie können hier nicht weit vom Stadtzentrum wohnen und sind trotzdem mitten im Grünen. Da kann man gut abschalten und schnell runterkommen. Paderborn ist eine Stadt mit einer sehr langen Tradition, hat aber zugleich eine junge Bevölkerung. Und für die gibt es ein großes Angebot: Schulen, eine Universität mit 20.000 Studierenden, Sportvereine, ein ausgewogenes Kulturangebot und eine Umgebung mit vielen Freizeitmöglichkeiten sowie einer guten Infrastruktur inklusive Flughafen. Und anders als in den Großstädten können sich junge Familien hier leichter Wohneigentum leisten.

Aktuell teilen Sie sich die Verantwortung mit dem Eigentümer und bisherigen Geschäftsführer Dr. Hanselmann. Wie sieht da die konkrete Aufgabenverteilung aus?

Einzelne Bereiche und Regionen leite ich schon direkt. Dazu gehören etwa die administrativen Themen wie Personal oder auch Finanzen und IT. Dazu kommt die Verantwortung für bestimmte Regionen. Die übrigen Bereiche leiten wir in sehr enger Abstimmung. Bis zum Ende dieses Jahres werden sukzessive alle Aufgaben übergeben, sodass die Gesamtverantwortung dann ausschließlich in meinen Händen liegt. Herr Dr. Hanselmann wird in den Beirat wechseln, über den wir bei allen strategischen Themen weiterhin sehr eng zusammenarbeiten werden.

Gerade Gründern fällt es oft schwer, Verantwortung abzugeben. Wie erleben Sie das?

Dr. Hanselmann hat sich bewusst für jemanden entschieden, den er schon seit Langem kennt. Denn eine solche Übergabe erfordert Vertrauen. Wichtig ist vor allem, dass es ein klares Verständnis darüber gibt, welche Dinge auch zukünftig eng abgestimmt werden sollen. Ich denke, da sind wir auf einem sehr guten Weg.

In der Pressemitteilung zu Ihrer Berufung wurde auch kommuniziert, dass dSpace ein Familienunternehmen bleiben soll und es zu Ihren Aufgaben gehört, die zweite Generation an das Unternehmen heranzuführen. Wie sehen da die konkrete Umsetzung und der zeitliche Rahmen aus?

Zwei Kinder von Dr. Hanselmann und seiner Ehefrau Angelika Hanselmann, die ebenfalls Gesellschafterin und von Anfang an im Unternehmen ist, beenden gerade ihr Studium der Informatik bzw. Mechatronik. Das dritte Kind hat Betriebswirtschaft studiert und arbeitet bereits bei dSpace. Von dem Management-Team und mir wird erwartet, dass wir sie gewissermaßen mit dem Handwerkszeug für eine Führungsfunktion im Unternehmen oder Beirat ausstatten. Wir werden dafür einen entsprechenden Plan definieren. Die endgültige Entscheidung, ob die zweite Generation im Unternehmen Verantwortung übernehmen will, liegt natürlich bei ihr selbst. Dafür gibt es keinen Zeitdruck.