Cepton Technologies »Bei Lidar geht es um Safety, nicht um autonomes Fahren«

Dr. Jun Pei, Cepton Technologies: »Ich bin überzeugt, dass in vier bis fünf Jahren auch Mittelklassefahrzeuge mit Lidar ausgestattet sein werden.«

Im Rahmen einer Finanzierungsrunde der Serie C hat Cepton Technologies von Koito Manufacturing Anfang des Jahres 50 Mio. Dollar erhalten. Die Investition hindert Cepton nicht daran, mit anderen Tier-Ones zusammenzuarbeiten, so die klar Aussage von Dr. Jun Pei, Mitbegründer und CEO von Cepton.

Markt&Technik: Koito hat die letzte Finanzierungsrunde bei Cepton angeführt und wurde damit auch Technologie- und Fertigungspartner von Cepton. Haben Sie keine Bedenken, dass andere Tier-Ones in Zukunft davor zurückschrecken könnten, die Technik von Cepton zu nutzen?

Dr. Jun Pei: Nein, das glaube ich nicht. Zum einen hält Koito nach der Investition nur einen kleinen Anteil an Cepton, wir sprechen also von einer Minderheitsbeteiligung. Das heißt, dass Koito nicht die Kontrolle über das Unternehmen übernommen hat. Und zum anderen: Auch wenn Koito Technologie- und Fertigungspartner von Cepton ist, die Partnerschaft ist nicht exklusiv.

Koito ist ein japanisches Unternehmen, das führend im Bereich Automobilbeleuchtung ist. Sie fertigen bis heute keine Kameras oder sonstige Sensorsysteme. Koito erhält mit diesem Investment die Möglichkeit, sich zu differenzieren und zu einem wichtigen Sensorlieferanten zu werden und somit einen Mehrwert für Tier-Ones zu schaffen. Das Investment ist also kein Problem.

Was wollen Sie mit dem Geld machen?

Die gesamte Lidar-Industrie steht derzeit vor einem Problem. Dabei geht es nicht so sehr um die Technologie, sprich: ob die Systeme eine vernünftige Performance erreichen. Sondern es geht vielmehr darum, die Technologie so auszulegen, dass sie Automotive-qualifiziert werden kann, und der Qualifikationsprozess in der Automobilindustrie ist bekanntermaßen zeitaufwändig und teuer. Dementsprechend werden wir einen Großteil des Investments dafür verwenden, unsere ausgefeilte High-End-Technologie so weiterzuentwickeln, dass sie robust und zuverlässig ist und sich dafür eignet, in jedem Auto eingesetzt zu werden.

Sind Sie bereits in Kontakt mit OEMs?

Ja, mehr oder weniger jeder große OEM kennt unsere Technologie. Natürlich stehen wir mit manchen OEMs in engerem Kontakt, aber hierzu kann ich keine Details nennen. Aber ganz klar, Cepton und unsere Technologie sind weltweit bekannt.

Audi nutzt in seinem A8 Lidar. Das Fahrzeug gilt als erstes Serienfahrzeug, das hinsichtlich des Automatisierungsgrades Level 3 erreicht hat. Allerdings dürfen die Funktionen in Deutschland nicht genutzt werden, weil die rechtliche Grundlage fehlt. Könnte die rechtliche Problematik zum Hindernis für Lidar werden?

Fahrzeuge mit Level 3 und drüber sind nicht nur ein technisches Problem, sondern vielmehr muss eine Kombination aus vielen Faktoren greifen, damit dieser Ansatz umgesetzt werden kann. Dazu zählen technische, rechtliche, kommerzielle Fragen, plus Infrastruktur etc. Alles muss funktionieren, bevor die Automatisierung weiter voranschreiten kann. Das von Ihnen angeführte Fahrzeug mit Lidar entspricht nicht Level 3. Level 3 entspricht einem höheren Grad an Automatisierung, derzeit ist dieser Grad noch nicht verfügbar und das wird auch noch etwas dauern. Level 4 ist dementsprechend noch viele, viele Jahre entfernt. Tesla und auch die OEMs aus Deutschland bieten Fahrzeuge mit Level 2,5, also auch hier sind wir noch nicht bei Level 3 angekommen. Nichtsdestotrotz: rechtliche Gründe können der Automatisierung sicherlich auch Schwierigkeiten bereiten.

Wenn Level 3 noch etwas dauert, dann wird Lidar erst einmal gar nicht gebraucht.

Falsch: Lidar hat aus unserer Sicht nichts mit Level 2, 3 oder 4 zu tun. Lidar ist vielmehr eine Safety-Technologie, die zusammen mit Radar und Kamera für die Sicherheit des Fahrzeugs genutzt wird. Es geht überhaupt nicht um automatisiertes Fahren. Autonomes Fahren wird infolge der Implementierung von Lidar kommen, aber darum geht es erst einmal nicht.

Lidar muss kostengünstig werden und die richtige Performance bringen. Aber sobald das erreicht wird, wird die Adaptierung und Akzeptanz der Technologie steigen, und zwar als Safety Feature. Da spielt der Wunsch nach Level 3 oder 4 gar keine Rolle. Das heißt, dass Lidar auch in Fahrzeugen des Level 2,5 Einsatz finden wird, und zwar aufgrund des höheren Sicherheitsniveaus, das sich mit dieser Technologie erreichen lässt. Stellen Sie sich folgende Szene vor: Ein Fußgänger oder ein Kind läuft vor dem Auto auf die Straße, während Sie durch etwas anderes abgelenkt sind. Radar und Kamera würden nicht zuverlässig erkennen, dass ein Kind vor das Auto läuft, mit Lidar hingegen wäre das möglich, sprich: es würde ein höheres Safety-Niveau erreicht. Und sobald die Kosten an dem Punkt angekommen sind, die für diese zusätzliche Sicherheit gerechtfertigt sind, werden diese Systeme auch angenommen, das ist überhaupt keine Frage.