Elektromobilität 1 Mio. Elektroautos sind bis 2020 nicht zu schaffen

Ferdinand Dudenhöffer: »Wenn die Chinesen die Entwicklung der Elektromobilität stark
fördern und wir nicht, dann haben unsere Automobil-industrie und ihre Zulieferer
in der Zukunft ein erhebliches Problem.«

Die Bundesregierung will bis 2020 eine Million Elektroautos auf die deutschen Straßen bringen. Doch laut Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen ist dieses Ziel nicht erreichbar – wenn die Bundesregierung nicht deutlich mehr Geld locker macht und die Art der Förderung ändert.

Derzeit sind 500 Mio. Euro Forschungs- und Entwicklungsunterstützung für Elektromobilität vorgesehen bzw. genehmigt. Dudenhöffer glaubt aber, dass 5 Mrd. Euro notwendig wären, um das Ziel zu erreichen. Außerdem bemängelt er, dass die Fördergelder im Gießkannenprinzip verteilt werden und damit viel Geld auch in Kleinprojekten mehr oder minder verdampft. Hier würde doppelt und dreifach das gleiche Problem bearbeitet. Dudenhöffer: »Mit dem wenigen Geld, das uns zur Verfügung steht, verzetteln wir uns auch noch. Die Forschungsgelder müssen gebündelt werden.« Dudenhöffer geht davon aus, dass die Kfz-Hersteller 2020 weltweit rund 6,2 Mio. batteriebetriebene Elektrofahrzeuge und Plugin- Hybride bauen werden. Dieser Schätzung liegen die Annahmen zugrunde, dass 2025 ein Barrel Öl etwa 350 Dollar kostet und dass der Preis für ein batteriebetriebenes Elektrofahrzeug 2011 bei nur noch 40.000 Dollar liegt – der »Nissan Leaf« liegt heute schon bei einem Preis von 32.780 Dollar, ohne Subventionen. Dudenhöffer: »Weil in Deutschland der Ausbau von Mega-City-Projekten und die Industrieforschung in wichtigen Bereichen wie der Batterie-Entwicklung und im Carbon-Leichtbau deutlich zu gering gefördert werden, wird die Elektromobilität in Deutschland auch langsamer ins Laufen kommen als in anderen Ländern.«

 

Konkret gab es 2009 in Deutschland lediglich 1588 Elektrofahrzeuge. Und selbst mit optimistisch eingeschätzten Wachstumsraten kommt Dudenhöffer lediglich auf zusammen knapp 600.000 Elektrofahrzeuge und Plug-In-Hybride. Dudenhöffer: »Die Zielvorgabe der Bundeskanzlerin wird damit erheblich verfehlt. Wesentlicher Grund für die Zielverfehlung ist die zu zaghafte Förderpolitik.« Deshalb fordert er ganz konkret folgende Veränderungen:

• Die Forschungs- und Entwicklungsbudgets für Elektromobilität müssen deutlich erhöht und wettbewerbsfähig gegenüber China und den USA ausgelegt werden.

• Deutschland braucht verstärkt industrielle Leuchtturm-Projekte und nicht eine Forschungsförderung, die zwischen Flensburg und Berchtesgaden zig verschiedene Kleinprojekte fördert.

• Mehr urbane Verkehrssituationen in den Großstädten ermöglichen, in denen das Elektroauto eine zentrale Rolle spielt.