Die Anwendung ist entscheidend Web-HMI oder native HMI - welches Konzept ist das bessere?

Typische Einsatzbereiche von HMI-Software – Design und Funktion richten sich nach Anwendung und Ziel-HMI-Gerät.
Typische Einsatzbereiche von HMI-Software – Design und Funktion richten sich nach Anwendung und Ziel-HMI-Gerät.

HMI-Software auf Basis reiner Web-Technik liegt im Trend, doch es gibt nach wie vor viele Anwendungen, in denen native HMI-Ansätze ihren Web-gestützten Pendants überlegen sind. Welche sind das, und wann sind Kombinationen sinnvoll?

Stefan Niermann, verantwortlich für den Vertrieb beim HMI-Software-Hersteller Inosoft, gibt Auskunft.

Markt&Technik: Welche Vor- und Nachteile haben Web-HMI-Konzepte, welche native HMI-Konzepte generell?

Stefan Niermann: Das native Konzept hat den großen Vorteil, dass man auf der Zielplattform wirklich alles nutzen kann, was sie bietet. Für unsere HMI-Software „VisiWin“ sage ich immer: »Damit kann man im HMI alles machen, was ein Windows-Rechner leistet.« Das liegt in dem Fall am offenen Ansatz unseres Systems, lässt sich aber auch auf andere Hersteller übertragen, soweit deren Produkte einen ähnlichen Funktionsumfang bieten.

Ein Vorteil des Browsers ist, dass in fast jedem Gerät mit Netzwerkanschluss und Display ein solcher installiert ist. Unterstützt der Browser die benötigten Standards, kann er einen Client für ein HMI ohne weitere Installation ausführen.

Ein wichtiger Unterschied ist, dass ein Browser eher den Charakter einer Anzeige und Bedienung hat. Im Gegensatz dazu kann der native Client zusätzlich auch komplexeste Logiken ausführen. Der Browser kann zwar JavaScript interpretieren, aber die Logik gehört eher zum Kontext der Seite und unterliegt aus verständlichen Sicherheitsgründen großen Einschränkungen beim Zugriff etwa auf Dateisystem, Betriebssystem und Hardware. Eine richtige Geschäftslogik gehört in diesem Szenario in den Server und wird dort vermutlich mit einer anderen Programmiersprache erstellt.

In welchen Anwendungen sind Web-HMI-Konzepte, in welchen native HMI-Konzepte und in welchen eine Kombination aus beiden am sinnvollsten?

Eine schöne Frage! Sie impliziert nämlich, dass man die Vor- und Nachteile jeder Lösung abwägen und dann das sinnvollste Konzept auswählen sollte. Ich höre immer wieder: »Das macht man doch heute so, das ist doch die Zukunft!« Die Entscheidung ist aus meiner Sicht sehr wichtig und sollte auf Basis von fundierten Fakten und nicht auf Basis von »das macht man doch so« getroffen werden.

Ein fest installiertes, lokales HMI an einer Maschine oder auch ein verteiltes System mit vielen Funktionen, einer ausgefeilten Oberfläche und hoher Funktionssicherheit ist häufig gut und geradlinig mit einer nativen Lösung umzusetzen.

Sobald ich ohne Installation auskommen muss, also beispielsweise Websites für den Betrieb, die Wartung oder die Reparatur einer Maschine mit einem mitgebrachten Tablet aufrufen will, bin ich mit der Browser-Lösung gut beraten. Übersichten für den Zustand der Maschine, Produktionszahlen oder ähnlich gelagerte Information kann ich ebenfalls im Browser gut darstellen. Eine Bedienung ist natürlich auch möglich. Da muss ich nur bei tragbaren Geräten auf die Sicherheit achten – man darf schließlich nichts bedienen, was man nicht sehen kann. Wenn der Kopf des Kollegen noch in der Maschine steckt …

In vielen Fällen ist also die Kombination aus lokaler Bedienung mit einer nativen Lösung und zusätzlichen Geräten zur Übersicht, Wartung oder Überwachung mit dem Web-HMI eine sinnvolle Lösung. Die Botschaft lautet: Zuerst analysieren, welche Lösung am besten zu den Anforderungen passt!

Welche Möglichkeiten bieten Web-HMI- und native HMI-Konzepte in puncto Design und Grafik?

Aus technischer Sicht sind die grafischen Möglichkeiten beider Konzepte fast gleichwertig. Ich kann nur für uns sprechen, und da ist es so, dass wir beide Konzepte mit der jeweils besten geeigneten Technologie und absoluter Offenheit unterstützen. Natürlich hat jedes System seine eigenen Stärken und Schwächen. Das würde aber nicht bedeuten, dass etwas gar nicht geht. Ich spreche hier allerdings nicht von extremen Anforderungen wie etwa in modernen High-End-Gaming-Anwendungen. Da ist der Browser im Nachteil.