Kommentar Was Smart Metering wirklich bringt

Heinz Arnold Chefredakteur, HArnold@markt-technik.de

Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende regelt auch die Zukunft des Smart Metering in Deutschland. Wenn die Infrastruktur erst einmal steht, eröffnen sich interessante Möglichkeiten.

Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende ist nun im Bundestag verabschiedet. Nach einem Stufenmodell werden also ab 2017 Smart Meter und Smart Meter Gateways ausgerollt. Auf dem »Smart Home & Metering Summit« der Energie & Technik, der letzte Woche in München stattgefunden hat, waren sich die Teilnehmer einig: In diesem Gesetz geht es nicht um den Endkunden, es geht darum, das Stromverteilnetz »intelligent« zu machen. So wundert es nicht, dass von den befragten EVUs 44% die Marktentwicklung über die kommenden Jahre vor allem durch gesetzliche Verpflichtungen getrieben sehen, wie Jens Gatena von trend:reseach erläuterte. Den möglichen Kundenbedarf erachten nur 5% als treibenden Faktor. Dagegen sehen 59% eine große Barriere: die mangelnde Akzeptanz der Kunden.

Denn die Kunden sehen im Smart Metering für sich zunächst keinen Vorteil. Da haben sie ja auch Recht: Das Einsparpotenzial an elektrischer Energie ist gering. Für die Energieversorger bringt die Digitalisierung der Infrastruktur aber tatsächlich etwas: Sie macht nicht nur das Netz steuerbar, was dringend nötig ist, sondern sie ermöglicht – und erfordert es –, neue Geschäftsmodelle aufzubauen.

Viele Versorger haben das erkannt. Deshalb werden viele sehr schneller und umfassender ausrollen, als das der Gesetzgeber vorschreibt. Denn nur wenn die komplette Infrastruktur steht, werden sie neue Geschäftsmodelle aufbauen und damit Geld verdienen können.

Das könnte sich dann auch sehr schön mit den Aktivitäten treffen, die im Smart-Home-Bereich derzeit im Gange sind. Dieser Markt explodiert zwar nicht, »aber er reift«, wie es ein Teilnehmer am Summit ausdrückte. Die Zeit der Me-too-Produkte ist vorbei, die Hersteller von Smart-Home-Produkten müssen sich überlegen, wo ihre Kernkompetenzen liegen, und danach entscheiden, in welchen Partnernetzwerken sie mitmachen wollen, um den Endkunden mehr als Inselsysteme bieten zu können, von denen keiner etwas hat. Auch die EVUs strecken zunehmend die Fühler in dieses Feld aus, immerhin ein Drittel wollen das Thema Smart Home angehen.

Es wird sehr spannend sein zu sehen, welche Allianzen, Ökosysteme, Frameworks und Vertriebskanäle sich bilden und welche Unternehmen künftige welche Rollen im Smart Home einnehmen werden.

Eines dürfte sicher sein: Mit der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung wird der Smart-Home-Markt rasch wachsen. Energie zu sparen, dürfte für den Smart-Home-Nutzer nicht die ausschlaggebende Motivation sein, aber ein wichtiges Kriterium. In Kombination mit der Infrastruktur, die EVUs aufbauen, ergeben sich interessante Verknüpfungen. Und darum geht es im IoT-Thema schlussendlich: Verknüpfungen zu bilden und sinnvoll zu nutzen. So lassen sich Geschäftsmodelle umsetzen, die den Endkunden wirklich etwas bringen. Sobald es soweit ist, dürften die Diskussionen um die Barrieren, und was der Smart-Meter-Rollout dem Einzelkunden bringt oder nicht, endgültig der wohlverdienten Vergessenheit anheimgefallen sein.