HSLink versus CoaXPress Was kommt nach CameraLink?

CoaXPress

CoaXPress wurde vom niederländischen Industriekamera-Hersteller Adimec Advanced Image Systems gemeinsam mit dem belgischen, auf Equalizer- und Transceiver-Bausteine spezialisierten Halbleiter-Anbieter EqcoLogic entwickelt. Hinter CoaXPress steht das 2009 gegründete CoaXPress-Konsortium, in dem außer Adimec und EqcoLogic bislang die Unternehmen Active Silicon (Framegrabber), Components Express (Kabel), Aval Data (Framegrabber) und NED (Zeilenkameras) vertreten sind.

Standardisiert wird CoaXPress unter dem Dach der JIIA (Japan Industrial Imaging Association). »Anlässlich der Messe 'ITE Show’ im japanischen Yokohama im Dezember 2009 hat das CoaXPress-Konsortium die Version 1.0 der CoaXPress-Spezifikation präsentiert und formell an eine Arbeitsgruppe der JIIA übertragen, die jetzt für die Weiterentwicklung des Standards zuständig ist«, erläutert Jochem Herrmann, CTO von Adimec. »Natürlich werden die Mitglieder des Konsortiums die Arbeitsgruppe weiterhin tatkräftig unterstützen. Im nächsten Spezifikations-Schritt geht es darum, die Kompatibilität zum Software-Schnittstellen-Standard GenICam herzustellen.«

Funktionsfähige Prototypen aller Komponenten eines vollständigen CoaXPress-Systems sind vorhanden; noch in diesem Quartal soll die Auslieferung beginnen. Laut Herrmann arbeiten auch große japanische Kamerahersteller an Geräten für CoaXPress: »Noch innerhalb der ersten Hälfte des Jahres 2010 werden einige neue Produkte auf den Markt gelangen«, betont er.

CoaXPress erlaubt die Konfigurationen »Base« mit 1,25 GBit/s Bilddatenrate und bis zu 130 m Kabellänge oder 3,125 GBit/s Bilddatenrate und maximal 100 m Kabellänge sowie »Full« mit 6,25 GBit/s (781,25 MByte/s) Bilddatenrate und bis zu 40 m Kabellänge (jeweils bezogen auf das RG6-Koaxkabel »Belden 1694A«). Hubs, Repeaters oder ähnliche Komponenten sind nicht erforderlich. Die Standard-Datenraten ähneln also denen von CameraLink (2,04 GBit/s in der Base-, 4,08 GBit/s in der Medium- und 5,44 GBit/s (680 MByte/s) in der Full-Konfiguration), wobei CameraLink-Kabel normalerweise auf 10 m beschränkt sind.

Skalierbar ist CoaXPress entweder mittels mehrerer Koaxkabel oder eines Koaxkabels mit mehreren Kabelsträngen. Die maximale Bilddatenrate erhöht sich jeweils auf das entsprechende Vielfache von 6,25 GBit/s, und zwar bei Kabellängen von maximal 40 m. Components Express hat bereits ein Kabel mit fünf Strängen für Bilddatenraten bis 31,25 GBit/s (3,9 GByte/s) entwickelt; es nutzt einen 5-Koax-Steckverbinder mit dem Profil eines D-Sub-25-Steckverbinders. Weil sich pro Kabel 13 W elektrische Leistung übertragen lassen, transferiert dieses Kabel 65 W.

In jeder Konfiguration überträgt CoaXPress im Uplink, also vom Framegrabber zur Kamera, Steuersignale mit bis zu 20 MBit/s (2,5 MByte/s). Als Transceiver dienen die EqcoLogic-Bausteine EQCO 62T20 auf der Kameraseite und EQCO 62R20 auf der Framegrabber-Seite. Wettbewerbsprodukte zu den beiden Physical-Layer-Bausteinen, also eine Second Source, gibt es bislang freilich nicht; Unternehmen, die CoaXPress-Kameras oder -Framegrabber anbieten wollen, müssen auf diese beiden Bausteine zurückgreifen.

HSLink versus CoaXPress

Insgesamt zeigt sich, dass beide Techniken, HSLink und CoaXPress, spezifische Vor- und Nachteile haben. So ist HSLink in punkto Übertragungsbandbreite CoaXPress überlegen, besonders deutlich im Uplink, wenn es beispielsweise um die Übertragung von Triggersignalen vom Framegrabber zur Kamera geht. Andererseits dürfte CoaXPress leichter zu implementieren und kostengünstiger sein als HSLink. In Sachen Offenheit schlägt das Pendel wieder zu HSLink zurück, weil die nötigen Transceiver-Bausteine bisher nur von einem Hersteller, nämlich EqcoLogic, vorliegen. Ob bzw. auf welchen Märkten nun HSLink oder CoaXPress letztlich das Rennen macht oder ob die beiden Techniken nebeneinander existieren können, bleibt vorerst offen.