Senioren sind Service-Robotern gegenüber mehrheitlich positiv eingestellt VDE-Studie: Roboter bald auch zu Hause

Akzeptanz von Service-Robotern
Akzeptanz von Service-Robotern

Laut einer neuen VDE-Studie werden Roboter und automatisierte Lösungen für ältere Menschen zunehmend in die Haushalte einziehen und auch Pflegeaufgaben übernehmen. Der deutschen Industrie eröffne dies wegen ihrer guten Position in Industrierobotik, Automatisierung und anderen Basistechniken große Potentiale auf dem Weltmarkt.

»Unsere Experten erwarten in der Service-Robotik Wachstumsraten im zweistelligen Bereich, die zu neuen Arbeitsplätzen führen«, erläuterte VDE-Präsidiumsmitglied Dr. Kurt Bettenhausen. Andererseits trügen Service-Roboter dazu bei, die Herausforderungen des demografischen Wandels erfolgreich zu meistern und die Lücke zwischen einer kontinuierlich alternden Bevölkerung, einer rückläufigen Erwerbstätigenzahl und einem Mangel an Pflegekräften zu schließen.

Vor allem in der Rehabilitationsrobotik, etwa bei intelligenten Rollstühlen, kleinen Roboterarmen oder neuartigen Beinprothesen, erwartet der VDE in naher Zukunft große Fortschritte. Sie ermöglichen es schon heute alten, kranken oder behinderten Menschen, verlorene Mobilität und Selbständigkeit zurückzugewinnen. Einen kommenden Boom sieht der Verband in der Entwicklung von menschenähnlichen Robotern (Humanoiden) als Haushaltshelfer für komplexe Aufgaben oder als persönliche Assistenten für ältere Menschen. »Wir erwarten für die nächsten zehn Jahre erhebliche Zuwachsraten in diesem Marktsegment«, verdeutlichte Bettenhausen. Vor allem in Japan und Korea herrsche eine regelrechte Technikbegeisterung für Roboter: »Aus diesen Ländern stammen viele sinnvolle Produktentwicklungen, und es kommen immer schneller immer mehr davon«, betonte Bettenhausen. »Nicht weil man es dort besser kann als wir, sondern weil es dort besser ankommt und weil man die Chancen für Industrie und Gesellschaft erkannt hat.« Bei der Akzeptanz und bei vielen Aktivitäten hätten Länder wie Japan und Korea die Nase vorn: »Sie wollen in der Service-Robotik auch explizit einen Spitzenplatz einnehmen, um den Herausforderungen des demografischen Wandels zu begegnen«, fuhr der VDE-Mann fort.

Roboter sollen, so die Vision, gemeinsam mit älteren Menschen den Alltag bewältigen und sie dabei unterstützen, länger so eigenständig wie möglich zu leben. Aber werden Service-Roboter von Senioren überhaupt akzeptiert? Der VDE-Studie zufolge steht die Mehrheit der Senioren (56 Prozent) Service-Robotern positiv gegenüber. 50 Prozent der Pflegekräfte befürworten den Einsatz von Robotern zu Hause. Am beliebtesten sind Haushaltsroboter wie Staubsauger- und Wischroboter, aber auch futuristische Anwendungsszenarien wie der »roboterisierte Rollstuhl«. Allerdings zeigt die VDE-Studie auch, dass das gesellschaftliche und technologiepolitische Bekenntnis zum »Freund Roboter« noch nicht so klar ausfällt wie in asiatischen Ländern wie Südkorea oder Japan. So lehnen 40 Prozent der Senioren die Service-Robotik im Alltag spontan ab. 60 Prozent der befragten Senioren empfinden Robotik als »unheimlich«.

Der Wunsch nach einer selbstständigen Lebensführung ist jedoch ein starker Faktor für die Akzeptanz. So erreichte das futuristische Anwendungsszenario »roboterisierter Rollstuhl« einen der höchsten Ranking-Plätze, obwohl die Vorbehalte gegenüber Systemen, die direkt mit den Menschen kommunizieren, kooperieren oder sie sogar berühren, am stärksten ausgeprägt sind. Der Nutzen - Mobilität, Orientierung, Unabhängigkeit, Selbständigkeit, Schutz der Intimsphäre - wird in diesen Fällen höher bewertet als die damit verbundenen akzeptanzhemmenden Faktoren. Die überwiegende Mehrheit der Befragten würde einen Service-Roboter zu Hause der Alternative Altenheim vorziehen. Am beliebtesten sind Roboter, die abgrenzbare Tätigkeiten im Haushalt autonom erledigen, vor allem Staubsauger- und Wischroboter. Im Mittelfeld liegen die Szenarien »gesundheitliches Monitoring«, »Fitness-Coach« und »Kommunikation und Anregung«, gefolgt von Fensterputz-Robotern, Therapieanwendungen und humanoiden Haushaltsrobotern für komplexe Tätigkeiten.

Die VDE-Studie mit dem Titel »Mein Freund der Roboter« erscheint im VDE-Verlag und kostet 29 Euro. Herausgeber ist die BMBF/VDE-Innovationspartnerschaft AAL (Ambient Assisted Living). Autorin ist Dr. Sybille Meyer vom SIBIS - Institut für Sozialforschung in Berlin.