Interview mit Sayed Soliman, MaxxVision Trigger over Ethernet ergänzt Power over Ethernet

Sayed Soliman, MaxxVision: »Das ToE-Feature stellt ein echtes Novum dar.«
Sayed Soliman, MaxxVision: »Das ToE-Feature stellt ein echtes Novum dar.«

Power over Ethernet (PoE) hat sich mittlerweile in der industriellen Bildverarbeitung etabliert. Jetzt ergänzt der südkoreanische Kamerahersteller Crevis gemeinsam mit dem Stuttgarter Value-Added-Distributor MaxxVision PoE um Trigger over Ethernet (ToE).

Mit ToE werden außer Daten und Strom auch die Trigger-Signale über das Standard-Ethernet-Kabel übertragen. Sayed Soliman, Geschäftsführer von MaxxVision, informiert über die technische Funktionsweise von ToE und versucht, dessen künftige Marktbedeutung einzuschätzen.

Markt&Technik: Ist ToE bislang ein Alleinstellungsmerkmal der von MaxxVision vertriebenen GigE-Kameras des Herstellers Crevis?

Sayed Soliman: Ja, die beiden 5-Megapixel-GigE-Vision-Kameras HV-C550G und HV-B550G (Monochrom- und Farbversion) von Crevis sind die einzigen Kameras auf dem Markt mit ToE-Funktionalität.

Wie funktioniert ToE technisch?

Ähnlich wie bei PoE werden die vier Twisted-Pair-Leitungen des Netzwerkkabels für die Signal- und Stromversorgung genutzt. Jeweils zwei der Twisted-Pair-Leitungen werden für die PoE- und ToE-Signale verwendet. Diese Konfiguration wird über einen ToE-Hub realisiert.

Wie muss das ToE-Kabel beschaffen sein, damit ToE funktionieren kann?

Es lassen sich handelsübliche Cat5e- oder Cat6-Netzwerkkabel (LAN-Kabel) verwenden.

Welche Komponenten und Subsysteme sind auf der Kameraseite und auf der PC-Seite nötig, damit ToE funktionieren kann?

Neben Standard-Netzwerkkabel und -Netzwerkkarte ist ein ToE-Hub erforderlich. Er verfügt frontseitig über Anschlüsse für bis zu vier PCs sowie den Trigger-Eingang und die Spannungsversorgung. Auf der Rückseite lassen sich bis zu vier Kameras anschließen, wie die Abbildung zeigt.

Der große Vorteil von ToE ist, dass das separate Trigger-Kabel wegfallen kann. Wo liegen die weiteren Vorteile von ToE?

Dass für die gesamte Signalversorgung der Kamera nur ein einziges Netzwerkkabel vonnöten ist, vereinfacht Integration und Wartung im Vergleich zu Standard-GigE-Kameras wesentlich - besonders an schwer zugänglichen Stellen oder in Bereichen, wo viele Kabel stören würden. Dies betrifft nicht nur das Verlegen von Kabeln und Kabelkanälen und das damit verbundene Handling, sondern auch eine etwaige spätere Fehlersuche oder Diagnostik. Bei Multikamera-Systemen oder bewegten Systemen fallen diese Argumente umso mehr ins Gewicht.

Hat ToE auch Nachteile? Wenn ja, welche?

Die Wärmeentwicklung bei den ToE-Kameras ist etwas höher als bei den Standardmodellen. In der Praxis stellt das jedoch kein Problem dar.

Wie wirkt sich ToE auf den Preis der Kameras bzw. des Bildverarbeitungssystems aus?

Die Preise für die Kameras mit der momentan verfügbaren Auflösung von 5 Megapixel bewegen sich trotz integrierter ToE-Funktionalität auf dem Niveau vergleichbarer GigE-Standard-Modelle anderer Hersteller auf CCD-Basis.
Der bei PoE-Lösungen benötigte PoE-Adapter wird durch den preislich vergleichbaren ToE-Hub ersetzt. Kosten für die normalerweise benötigten Spannungsversorgungskabel sowie spezielle Trigger-Kabel entfallen. Dieser Preisvorteil wirkt sich umso deutlicher aus, je größer die Entfernungen sind, die überbrückt werden müssen.

Wirkt sich ToE auf die Qualität des Trigger-Signals aus? Wenn ja, inwieweit?

Im Vergleich zur Übertragung mit Standard-Trigger-Kabel sind auch bei großen Entfernungen keinerlei Unterschiede feststellbar.

Benötigt jede GigE-Kamera ohne PoE und ToE, die an einen PC angeschlossen wird, in jedem Fall drei Kabel?

Für Standard-Applikationen mit GigE-Kameras sind mindestens zwei Kabel nötig: Strom- und Datenkabel. Sollen zusätzlich Trigger-Signale übertragen werden, ist ein drittes Kabel erforderlich.

Wie entwickelt sich die Nachfrage nach der ToE-Technik und den damit ausgestatteten Kameras?

Wir befinden uns momentan noch in der Einführungsphase für das bisher einzige ToE-Modell mit 5 Megapixel Auflösung. Dementsprechend beziehen sich die bisherigen Anfragen auf spezielle Applikationen, die diese Auflösungen erfordern, und weniger auf Standard-Anwendungen. Aussagen in Bezug auf die Akzeptanz der ToE-Technik generell sind daher zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht. Abhängig von den Erfahrungen und der Nachfragesituation werden wir zusammen mit unserem Partner Crevis die Integration der ToE-Technik in weitere GigE-Modelle vorantreiben.

Welches Marktpotenzial sehen Sie für GigE-Kameras mit ToE, speziell in Deutschland und Europa?

Im GigE-Markt bewegen sich zahlreiche Anbieter und Hersteller, deren Kameras meist vergleichbare Funktionalitäten und Spezifikationen vorweisen. Das ToE-Feature stellt ein echtes Novum dar, wird aber realistisch betrachtet nur dann ein K.o.-Kriterium für den Kunden in seiner Kaufentscheidung sein, wenn die Verschlankung seiner Anwendung wesentliche Vorteile mit sich bringt. Unabhängig von der Bedeutung der ToE-Funktionalität für die Applikation des Kunden bieten wir vor allem eine preislich attraktive State-of-the-Art-5-Megapixel-GigE-Vision-Kamera auf CCD-Basis, die obendrein über das ToE-Feature verfügt.