Als taiwanesisches Unternehmen erzielt Moxa fast ein Drittel seines Umsatzes in Europa Städtische Infrastrukturen im Fokus

Justin Kao, Moxa Europe: »Moxa investiert intensiv in Industrial-Ethernet-Produkte für die Bereiche Transport- und Energiewesen, um so zu einem schnelleren Aufbau der ‚Smarter Cities’ beizutragen.«
Justin Kao, Moxa Europe: »Moxa investiert intensiv in Industrial-Ethernet-Produkte für die Bereiche Transport- und Energiewesen, um so zu einem schnelleren Aufbau der ‚Smarter Cities’ beizutragen.«

Der Industriekommunikationstechnik- und Embedded-PC-Hersteller Moxa erzielte sogar im Krisenjahr 2009 ein Umsatzplus. Seither hat sich das Wachstum noch beschleunigt. In Europa erwirtschaftet Moxa immerhin etwa 30 Prozent seines Umsatzes. Wie sieht nun die künftige Markt- und Branchenstrategie des Unternehmens aus?

Justin Kao hinterlässt ein wohlbestelltes Haus: Der Noch-Geschäftsführer der in Unterschleißheim bei München ansässigen europäischen Niederlassung von Moxa wird im Laufe des Frühjahrs als Geschäftsführer für Moxa Asia Pacific in die Zentrale des taiwanesischen Unternehmens wechseln. Wir sprachen mit ihm über die wirtschaftliche Entwicklung von Moxa im vergangenen Geschäftsjahr und über die jetzige und künftige Markt- und Branchenstrategie des Unternehmens.

Markt&Technik: Welche Umsatzentwicklung erwarten Sie für das Geschäftsjahr 2011?

Justin Kao: Der Umsatz des Unternehmens hat sich weltweit in den vergangenen Jahren überaus positiv entwickelt. Sogar im Geschäftsjahr 2009, auf dem Höhepunkt der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise, stieg er dank zahlreicher Aufträge aus China - zwar längst nicht so stark wie in den Vorjahren, aber immerhin um 5 Prozent. Im Aufschwungjahr 2010 beschleunigte sich das Wachstum wieder, so dass wir ein Plus von 25 Prozent auf 142 Mio. US-Dollar verbuchen konnten. Für das Geschäftsjahr 2011 liegen uns noch keine endgültigen Daten vor, aber wir rechnen mit einer Zunahme um weitere 30 Prozent auf 185 Mio. Dollar. Das Geschäftsjahr entspricht bei uns übrigens dem Kalenderjahr.

Für mich als bisherigem Geschäftsführer von Moxa Europe ist es ganz besonders erfreulich, dass wir in Europa für 2011 ebenfalls ein Wachstum von 30 Prozent erwarten können, und zwar auf 42 Mio. Euro. Im Jahr 2010 betrug der Umsatz der europäischen Niederlassung »nur« 33 Mio. Euro. Sie sehen: Moxa erwirtschaftet etwa 30 Prozent seines Umsatzes in Europa.

Welche Geschäftsfelder und Kundenbranchen haben sich 2011 für Moxa besonders gut entwickelt?

Sehr erfreulich entwickelt hat sich für uns die Verkehrstechnik als Zielbranche. Wir haben von dort einige größere Aufträge bekommen, speziell in Europa. Die besten Chancen sehen wir in der Bahntechnik und der Verkehrstelematik, international als Intelligent Transportation Systems (ITS) bekannt. Besonders der Bahntechnik-Markt zeigt sich sehr dynamisch. Obwohl unser Ursprung in der industriellen Kommunikation liegt, haben wir uns in den letzten Jahren zunehmend auf vertikale Märkte konzentriert und erzielen bereits mehr als 10 Prozent unseres Umsatzes in den Märkten Bahntechnik und ITS.

Ein beachtliches Wachstum erblicken wir auch in der Schiffstechnik, und zwar vor allem für unser Geschäft mit Embedded-Computern. Unsere Strategie lautet also, die Zielmärkte Bahn und ITS sowie Schiffstechnik noch stärker als bisher ins Visier zu nehmen.

Warum ist gerade die Bahntechnik für Moxa so wachstumsträchtig?

In der Schienenverkehrs-Infrastruktur kommt immer mehr Netzwerktechnik zum Einsatz, und zwar sowohl für Information und Unterhaltung der Passagiere als auch für die Kommunikation zwischen Zügen untereinander sowie zwischen Zügen und der Leittechnik, die sogenannte »wayside communication«. Zudem findet derzeit ein Wechsel von quasi-proprietären Bussystemen wie CAN zu IP-gestützten Systemen wie Ethernet statt. Moderne Bahnen erfordern Ethernet sowohl für verdrahtete als auch für drahtlose Kommunikationstechniken. Hieraus ergibt sich für uns ein zunehmendes Geschäftspotenzial, zumal wir bereits jetzt integrierte Produktlösungen für die Kommunikation innerhalb der Züge und zwischen ihnen und ihrer Umgebung anbieten können.

Was die Zukunft angeht, so plant Moxa, sich noch stärker auf den Markt für Infrastruktur zu fokussieren und dort vor allem auf die vertikalen Märkte Transportwesen und Energiewirtschaft.
Generell haben wir meines Erachtens die besten Wachstumsaussichten in Bereichen, die mit der Infrastruktur von Großstädten zu tun haben. Weltweit wachsen die Städte schnell, und unsere Kommunikationslösungen sollen dabei helfen, sie »smarter« zu machen.

Welche Rolle spielt die Energietechnik in der Strategie Ihres Unternehmens?

Tatsächlich beschäftigen wir uns derzeit genauer mit der Erzeugung und Verteilung von Energie aus erneuerbaren Quellen. Im Fokus haben wir dabei vor allem Kommunikationstechniken, die in Windparks und Solarkraftwerken erforderlich sind. Letztendlich ist dies aber nur ein Teilaspekt - interessant ist für uns die gesamte Datenübertragung im Rahmen des Smart Grid, also des künftigen intelligenten Stromnetzes, egal ob mit Hoch- oder Niederspannung.

Das Smart Grid wird in Zukunft alle verfügbaren Informationen miteinander verbinden, um die Verteilung des Stroms zur richtigen Zeit an die richtigen Stellen zu ermöglichen. Zur Übertragung und Verarbeitung der Daten ist IP-Kommunikation auf hohem Niveau erforderlich. Wir arbeiten auf diesem Gebiet eng mit führenden Unternehmen zusammen, um das Smart-Grid-Konzept zu realisieren.

Welche Bedeutung werden Wireless-Kommunikationsstandards im Smart Grid haben?

Im Smart Grid werden Wireless-Techniken wahrscheinlich eine geringere Rolle spielen als beispielsweise in der Bahntechnik oder der Fabrikautomatisierung. Wie es scheint, bleibt das Smart Grid zumindest vorerst drahtgebunden, obwohl WLAN in der Diskussion ist und längerfristig an Bedeutung gewinnen wird. Allerdings wird der Fokus auf absehbare Zeit darauf gerichtet sein, neue Standards auf Basis drahtgebundener Ethernet-Lösungen wie IEEE 1588 zu schaffen, also echtzeitfähig und mit Zeitstempel.

Wird die industrielle Kommunikation für Ihr Unternehmen an Bedeutung verlieren?

Nein, keineswegs. Die Datenkommunikation in der industriellen Produktion wird auch weiterhin im Zentrum unserer Tätigkeit stehen. Seit zehn Jahren beschäftigen wir uns mit Industrial Ethernet, und 2007 haben wir begonnen, kräftig in Industrial Wireless zu investieren. Mittlerweile bieten wir eine der weltweit umfangreichsten und vielseitigsten Industrial-Ethernet-Lösungen an - einschließlich WLAN nach IEEE 802.11 und sogar Produkte nach dem neuen Standard 802.11n. Auch im Bereich Power over Ethernet (PoE) bietet Moxa ein umfassendes Portfolio von Industrial-Ethernet-Switches und WLAN-Access-Points auf PoE-Basis an. Unsere Industrial-Ethernet-Switches bilden eine komplette und robuste Edge-to-Core-Lösung von der Feldebene über die Steuerungsebene bis hin zur Managementebene, und zwar mit Datenraten bis 10 GBit/s.