Vision 2020+ Siemens wird weniger - um zu wachsen

Joe Kaeser: »Die Geschwindigkeit und Mächtigkeit der globalen Veränderungen nehmen zu und wir haben die Pflicht, diese zu antizipieren. Wir sind davon überzeugt, dass nun die richtige Zeit ist, unsere Zukunft nachhaltig zu gestalten.«

Siemens hängt ein »+« an die bisherige Strategie und subtrahiert: Aus 8 alten Einheiten werden 6 neue.

Sie heißen nun »Operating Companies« und »Strategic Companies«. Mehr Selbständigkeit für diese Einheiten steht im Zentrum der neuen Strategie »Vision 2020+« von Siemens. Innerhalb ihrer soll eine Eigentümerkultur aufgebaut werden. Denn ohne Selbständigkeit und unternehmerisches Denken in diesen Einheiten, könnten die Chancen der Digitalisierung und Dezentralisierung laut Kaeser nicht ergriffen und umgesetzt werden. Sie aber bildeten der Kern der vierten industrielle Revolution (Industrie 4.0) – der »größten Veränderung in der Industriegeschichte.«

Weil sie noch längst nicht abgeschlossen ist, konnte die vorausgehende Strategie unter der Bezeichnung »Vision 2020« auch nur der erste Schritt in der permanenten Veränderung sein. Das Ziel von »Vision 2020« sei erreicht worden, die Digital Factory sei Marktführer in der Industriellen Digitalisierung. Sich auf diesem Zwischenziel auszuruhen und sich nicht den ständig erneuernden Bedingungen innerhalb der größten Veränderung in der Industriegeschichte weiter anpassen zu wollen, wäre aber geradezu unverantwortlich, so Kaeser: »Die Geschwindigkeit und Mächtigkeit der globalen Veränderungen nehmen zu und wir haben die Pflicht, diese zu antizipieren. Wir sind davon überzeugt, dass nun die richtige Zeit ist, unsere Zukunft nachhaltig zu gestalten.«

Konkret sieht dies so aus: Zu den »Operating Companies« gehören künftig »Gas and Power«, »Smart Infrastructure« und »Digital Industries«. »Siemens Healthineers«, »Siemens Gamesa Renewable Energy« und die geplante »Siemens Alstom« bilden die »Strategic Companies«. Die neue Struktur tritt zum neuen Geschäftsjahr am 1. Oktober 2018 in Kraft.

Die Organisationsebene der bisherigen Divisionen fällt also vollkommen weg. Die Landesorganisationen sollen »für noch mehr Kundenorientierung neu geordnet und die Konzernzentrale schlanker aufgestellt« werden. »Die Zeiten, in denen wir Projektgeschäft-, Produkt-, Software- und Dienstleistungsunternehmen mit ihren unterschiedlichen Anforderungen zentral und effizient steuern konnten, sind vorbei«, so Kaeser.

In den drei neuen Operating Companies gehen die Divisionen Building Technologies (BT), Energy Management (EM), Power and Gas (PG), große Teile der Process Industries & Drives (PD) und Digital Factory (DF) auf. Die Business Units des Unternehmens werden ebenfalls neu und fokussierter aufgestellt und den drei Operating Companies zugeordnet.

Oft würden notwendige Veränderungen solange vermieden, bis Unternehmen sichtbar in Schwierigkeiten gerieten, so Kaeser. »Nicht die größten Unternehmen werden überleben, sondern die anpassungsfähigsten.« Und am anpassungsfähigsten sind nicht riesige Konzerne, sondern kleinere Einheiten, ausgestattet mit unternehmerischer Selbständigkeit, denen auch geschäftsnahe Funktionen zugeordnet werden sollen.

Soweit zur Philosophie. Und wozu der ganze Umbau? Mit der Neuausrichtung will sich Siemens stärker auf seine Kunden fokussieren und sich an den Erfordernissen seiner Branchen orientieren. Was wiederum die Voraussetzung für für »dauerhafte Wertschaffung durch beschleunigtes Wachstum und Stärkung der Ertragskraft« ist. »Unsere Investoren profitieren ebenso, weil wir den Geschäften alle Instrumente an die Hand geben, um in ihrem jeweiligen Marktumfeld die Besten zu sein«, so Kaeser.