IIoT-Kommunikation Quelloffener OPC-UA-Stack offiziell zertifiziert

Dr. Carsten Emde, OSADL: »Die Entwicklung geht weiter – unter anderem zu einer durchgängigen und frei verfügbaren Lösung für Echtzeit-Ethernet mittels Anbindung an TSN.«
Dr. Carsten Emde, OSADL: »Die Entwicklung geht weiter – unter anderem zu einer durchgängigen und frei verfügbaren Lösung für Echtzeit-Ethernet mittels Anbindung an TSN.«

Die OPC Foundation hat die offizielle Zertifizierbarkeit von OPC-UA-Servern auf Basis der Version 1.0 des offenen OPC-UA-Stacks open62541 bekanntgegeben. Der Stack ist bislang die einzige offene, durchgängig in C programmierte Implementierung des IIoT-Kommunikationsstandards OPC UA.

Open62541 ist eine Open-Source-Implementierung des OPC-UA-Kommunikationsprotokolls und wurde in wesentlichen Teilen am Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) in Karlsruhe entwickelt. Vorangetrieben wird open62541 neben dem Fraunhofer IOSB auch vom indischen Systemintegrator Kalycito und vom Open Source Automation Development Lab (OSADL). Die Software-Bibliothek ist in der Programmiersprache C geschrieben, genauer gesagt: in der gemeinsamen Teilmenge von C99 und C++98.

»Damit ist die Software mit allen gängigen Compilern nutzbar und so ressourcenschonend, dass sie in jeder erdenklichen Hardware läuft«, erläutert Dr. Julius Pfrommer, Gruppenleiter Cyberphysische Verteilte Systeme in der Abteilung Informationsmanagement und Leittechnik (ILT) am Fraunhofer IOSB und leitender Software-Architekt hinter open62541. »Sie ermöglicht es gleichermaßen, dezidierte OPC-UA-Server aufzusetzen und Kommunikation auf OPC-UA-Basis in existierende Applikationen zu integrieren.« Bhagath Singh Karunakaran, Gründer und CEO von Kalycito, ergänzt: »Wir sind fest davon überzeugt, dass das Open-Source-Entwicklungsmodell für Basistechniken wie etwa Betriebssysteme und Kommunikation ideal geeignet ist und schneller zu besseren Ergebnissen führt. Es vermeidet unnötige Parallelentwicklung und sorgt für eine rasche Verbreitung innovativer Software-Lösungen.«

Die Zertifizierung wurde anhand eines repräsentativen Beispiel-Servers auf Basis von open62541 durchgeführt. Der zertifizierte Umfang schließt das „Micro-Embedded-Device-Server“-Profil ein, das zusätzlich Subscriptions, Methodenaufrufe und Verschlüsselung unterstützt. Darüber hinaus unterstützt open62541 Version 1.0 auch die Kommunikation nach dem OPC-UA-Publisher/Subscriber-Modell, so dass auch eine asynchrone Kommunikation mit mehreren Beteiligten möglich ist. Für OPC UA Pub/Sub bietet die OPC Foundation aber derzeit noch keine offizielle Zertifizierung an.

Lizenziert ist die Software unter der Mozilla Public License v2.0 (MPL-2.0). Somit darf die open62541-Bibliothek mit proprietärer Software verlinkt und vertrieben werden. Nur Weiterentwicklungen der open62541-Bibliothek selbst sind bei der Weitergabe wieder unter der MPL-2.0 zu lizenzieren.

Möglich macht die aktuellen Entwicklungen ein OSADL-Community-Projekt, an dem momentan zwölf Unternehmen beteiligt sind. »Mit dieser Zertifizierung ist das Projekt keineswegs abgeschlossen, sondern die Entwicklung geht weiter – unter anderem zu einer durchgängigen und frei verfügbaren Lösung für Echtzeit-Ethernet mittels Anbindung an TSN«, betont OSADL-Geschäftsführer Dr. Carsten Emde. Dafür seien weitere interessierte Firmen willkommen: »Je mehr Unternehmen am Projekt teilnehmen, desto leistungsfähigere und vielseitigere Komponenten lassen sich entwickeln und beisteuern. Das Projekt ist so konzipiert, dass Unternehmen jederzeit auch nach Beginn des Projekts beitreten können, und daher möchten wir diese Gelegenheit auch nutzen, um weitere interessierte Unternehmen zur Teilnahme zu motivieren.«