Marktorientierte statt produktorientierte Struktur Phoenix Contact knackt die 1,5-Mrd.-Euro-Marke

Wachstum. »Wir bleiben über dem hohen Niveau von 2010 sind nach wie vor auf einem Wachstumspfad«, erklärte Roland Bent, Vorstandsmitglied des ZVEI-Fachverbands Automation.
Roland Bent, Phoenix Contact: »Wir gehen davon aus, dass wir das Jahr 2011 mit einem Umsatzanstieg von etwa 13 Prozent abschließen werden.«

Phoenix Contact wird in diesem Jahr voraussichtlich die Umsatzhürde von 1,5 Mrd. Euro nehmen. Um sein langfristiges Wachstum abzusichern, organisiert sich das Unternehmen derzeit neu: Die produktorientierten Geschäftsbereiche werden umstrukturiert und marktorientierten »Segmenten« untergeordnet.

»Wir gehen davon aus, dass wir das Jahr 2011 mit einem Umsatzanstieg von etwa 13 Prozent abschließen werden«, verkündete Roland Bent, Geschäftsführer Marketing und Entwicklung von Phoenix Contact, anlässlich der Messe SPS/IPC/Drives in Nürnberg. »Dies entspricht einem Gesamtumsatz von rund 1,5 Mrd. Euro und damit einem Plus von rund 170 Mio. Euro gegenüber 2010.« Eine seriöse Vorhersage für 2012 sei momentan wegen der Abkühlung des Wirtschaftswachstums in wichtigen Märkten wie China, der Staatsverschuldungskrise in Europa und der politischen Instabilität im Nahen Osten schwierig. »Trotz der vielen Unwägbarkeiten erwarten wir aber für das nächste Jahr ein Wachstum im oberen einstelligen Bereich, mehr als das Durchschnittswachstum der Branche«, hob Bent hervor.

Die Zahl der Mitarbeiter stieg im Laufe des Jahres allein in Blomberg und Bad Pyrmont, den beiden Standorten des Headquarters, um 500. Außerhalb Deutschlands wird die Stammbelegschaft am Ende dieses Jahres etwa 550 Mitarbeiter mehr zählen als Ende 2010.

Um auch in Zukunft ein stetiges Wachstum zu ermöglichen, hat Phoenix Contact in diesem Jahr begonnen, seine Organisationsstruktur an den Anforderungen des Marktes auszurichten. »Eine Analyse der marktbestimmenden Trends und Erfolgsfaktoren hat drei wesentliche Ergebnisse gebracht«, erläuterte Bent. »Erstens verlagern die Kunden Applikations-Aufgaben bis hin zur Bereitstellung ganzer Lösungspakete zunehmend auf ihre Lieferanten. Zweitens streben die Kunden eine immer stärkere Integration ihrer Lieferanten in ihre Wertschöpfungsprozesse an. Und drittens werden sich die bisherigen Kernmärkte der Automatisierung zunehmend in den Bereich der urbanen und sozialen Infrastrukturen ausweiten.«

Als Konsequenz daraus orientiert Phoenix Contact seine Organisationsstruktur an den drei Wertschöpfungsstufen, auf denen seine Kunden tätig sind: erstens Bauelemente wie Leiterplattenklemmen und Rundsteckverbinder, die von Geräteherstellern in ihre Erzeugnisse eindesignt werden; zweitens Produkte wie Reihenklemmen und Signalwandler, die direkt in Maschinen und Anlagen Teil einer Automatisierungslösung sind; und drittens die Kombination dieser Produkte mit Dienstleistungen, Engineering und Software. Innerhalb der Vertriebsgesellschaften soll es jeweils drei auf die Bedürfnisse der Wertschöpfungsstufen ausgerichtete »Segmente« geben, denen spezifische Kunden zugeordnet werden: »Device Connectors«, »Industrial Components and Electronics« und »Control and Industry Solutions«. »Wir haben die Struktur in diesem Jahr bereits in der deutschen, in großen europäischen und in der US-Gesellschaft umgesetzt«, verdeutlichte Bent. »In den nächsten Jahren werden weitere größere Vertriebsorganisationen folgen.«

Um der vertrieblichen Neufokussierung auch eine adäquat ausgerichtete Produktorganisation zuzuordnen, hat Phoenix Contact die bisherigen fünf produktorientierten Geschäftsbereiche neu strukturiert und den drei marktorientierten Segmenten untergeordnet. Das Segment »Device Connectors« besteht aus drei Geschäftsbereichen mit Bauelementen für Gerätehersteller: »PCB Connectors«, »Field Device Connectors« und »Housing«. Das Segment »Industrial Components and Electronics« wiederum enthält sieben Geschäftsbereiche, die das gesamte Produktgeschäft im und um den Schaltschrank abdecken: »Industrial Field Connectivity«, »Marking and Installation«, »Industrial Cabinet Connectivity«, »Interface Components«, »Power Supplies«, »Trabtech« und »I/O and Networks«. Das Segment »Control and Industry Solutions« schließlich umfasst in einem Geschäftsbereich das Steuerungstechnik-, Industrie-PC- und HMI-Produktprogramm. Neben einer weiteren Einheit, die alle Software-Aktivitäten der Gruppe zusammenfasst, steht dieses Segment für das Geschäft mit Lösungen für bestimmte Zielmärkte.

Für sein künftiges Industrielösungsgeschäft hat Phoenix Contact vier Fokusthemen definiert: »Die globalen Megatrends von Energie, Mobilität und Lösungen für eine zunehmende Verstädterung führen zur Definition von vier Schwerpunkten des Industrielösungsgeschäfts: Automotive, Windkraft, Solartechnik und urbane Infrastruktur«, legte Bent dar. Unter »urbane Infrastruktur« seien Wasser/Abwasser, Verkehrsinfrastruktur und Energieverteilung zu verstehen. »Mit der neuen Marktausrichtung sowie der Weiterentwicklung der Organisationsstruktur hat Phoenix Contact jetzt wieder Freiraum und Dynamik für das Wachstum des Komponentengeschäfts geschaffen«, resümierte Bent. »Darüber hinaus wird sich der konsequente Lösungsansatz als zusätzlicher Motor für langfristigen Erfolg erweisen. Im Fokus stehen dabei neben dem großen Feld der Industrieautomatisierung zunehmend auch die globalen Zukunftsmärkte.«