OSADL gibt Startschuss für neues Projekt OPC UA PubSub mit TSN als Open Source

Dr. Carsten Emde, OSADL: »Die Implementierung von Kommunikations-Protokollen sollte unter einer Open-Source-Lizenz verfügbar sein, die es erlaubt, die Software in Kombination mit proprietären Programmen zu verwenden.«
Dr. Carsten Emde, OSADL: »Die Implementierung von Kommunikations-Protokollen sollte unter einer Open-Source-Lizenz verfügbar sein, die es erlaubt, die Software in Kombination mit proprietären Programmen zu verwenden.«

OPC UA mit TSN, genauer gesagt: OPC UA PubSub mit TSN, scheint als Kommunikationstechnik für das IIoT gesetzt zu sein. OSADL (Open Source Automation Development Lab eG) will daher eine industrietaugliche Open-Source-Lösung für OPC UA PubSub mit TSN bereitstellen.

OSADLs OPC-UA-PubSub/TSN-Projekt gliedert sich in zwei Phasen, von denen die erste vor kurzem abgeschlossen und die zweite auf der Messe embedded world eingeläutet wurde. In Phase 1 entwickelte OSADL zusammen mit den teilnehmenden Unternehmen Heidelberger Druckmaschinen, Kontron, Linutronix, Pilz und Sick ein Broker-loses OPC UA PubSub über IP-Multicast und binäres Nachrichtencodierungs-Format gemäß dem Draft von Teil 14 der OPC-UA-Spezifikation. Der Publisher wurde dabei in einen regulären OPC-UA-Server mit zusätzlichem Echtzeit-Interrupting integriert, und die Subscribers wurden als Standalone-Software implementiert.

Jetzt hat OSADL auf der embedded world den Startschuss für die zweite Phase des Projekts gegeben. Mit ihr verfolgt OSADL das Ziel, die Open-Source-Implementierung von OPC UA PubSub in ihrem Funktionsumfang zu vervollständigen sowie stabil und zertifizierbar zu machen. Zudem soll die zweite Projektphase die Nutzung von OPC UA über TSN in realen Produkten ermöglichen. Und schließlich soll das Ganze dem industriellen und Automatisierungs-Markt zur Verfügung gestellt werden. Auf der Software-Seite sollen eine Konfiguration von TSN-Endpunkten, eine generische Schnittstelle zu TSN und ein Security-Layer entwickelt sowie die Echtzeitfähigkeit von OPC UA verbessert werden. Darüber hinaus will OSADL auch Zertifizierungshilfe und zugehörige Code-Korrekturen von OPC UA und PubSub anbieten. Das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) wird die Entwicklung des OPC-UA-Parts übernehmen, und das Unternehmen Kalycito wird für die Integration der Gesamtlösung zuständig sein.

»Wir betrachten Kommunikations-Protokolle als Basistechnologie«, erläutert OSADL-Geschäftsführer Dr. Carsten Emde. »Daher sollte ihre Implementierung unter einer Open-Source-Lizenz verfügbar sein, die es erlaubt, die Software in Kombination mit proprietären Programmen zu verwenden. Unternehmen brauchen nicht ihr spezifisches Wissen preisgeben, sondern es geht darum, genau das öffentlich verfügbar zu machen, was alle brauchen. Wichtig ist für Unternehmen, auf einen guten Mix aus proprietärem und Open-Source-Wissen zu achten.«

Angelegt ist das Projekt zunächst für ein halbes Jahr; wenn möglichst viele Unternehmen teilnehmen und ihre finanzielle Unterstützung für die Entwicklung entsprechender Software einbringen, könne es auch deutlich länger dauern. »Je mehr Teilnehmer wir für das Projekt gewinnen, desto mehr Mittel stehen zur Verfügung, und desto mehr und bessere Software lässt sich produzieren«, sagt Dr. Carsten Emde.