FLC-Initiative der OPC Foundation OPC UA auch auf der Feldebene

Peter Lutz, OPC Foundation: »Das Ziel der FLC-Initiative ist es, OPC UA mit den bewährten Features, etwa der Informationsmodellierung und den Security-Features, für die Kommunikation in der Feldebene zu nutzen.«

Seit der Hannover Messe 2019 hat die Initiative Field Level Communications (FLC) der OPC Foundation einen Director: Peter Lutz. Er war zuvor 18 Jahre lang Geschäftsführer von Sercos International und erläutert, welche Pläne die Initiative unter seiner Leitung hat und wie deren Umsetzung vorankommt.

Markt&Technik: Die FLC-Initiative wurde auf der Messe SPS IPC Drives 2018 gegründet. Welche Ziele verfolgt sie?

Peter Lutz: Das Ziel der FLC-Initiative ist es, OPC UA mit den bewährten Features, etwa der Informationsmodellierung und den Security-Features, für die Kommunikation in der Feldebene zu nutzen. Allerdings soll nicht ein weiterer Feldbus entwickelt werden, davon gibt es schließlich schon viel zu viele. Stattdessen soll das Anwendungsspektrum von OPC UA erweitert und auf den Feldbereich ausgedehnt werden, sowohl für die Prozess- als auch für die Fabrikautomatisierung. Dadurch entsteht gegenüber herkömmlichen Feldbussen und Echtzeit-Ethernet-Lösungen ein klarer Mehrwert hinsichtlich eines durchgängigen, einheitlichen und herstellerübergreifenden Informationsflusses.

Wie soll die Field-Level-Communication auf Basis von OPC UA technisch gestaltet sein? Welche Rolle spielen OPC UA Pub/Sub und TSN hierbei?

Die Pub/Sub-Erweiterungen spielen eine wichtige Rolle, um die in der Feldebene gängigen Kommunikationsbeziehungen abzubilden und eine hohe Protokolleffizienz zu erreichen. Ethernet TSN ist aus zweierlei Gründen wichtig. Erstens ist eine deterministische Kommunikation vor allem für anspruchsvolle Automatisierungsaufgaben unabdingbar. Zweitens lassen sich mit TSN unterschiedliche Anwendungen und Protokolle über eine einheitliche Hardware und ein gemeinsames Netzwerk betreiben. Damit wird die Migration von konventionellen Industrial-Ethernet-Protokollen vereinfacht und die Konvergenz zu einem einheitlichen IIoT-Kommunikationsstandard unterstützt.

Welche Aufgaben haben Sie als Director der Initiative?

Als Director Field Level Communications (FLC) der OPC Foundation bin ich für alle Aktivitäten der FLC-Initiative verantwortlich. Hierzu zählt nicht nur die technische Projektleitung, sondern auch die Koordination der Themen, die zur erfolgreichen Umsetzung der FLC-Technologie erforderlich sind, etwa Marketing, Standardisierung und Zertifizierung.

Wie ist Ihr Bezug als Director FLC zum Board of Directors und zum President der OPC Foundation, Stefan Hoppe?

Im Unterschied zum Board of Directors, das übergreifend für alle Tätigkeiten der OPC Foundation verantwortlich zeichnet, fokussiere ich mich als Director FLC darauf, in Abstimmung mit den beteiligten Firmenvertretern OPC UA in die Feldebene zu bringen und dort erfolgreich zu etablieren. Weil die FLC-Initiative in die OPC Foundation integriert ist, besteht selbstverständlich eine enge Abstimmung mit dem President der OPC Foundation, Stefan Hoppe, wie auch mit den verschiedenen Gremien innerhalb der OPC Foundation, etwa dem Board of Directors, dem Technical Advisory Council (TAC), dem Technical Control Board (TCB) und dem Marketing Control Board (MCB).

Was ist seit der Gründung der FLC-Initiative und seit Ihrer Berufung als deren Director schon geschehen?

Die Arbeitsgruppen der FLC-Initiative sind seit Januar 2019 aktiv. Wir haben einerseits Anforderungen und Akzeptanzkriterien erarbeitet, die den Rahmen für die zu erarbeitenden technischen Spezifikationen bilden. Gleichzeitig hat die Technische Arbeitsgruppe (FLC Working Group Architecture & Infrastructure) unter Leitung von Clark Case (Rockwell Automation) und Georg Biehler (Siemens) Konzepte und Lösungen ausgearbeitet, um OPC UA und Pub/Sub für die Feldkommunikation zu ertüchtigen. Die Zusammenarbeit der beteiligten Firmen (aktuell sind mehr als 60 Experten aus über 40 Firmen involviert) verläuft sehr harmonisch und konstruktiv, ganz im Sinne der gemeinsamen Sache.

Was sind derzeit Ihre Tätigkeitsschwerpunkte als Director FLC, und welche Tätigkeiten und Initiativen stehen in absehbarer Zukunft an?

Aktueller Schwerpunkt ist die Koordination der verschiedenen Arbeitsgruppen der FLC-Initiative und die Erarbeitung einer Roadmap, die eine stufenweise Umsetzung der Spezifikationen ermöglicht. Hierzu erfolgt auch ein Abgleich mit bestehenden Arbeitsgruppen der OPC Foundation, die sich mit FLC-relevanten Basistechnologien wie etwa OPC UA Pub/Sub, Safety oder Security beschäftigen.

Welche Ziele sind Ihnen als Director FLC ein besonderes Anliegen?

Es ist mir wichtig, dass ich als neutraler, unabhängiger und verlässlicher Kopf der FLC-Initiative wahrgenommen und in dieser Rolle auch als Vermittler zwischen möglicherweise divergierenden Interessen der beteiligten Unternehmen akzeptiert werde. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass OPC UA mit TSN die Anforderungen der Fabrik- und Prozessautomatisierung bestmöglich abdeckt, sodass die Erwartungen hinsichtlich einer Vereinheitlichung und Konvergenz der industriellen Kommunikation umfassend erfüllt werden.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit der FLC-Initiative mit externen Standardisierungsgremien und Nutzerorganisationen? Welche Initiativen laufen hier derzeit, welche sind geplant, welche sind schon abgeschlossen?

Die OPC Foundation unterhält verschiedene Kooperationen mit Standardisierungsgremien und Nutzerorganisationen, die auch eine Relevanz für die FLC-Initiative haben. Zu nennen ist in diesem Zusammenhang besonders die Liaison mit der IEC bzw. IEEE, denn deren gemeinsame Arbeitsgruppe IEC/IEEE 60802 erarbeitet ein TSN-Profil für die industrielle Automatisierung, das bei FLC zum Einsatz kommen soll. Weil bei FLC das Rad nicht neu erfunden werden soll und wir ein starkes Interesse an einer Vereinheitlichung bzw. Konvergenz haben, stehen wir auch im regelmäßigen Austausch mit Nutzerorganisationen und Verbänden mit Bezug zur Industrie.

Was bedeutet Ihr Wechsel zur OPC Foundation für Sercos und seine Nutzerorganisation?

Sercos ist fest im Markt etabliert und wird noch lange Zeit in Produkten und Lösungen, besonders in anspruchsvollen Automatisierungsanwendungen, zum Einsatz kommen – zumal sich die Technologie auch problemlos in TSN-Netze integrieren lässt und damit zukunftssicher aufgestellt ist. Ich freue mich, dass mit Klaus Weyer, dem neuen Geschäftsführer bei Sercos International, ein sehr guter Nachfolger gefunden werden konnte, der mit seiner Erfahrung und seinen Kontakten die Kontinuität bei Sercos auch organisatorisch sicherstellt.