Danfoss will Getriebemotoren-Sparte verkaufen Neuer Eigentümer soll mehr Wachstum bringen

Karl-Peter Simon, Danfoss Bauer: »Wir gehen davon aus, dass wir die Verkaufsverhandlungen noch in diesem Jahr erfolgreich zum Abschluss bringen werden.«

Nach der Fokussierung von Danfoss auf sechs Kernbereiche gehört die im württembergischen Esslingen ansässige Getriebemotoren-Sparte Danfoss Bauer nicht mehr zum Kernbereich des dänischen Konzerns. Für Danfoss Bauer wird daher nach einem Käufer gesucht, in dessen Produktportfolio das Unternehmen besser passt. Wir sprachen mit Karl-Peter Simon, dem Geschäftsführer der Danfoss Bauer GmbH, über den aktuellen Stand der Verhandlungen.

Karl-Peter Simon, General Manager und Senior Vice President von Danfoss Gearmotors und damit Geschäftsführer der Danfoss Bauer GmbH, informiert über die Zukunftsstrategie von Danfoss Bauer und den momentanen Stand der Verkaufsbemühungen.

elektroniknet.de: Wie weit sind die Verkaufsbemühungen bereits gediehen?
Karl-Peter Simon: Es werden derzeit Gespräche mit verschiedenen Kaufinteressenten geführt, um herauszufinden, ob diese unsere Wachstumsstrategie für das Bauer-Getriebemotorengeschäft unterstützen. Wir prüfen die möglichen Optionen sehr sorgfältig und setzen uns dabei nicht unter Zeitdruck. Oberste Priorität ist für uns, ein langfristig zuverlässiger Partner unserer Kunden zu sein. Deshalb schließen wir auch die Möglichkeit nicht aus, dass Danfoss zukünftig noch Minderheitsanteile an Danfoss Bauer behalten wird. Wir gehen davon aus, dass wir die Verkaufsverhandlungen noch in diesem Jahr erfolgreich zum Abschluss bringen werden.

Welche Konsequenzen können sich daraus für den Standort Esslingen ergeben? Besteht die Gefahr einer Produktionsverlagerung von Esslingen an andere Standorte wie etwa den slowakischen Standort Zlaté Moravce?
Wir haben im vergangenen Jahr erheblich in den Standort Esslingen investiert. So wurde beispielsweise die komplette Endmontage der großen Getriebemotoren optimiert, was uns einen erheblichen Produktivitätsvorteil verschafft hat. Zudem haben wir die Auftragsbearbeitung von unserem Werk Unterschleißheim nach Esslingen verlagert. Der Standort Esslingen ist besonders für den deutschen Markt sehr wichtig, sonst hätten wir ja die Investition nicht getätigt.
Entsprechendes gilt auch für die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter in Esslingen. Unsere Gesamtbelegschaft umfasst dort etwa 200 Mitarbeiter, und 16 Auszubildende sind momentan bei uns tätig. Zudem haben wir viele Studenten, die bei uns Praktika in enger Zusammenarbeit mit der Hochschule Esslingen und der Berufsakademie in Stuttgart absolvieren.

Welche Maßstäbe legt Danfoss an etwaige Kaufinteressenten an?
Unser strategisches Ziel ist es, die Marke »Bauer Getriebemotoren« global zu positionieren. Deshalb erwarten wir von jedem Interessenten, dass er sowohl unsere Wachstumsstrategie, die auf die Ausweitung unseres Marktanteils außerhalb Europas abzielt, als auch unsere Innovationsstrategie unterstützt. Hier denken wir vor allem an die Vermarktung hocheffizienter Getriebemotorenlösungen.

Welche Weltmarktposition hat Danfoss Bauer bei Getriebemotoren derzeit?
In unserem Produktsegment Standard-Getriebemotoren sind wir auf dem Weltmarkt die Nummer 8. Strategisch wollen wir außerhalb Europas stärker wachsen, so dass wir noch in diesem Jahr beginnen werden, weitere Montage-Center in unseren Wachstumsmärkten aufzubauen. Neue hocheffiziente Getriebemotorenlösungen, die weit über die künftigen gesetzlichen Anforderungen hinausgehen, werden wir bereits Ende des Jahres einführen. Dies wird uns ermöglichen, auch weitere Marktanteile in Europa zu gewinnen.

Wie viele Mitarbeiter sind derzeit insgesamt für Danfoss Bauer tätig?
Danfoss Bauer beschäftigt mehr als 500 Mitarbeiter weltweit. Zusätzlich sind über unsere Service-Organisation weit mehr als 200 Mitarbeiter tätig.

Wie entwickeln sich die Umsätze von Danfoss Bauer momentan?
Wir hatten 2009 wegen der allgemeinen Krise einen Umsatzrückgang von etwa 30 Prozent zu verkraften. Damit fiel unser Rückgang etwas geringer aus als der generelle Marktrückgang. Die Auftragseingänge sind im ersten Quartal unerwartet stark gestiegen, so dass wir aus heutiger Sicht von einem gut zweistelligen Wachstum für das Jahr 2010 ausgehen können. Die Marktentwicklung ist jedoch nach wie vor unsicher, und wir sind sehr vorsichtig mit unseren Prognosen.

Wurde der Standort Unterschleißheim letztlich - wie im vergangenen Jahr vorgesehen - geschlossen?
Danfoss Bauer hatte bisher drei Produktionsstandorte: den Hauptsitz in Esslingen, die Produktion der Kleingetriebemotoren in Unterschleißheim und die Produktion der Motoren und Systemteile in der Slowakei. Aufgrund des sehr großen Marktrückgangs im Jahr 2009 mussten wir kurzfristig unsere Kapazitäten anpassen, was dazu führte, dass wir die Montage der Kleingetriebemotoren von Unterschleißheim in die Slowakei verlagert und damit das Unterschleißheimer Werk aufgegeben haben. Diese Verlagerung wurde Ende 2009 abgeschlossen.

Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Getriebemotoren generell im Vergleich zur Nachfrage nach getriebelosen Motoren wie etwa Servomotoren?
Für die Anwendungen, in denen unsere Getriebemotoren heutzutage zu finden sind, etwa die Fördertechnik, ist der getriebelose elektrische Antrieb keine wirtschaftliche Alternative. Es gibt Segmente, etwa Roboter, Zentrifugen und Aufzugsantriebe, in denen getriebelose Lösungen zunehmend zum Einsatz kommen. Weil dies aber nicht der Bereich ist, in dem unsere Standard-Getriebemotoren derzeit eingesetzt werden, betrifft uns diese Marktveränderung nicht direkt.

Das Interview führte Andreas Knoll.