»Motorenhersteller, die in China fertigen lassen, haben bei Seltenerdmetallen keine Probleme« Nanotec: »Motorenfertigung in China ist sinnvoll«

Stephan Huber, Nanotec Electronic: »Magnete aus Seltenerdmetallen haben nun mal die höchste Feldstärke, so dass es zu ihnen eigentlich keine Alternative gibt.«
Stephan Huber, Nanotec Electronic: »Magnete aus Seltenerdmetallen haben nun mal die höchste Feldstärke, so dass es zu ihnen eigentlich keine Alternative gibt.«

Der in Landsham östlich von München ansässige Elektroantriebshersteller Nanotec Electronic fertigt seit kurzem an seinem chinesischen Standort Changzhou auch Linearaktuatoren auf Schrittmotorbasis. Das Unternehmen setzt auf Fertigung in China und hat 2010 sein Vor-Krisen-Umsatzniveau von 2008 deutlich überschritten.

Nanotec-Geschäftsführer Stephan Huber informiert über die Standortstrategie und die Produktpalette des Unternehmens sowie über die derzeitige Bauelemente-Liefersituation und die Folgen der chinesischen Exportbeschränkungen bei Seltenerdmetallen.

Markt&Technik: Seit wann fertigt Nanotec Produkte in China?

Stephan Huber: Wir lassen seit 2001 in China fertigen. Anno 2005 haben wir dann in einem weiteren Schritt ein Joint Venture mit einem chinesischen Hersteller gegründet. 33 Prozent des in Changzhou im erweiterten Großraum Shanghai beheimateten Unternehmens gehören uns, 24 Prozent einem italienischen Distributor und der Rest dem chinesischen Management. Das Joint Venture fertigt für uns die Basismotoren.

Anno 2007 haben wir dann in der Nachbarschaft des Joint Ventures die Tochtergesellschaft Nanotec Changzhou gegründet, die für die Elektronikfertigung und die Produktion spezieller Bauformen und Gussteile zuständig ist. In Deutschland fertigen wir nur noch mechanisch sehr anspruchsvolle Erzeugnisse, vor allem bestimmte Linearantriebe, sowie Vor- und Kleinserien.

Bekommt Nanotec aus chinesischer Fertigung dieselbe Qualität wie aus deutscher?

Ja. Wir erhalten aus China die Qualität, die wir aus Deutschland gewohnt sind. Wer in China fertigen will, muss den Dienstleister aber sorgfältig aussuchen und die Kontrolle über die gesamte Produktion beibehalten. Es kommt auch darauf an, in welcher Region man fertigen lassen will - in der Nähe der industriellen Zentren Shanghai und Hongkong/Guangzhou ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass die Qualität stimmt. In der Tat gibt es ja Auftragsfertiger in China, die nach deutschen bzw. westlichen Standards arbeiten. Nicht von ungefähr beschäftigen wir auch chinesische Mitarbeiter in Deutschland.

Bei Losgrößen unterhalb von 1000 Stück ist es aber nicht sinnvoll, nach China zu gehen. Kleinserien lassen sich in Deutschland flexibler produzieren, und die Fertigung von Feinmechanik ist in Deutschland oder der Schweiz nach wie vor besser aufgehoben. Wenn es darum geht, Kleinteile absolut präzise zu erzeugen, kann China noch nicht mithalten.

War vor 2005 die Fertigung komplett in Deutschland angesiedelt?

Nein. Bis zur Gründung des Joint Ventures fand die Elektronikfertigung in Deutschland und die Motorenfertigung in Japan und Taiwan statt. Die Verlagerung nach China war aus Kostengründen unausweichlich - die Schrittmotorenart, die wir quasi als Massenprodukt haben, wird mittlerweile von fast keinem Unternehmen mehr in Hochlohnländern wie Deutschland oder Japan gefertigt.

Hat Nanotec durch die Verlagerung nach Fernost Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut?

Nein, wir sind in Deutschland immer gewachsen, auch weil wir unsere Produktpalette stetig ausgebaut haben. Wir hatten also nie Probleme, Mitarbeiter entlassen zu müssen, weder aufgrund der Produktionsverlagerungen noch wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Eher im Gegenteil, wir stellen ein.

Wie viele Mitarbeiter hat Nanotec momentan?

In Landsham beschäftigen wir aktuell 35 Mitarbeiter, davon sieben in der Fertigung. Wir werden aber Mitte des Jahres nach Feldkirchen, ebenfalls im Münchner Osten, umziehen und dort auch die Kleinserien- und Feinmechanik-Fertigung ausbauen. Bei Nanotec Changzhou sind 25 Personen tätig. Das Joint Venture hat insgesamt etwa 350 Mitarbeiter, wobei das Unternehmen natürlich nicht nur für uns fertigt.

Apropos Finanz- und Wirtschaftskrise: Wie hat Nanotec die Krise bewältigt?

Auch wir haben die Krise natürlich zu spüren bekommen. Unser Umsatz ist 2009 gegenüber dem Vorjahr um 18,5 Prozent gesunken, genauer gesagt, von 10,8 Mio. auf 8,8 Mio. Euro. Am schlimmsten waren für uns Frühjahr und Frühsommer 2009. Ab dem Spätsommer verbesserte sich die Lage langsam, und im Dezember lief der Wachstumsmotor wieder richtig rund. Ab Januar hatten wir sogar Schwierigkeiten, dem stürmisch wachsenden Auftragseingang hinterherzukommen.

Tatsächlich haben wir im Jahr 2010 einen neuen Umsatzrekord erzielt, und zwar von 13,3 Mio. Euro. Wenn wir diesen Umsatz im laufenden Jahr halten und vielleicht noch um 5 Prozent steigern können, sind wir sehr zufrieden.

In welchen Anwenderbranchen verzeichnet Nanotec derzeit das größte Umsatzwachstum?

Generell sind Medizintechnik und Halbleiterfertigung als Anwenderbranchen für uns am wichtigsten. Aber auch die allgemeine Automatisierung und der Maschinenbau spielen eine bedeutende Rolle - unsere Antriebe dienen beispielsweise zur Formatverstellung oder zur Bewegung von Maschinenkomponenten.

Sehr gut laufen derzeit unsere Geschäfte mit Halbleiterfertigungs-Ausrüstern, genauer gesagt: mit Herstellern etwa von Die-Bondern und Wire-Bondern. Auch die Anbieter von Elektronikfertigungsmaschinen wie etwa Bestückungsautomaten fragen unsere Produkte momentan stark nach.

Im Krisenjahr 2009 wurden ja vor allem in Asien viele ältere Fertigungsstandorte geschlossen, und als die Konjunktur früher und heftiger als erwartet wieder anzog, reichten die Kapazitäten nicht mehr aus, so dass jetzt viele neue Fabriken entstehen. Insgesamt profitieren wir also stark vom Aufschwung in Asien.