Interview Namiki: Mit Schwung in einen neuen Markt

Hiroyuki Namiki (im Gespräch mit Markt&Technik-Redakteur Andreas Knoll): »Ich bin mir sicher, dass unsere Produkte gut zum deutschen Markt passen.«
Hiroyuki Namiki (im Gespräch mit Markt&Technik-Redakteur Andreas Knoll): »Ich bin mir sicher, dass unsere Produkte gut zum deutschen Markt passen.«

Der japanische DC-Kleinmotoren-Hersteller Namiki schickt sich an, den europäischen und besonders den deutschen Markt in Bewegung zu bringen. Das ehrgeizige Ziel: Der Umsatz mit DC-Kleinmotoren in Europa soll sich innerhalb der nächsten Jahre vervielfachen.

Das 1953 gegründete Familienunternehmen errichtete 1991 sein erstes europäisches Büro in Großbritannien. Später strukturierte Namiki sein europäisches Geschäft um und gründete 2010 das vor Ort eingetragene Unternehmen NPEU (Namiki Precision of Europe SA) in der Schweiz. Als Zweigbüro der NPEU entstand dieses Jahr ein Verkaufsbüro in Düsseldorf, und in Verbindung damit setzte sich das Unternehmen ehrgeizige Wachstumsziele für Europa und vor allem Deutschland. Hiroyuki Namiki, das für den Verkauf verantwortliche Vorstandsmitglied, erläuterte der Markt&Technik-Redaktion das Produktsortiment und die Europastrategie des Unternehmens.

Markt&Technik: Enthält das Produktangebot der Firma Namiki nur DC-Kleinmotoren oder auch andere Erzeugnisse?

Hiroyuki Namiki: Zum Lieferprogramm gehören einerseits DC-Kleinmotoren und anderseits Produkte aus harten Werkstoffen, worunter wir hochpräzise Keramik- und Saphir-Komponenten für Uhren und Halbleiterbausteine verstehen. Als unsere Kernkompetenz in der Antriebstechnik betrachten wir DC-Motoren mit Durchmessern unter 50 mm, und zwar hauptsächlich bürstenlose, aber auch bürstenbehaftete Versionen. Außer den Motoren selbst umfasst unser Antriebs-Sortiment die zugehörigen Präzisionsgetriebe, Drehgeber und Motor-Controller.

Wodurch unterscheiden sich Namikis DC-Kleinmotoren von denen anderer Unternehmen?

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist, dass wir nicht nur die Motoren als solche selbst entwickeln und fertigen, sondern auch viele Teile dafür. Etwa 70 Prozent der Bauteile unserer Motoren stammen aus eigener Entwicklung und Produktion. Weil wir eine hohe Fertigungs-Präzision erreichen, können wir aus unseren eigenen Bauteilen besonders leistungsfähige und effiziente und damit absolut wettbewerbsfähige Motoren bauen.

Auf welche Anwendungen sind die DC-Kleinmotoren Ihres Unternehmens ausgerichtet?

Unsere Zielmärkte sind die Medizintechnik, Fabrikautomatisierung, Messtechnik, Robotik und Sicherheitstechnik. In der Elektronikfertigung kommen die Motoren unter anderem in Bestückungsautomaten und Tape-Feedern zum Einsatz. Die neue DC-Motorserie »dyNAMIX« beispielsweise richtet sich vor allem an medizinische und Robotik-Anwendungen. Sie besteht aus immerhin 29 Versionen, die in den drei Güteklassen »Blue«, »Green« und »Silver« gefertigt werden. Die Motoren der »Blue«-Serie zeichnen sich durch Leistung, Hitzebeständigkeit und Langlebigkeit aus, die der »Green«-Baureihe zeigen ein besonders schnelles Ansprechverhalten, und die der »Silver«-Serie sind für Low-Cost-Anwendungen entwickelt.

Auf welche Weise war Ihr Unternehmen vor der Eröffnung des Düsseldorfer Büros in Europa vertreten?

Wir haben seit zwei Jahren im schweizerischen Lausanne einen weiteren Standort, der aber hauptsächlich für Entwicklungsaufgaben zuständig ist. Ansonsten haben wir unsere Produkte in Europa bisher über Distributoren verkauft und werden dies zusätzlich zur direkten Vertriebsschiene auch weiterhin tun. Mit dem Düsseldorfer Büro wollen wir den Service für unsere europäischen Kunden und Distributoren verbessern und so unser Geschäft in Europa ausbauen.

Den europäischen Markt im Allgemeinen und den deutschen im Besonderen betrachten wir als strategisch wichtig. Gerade der deutsche Markt ist dynamisch und verlangt nach qualitativ hochwertigen Produkten. Ich bin mir sicher, dass unsere Produkte gut zum deutschen Markt passen. Von daher war es nur konsequent, das Büro in Düsseldorf zu eröffnen.

Welche Wachstumsziele verfolgt Ihr Unternehmen mit seinen DC-Kleinantrieben in Europa?

Im Jahr 2011 haben wir mit unseren DC-Kleinantrieben in Europa etwa 1 Mio. Euro Umsatz erzielt. Für das laufende Jahr erwarten wir das Fünffache, und in fünf Jahren wollen wir davon wiederum das Fünffache, also 25 Mio. Euro, schaffen. Das sind ambitionierte Ziele, aber wir halten sie für erreichbar.

Parallel dazu soll der Anteil der DC-Kleinantriebe am weltweiten Gesamtumsatz des Unternehmens von 10 Prozent im Jahr 2011 auf 25 Prozent zunehmen. Wir gehen davon aus, dass wir dann die Hälfte unseres Umsatzes mit DC-Kleinantrieben in Europa erwirtschaften werden.

Könnte die europäische Staatsschuldenkrise Ihrem Unternehmen eventuell einen Strich durch diese Rechnung machen?

Möglicherweise. Wenn sich die Krise verschärft, wird dies nicht nur die europäische, sondern die weltweite Wirtschaft beeinflussen. Wir beobachten daher aufmerksam die Entwicklungen in den Krisenländern und ihre Auswirkungen auf Gesamteuropa.

Abgesehen davon erwarten wir aber, dass der Bedarf an DC-Kleinmotoren generell stark wachsen wird, vor allem in der Medizin und der Robotik. Sowohl Industrieroboter als auch die künftigen Service-Roboter werden das Geschäft mit DC-Kleinmotoren in Schwung halten. Motoren für Roboterhände werden einen Markt bilden, dessen Dimensionen momentan noch gar nicht absehbar sind. Gemeinsam mit einer japanischen Universität treiben wir entsprechende Entwicklungen voran.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigt Ihr Unternehmen momentan?

Aktuell haben wir etwa 2500 Mitarbeiter weltweit. In Europa sind es bisher nur zehn, davon in Deutschland vier. Ich rechne aber fest damit, dass unsere Mitarbeiterzahl in Europa und vor allem in Deutschland während der nächsten Jahre stark wachsen wird. Wenn das Geschäft in Europa so floriert, wie wir uns das vorstellen, werden wir sicherlich auch noch weitere Vertriebsbüros eröffnen.

Inwieweit ist Ihr Unternehmen von den Lieferschwierigkeiten bei Seltenerdmetallen betroffen?

Unsere Motoren verwenden sowohl Neodym- als auch Samarium-Kobalt-Magneten. Die Preise für Neodym waren im vergangenen Jahr sehr hoch und sinken jetzt wieder, wohingegen sich die Preise für Samarium-Kobalt stabiler verhalten haben. Natürlich haben diese Preisentwicklungen auch auf unser Geschäft einen erheblichen Einfluss. Wir stellen aber die Magnete für etwa 40 Prozent unserer Produkte selbst her, so dass wir von den Problemen auf dem Markt für Seltenerdmetalle entsprechend weniger betroffen sind. Abgesehen davon entwickeln wir derzeit Motoren, die mit deutlich weniger Seltenerdmaterial auskommen.