Umsatzwachstum auch für 2009 erwartet Moxa: Fokus auf Energie- und Verkehrstechnik

Der taiwanische Kommunikationskomponenten-Hersteller Moxa prognostiziert auch für das Geschäftsjahr 2009 ein leichtes Umsatzwachstum. CEO Ben Chen erläutert die Gründe dafür und beschreibt die Strategie des Unternehmens.

Markt&Technik: Inwieweit ist Moxa von der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise betroffen?

Ben Chen: Natürlich können wir uns den Auswirkungen der Krise nicht völlig entziehen. Schon in einem frühen Stadium, nämlich Anfang 2009, haben wir aber vorbeugend gehandelt und unsere Pläne und Ausgaben sorgfältig überprüft. Wir investieren trotz des Abschwungs massiv in Forschung und Entwicklung, neue Produkte, Vertrieb und Marketing.

In letzter Zeit müssen wir immer härtere Preisdiskussionen führen. Dies ist sehr ungewöhnlich für einen Markt, in dem die Kunden zusätzlich zum Preis generell auf Cost of Ownership, Innovation und Qualität achten. Alles in allem können wir aber sagen, dass wir immer noch in der erfreulichen Position sind, kein Minuswachstum hinnehmen zu müssen.

Apropos Marketing: Welche Messestrategie verfolgen Sie in Europa?

Die SPS/IPC/Drives ist aus unserer Sicht sehr wichtig, so dass wir für dieses Jahr das entsprechende Budget vergrößert haben. Auf eine Beteiligung an der Hannover Messe werden wir allerdings im kommenden Jahr verzichten.

Welchen Umsatz erzielte Moxa im Geschäftsjahr 2008, und welche Prognosen haben Sie für 2009 und 2010?

Moxa beendete das Bilanzjahr 2008, das mit dem Kalenderjahr identisch ist, mit einem weltweiten Umsatz von 103 Mio. US-Dollar. Dies entspricht einem Plus von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wie erwartet, war das Wachstum vor allem getrieben von Moxas Haupt-Produktbereichen Device Networking und Industrial-Ethernet-Infrastruktur. Alle Geschäftsbereiche – Industrial Ethernet, Industrial Wireless, Device Connectivity und Embedded Systems – erhöhten ihren Umsatz für sich gesehen ebenfalls. Moxa Europe’s Anteil am Gesamtumsatz des Unternehmens belief sich auf 37 Prozent mit einem Umsatzanstieg von 16 Prozent gegenüber 2007, gefolgt von Moxa Asia/Taiwan, China und den USA.

Für 2009 erwarten wir, dass unser weltweiter Umsatz nur um einen kleinen Prozentsatz auf 110 Mio. Dollar wächst. In Europa wird der Umsatz 2009 stagnieren oder maximal um 1 Prozent steigen, so dass Europas Anteil am Gesamtumsatz auf etwa 35 Prozent zurückfallen wird. In den USA dürfte der Umsatz geringfügig sinken. Für 2010 ist unsere Prognose optimistischer: zurück zu weltweit zweistelligem Wachstum auf etwa 130 Mio. Dollar.

Wann wird der Aufschwung in der Automatisierungs-Industrie Ihres Erachtens beginnen? Welche wirtschaftlichen Vorbedingungen müssen dafür gegeben sein?

Unserer Ansicht nach wird der Aufschwung im zweiten, spätestens aber im dritten Quartal 2010 beginnen. Viele Unternehmen haben hart daran gearbeitet, ihre Kosten zu senken, und haben ihre Geschäftsstrategien überprüft und überarbeitet; sie bemühen sich, neue Produkte zu entwickeln und neue Märkte zu erschließen und lenken ihr Augenmerk auf Innovation.

Die US-Wirtschaft war im dritten Quartal 2009 wieder auf dem Wachstumspfad, und Asien meldet sehr positive Daten. Länder wie China und Indien mit ihren massiven staatlichen Ausgabeprogrammen bringen die globale wirtschaftliche Erholung voran und beleben den Welthandel. Gerade China entwickelt sich nach wie vor sehr dynamisch, und in Europa haben wir große Projekte am Laufen, besonders im Verkehrswesen.

Welche der vier von Ihnen genannten Geschäftsbereiche Ihres Unternehmens werden künftig besonders stark wachsen?

Weil die industrielle Automatisierung rasch Ethernet- und Wireless-Techniken einführt, haben wir massiv in diesen Bereichen investiert. Darüber hinaus spüren wir eine steigende Nachfrage nach Embedded-Computing-Lösungen. Seit wir vor drei Jahren unseren Embedded-Computing-Geschäftsbereich gegründet haben, verzeichnet er eine jährliche Wachstumsrate von mehr als 50 Prozent. Infolgedessen haben wir begonnen, in Europa in dieses Geschäftsfeld zu investieren. Gegenüber großen Embedded-Computing-Anbietern wie Kontron oder Advantech als Wettbewerber aufzutreten, beabsichtigen wir allerdings nicht. Wir wollen uns vielmehr in Nischen engagieren, etwa mit robusten, für hohe Temperaturen ausgelegten Geräten, die sich für unsere Zielmärkte Verkehrs- und Energietechnik eignen. Auch das Tätigkeitsfeld Industrial Wireless bauen wir weiter aus, vor allem im Hinblick auf Forschung und Entwicklung.

Plant Moxa, in neue Geschäftsfelder oder Produktkategorien einzusteigen?

Im Moment beabsichtigen wir nicht, in völlig neue Tätigkeitsfelder einzusteigen. Wir werden vielmehr unsere Innovationskraft auf bestimmte Märkte konzentrieren, etwa auf die Branchen Energie und Verkehr, genauer gesagt: auf intelligente Verkehrssysteme, die Bahn- und Schiffstechnik sowie die Erzeugung, Übertragung und Verteilung von Wind- und Solarenergie. Für diese Märkte, in denen Netzwerkkomponenten sehr spezifische Standards und Zertifizierungen erfüllen müssen, werden wir verstärkt komplette Lösungen anbieten, so dass wir uns von einem produktzentrierten hin zu einem lösungs- und damit kundenzentrierten Modell entwickeln. Hier sehen wir die größten Expansionschancen für das Unternehmen.