Framos Mit Bildverarbeitungstechnik in Russland wachsen

Daria Scheel, Framos: »Es ist schön zu sehen, wie der russische Markt sich gerade öffnet und gesprächsbereit ist.«
Daria Scheel, Framos: »Es ist schön zu sehen, wie der russische Markt sich gerade öffnet und gesprächsbereit ist.«

Die All-over-IP-Messe in Moskau verbindet die IP-Branche unter anderem mit Vision- und IoT-Unternehmen. Anlässlich der Messe informiert Daria Scheel, die neue Russland-Verantwortliche von Framos, über die spezifischen Chancen und Herausforderungen für Vision-Techniken auf dem russischen Markt.

Markt&Technik: Wie schätzen Sie den russischen Markt für Bildverarbeitungstechnik ein?

Daria Scheel: Die russische Wirtschaft ist trotz vieler Sanktionen und der politischen Anspannung auf einem guten Weg. Die russischen Unternehmen sind sehr motiviert, Innovationen und vor allem eigene fortschrittliche Lösungen zu entwickeln. Glücklicherweise ist die technische Ausbildung gut in Russland, es gibt viele erfahrene Entwickler und Ingenieure. Und was die Infrastruktur angeht, liegt Russland bei der Digitalisierung vergleichsweise weit vorn. Das sind gute Voraussetzungen für die Bildverarbeitung. Wobei wir in Russland sehen, dass es weniger um die reinen Komponenten, sondern um das Anbieten von Lösungspaketen aus Hardware und Open-Source-Systemen geht. Die Firmen wollen meist einen ersten Hardware-seitigen Technologie-Background und dann eigene Software-Stacks entwickeln. Auch wenn Projektzyklen dadurch manchmal langsamer laufen, steht Russland am Anfang eines Wachstums - wir sehen, dass die Wichtigkeit und auch die Intensität von Bildverarbeitung deutlich zunimmt. Für uns als Framos ist jetzt der richtige Zeitpunkt, mit unserem Portfolio tiefer und stärker im russischen Markt aktiv zu sein. Wir sind sehr positiv gestimmt und offen für neue Projekte und Partnerschaften.


Welche Strategie verfolgen Sie auf dem russischen Markt?

Framos ist schon seit vielen Jahren in Russland aktiv, zugegebenermaßen starten wir aber erst jetzt richtig durch. Als Framos‘ neue, muttersprachliche Vertrieblerin gehe ich den Markt komplett neu an. Das zeigt das Potenzial und die Wichtigkeit, die die Bildverarbeitung in Russland aus unserer Sicht haben. Mein Ziel ist es, vorhandene Verbindungen zu stärken sowie neue Kunden und auch Partner in Russland auf- und auszubauen. Wichtig dabei ist das Thema Embedded Imaging: den Kunden eine Plattform an die Hand zu geben und einen einfachen Zugang zu Sensortechnik. Wir unterstützen die Kunden dann, selbst zu integrieren und Software und Firmware mit eigener IP individuell anzupassen, etwa in Kyrillisch. Russische Kunden wollen eigene Kompetenzen aufbauen und setzen auf individuelle Lösungen und Qualität. Für die meisten Firmen ist der Zugang zum Markt und zur Technik entscheidend sowie die Time-to-Market; wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe.


Welche Potenziale sehen Sie, und auf welche Branchen zielt Framos ab?

Mit Sony-Sensoren und unserem Sensormodul-System liegt unser Fokus vor allem auf Kamera-Entwicklern und OEMs, die sich in den Bereichen Industrie 4.0, Life Sciences und Medical sowie Verkehr und Infrastruktur bewegen. Gerade mit den Modulen sind hochwertige Erkennungssysteme für Sicherheit und Überwachung im Bereich Smart City und ITS stark gefragt, mit Anwendungen wie Gesichtserkennung und Personenzählungen im öffentlichen Raum oder Nahverkehr sowie Ampel-Steuerung und Parkraum-Management. Auch industrielle Endkunden für die digitale und intelligente Produktion sind sehr wichtig, das Potenzial dort ist riesig, wobei es weniger um klassische Machine Vision, sondern um digitale Workflows in der Automatisierung geht. Die ersten Kunden unserer 3D-GigE-Kamera D435e auf Intel-RealSense-Basis kommen aus den Bereichen Robotik, Drohnen, Logistik und Lager-Management sowie Smart Farming und Life Stock. Ein süddeutscher Automobilhersteller setzt die neuen 3D-Kameras von Framos in einem Pilotprojekt ein, um den Automatisierungsgrad in seinen Fertigungsstätten mit präzisen Pick-&-Place-Robotern zu erhöhen. In allen Industrien kommt unseren Kunden zugute, dass wir neben den klassischen Vision-Komponenten auch technische Beratung, Software und Custom-Lösungen bieten. Derzeit arbeiten wir beispielsweise an einem großen Sicherheitsprojekt in der Finanzbranche, dort ist besonders unsere Software-Kompetenz ausschlaggebend. Wir können für die russischen Kunden ein technischer Vision-Partner sein, der sie über den gesamten Projektverlauf aus einer Hand unterstützt.


Was sind die Vorteile der Framos D435e gegenüber konventionellen 3D-Kameras und klassischen Industriekameras?

Die Framos D435e beruht auf Intels RealSense-Technik, kann also Plug & Play direkt und problemlos an jedes System angedockt werden. Zusätzlich ist die Kamera speziell auf die Anforderungen der Industrie ausgerichtet. Der industrielle GigE-Vision-Anschluss ermöglicht die standardisierte und schnelle Ethernet-Übertragung über lange Kabellängen und ohne Latenzen, das Gerät ist mit jeder GigE-Vision-Software und allen Intel-RealSense-Treibern kompatibel. Alle Anschlüsse, M8 und M12, sind zudem verschraubbar, um eine dauerhafte Fixierung etwa an mobilen Anlagen oder Robotern mit stabiler Kalibration und Bildqualität sicherzustellen. Power over Ethernet ist möglich, das staub- und wasserdichte Gehäuse nach IP66 ist auf die Nutzung in rauen Umgebungen ausgerichtet. Auch individuelle Anpassungen der Kamera sind möglich: In Umgebungen mit aggressiven Chemikalien beispielsweise sind IP67-Gehäuse mit spezieller Abdichtung nötig und lassen sich mit geringem zusätzlichem Aufwand realisieren.


Worauf legen die russischen Kunden besonderen Wert?

Die russischen Kunden schätzen besonders ein hohes Maß an Kompetenz und Erfahrung. Framos ist seit 1981 am Markt und seit über 30 Jahren Sony-Partner für Bildsensoren. Bisher waren auch russische Firmen eher preisgetrieben, doch im Zuge des eigenen Kompetenzaufbaus und des Bedarfs an individuellen Lösungen ändert sich das gerade. Sie setzen künftig mehr auf Qualität, brauchen dazu aber auch Support, das ist sehr wichtig. Unsere Ingenieure und Entwickler stehen den Kunden für die technische Unterstützung zur Verfügung. Das sorgt zum einen für hohe Qualität und kurze Time-to-Market und sichert gleichzeitig hohe Effektivität und Schonung der Ressourcen – das ist in Russland genauso wichtig wie überall auf der Welt. Es ist schön zu sehen, wie der russische Markt sich gerade öffnet und gesprächsbereit ist, und wie Bildverarbeitung helfen kann, die Digitalisierung und Automatisierung durch innovative Geräte und Lösungen voranzubringen.