»USB 3.1 wird sich durchsetzen« Mit 10GigE gleichgezogen

Patrick Schick, IDS Imaging Development Systems: »USB 3.1 wird sich getreu dem heutigen USB-Prinzip ‚Plug and Play‘ durchsetzen.«
Patrick Schick, IDS Imaging Development Systems: »USB 3.1 wird sich getreu dem heutigen USB-Prinzip ‚Plug and Play‘ durchsetzen.«

Nachdem die USB-3.0-Schnittstelle sich in der industriellen Bildverarbeitung etabliert hat, steht jetzt USB 3.1 in den Startlöchern.

Patrick Schick, Produkt-Manager bei IDS Imaging Development Systems, erläutert die technischen Eigenschaften sowie Vor- und Nachteile von USB 3.1 und informiert über Aspekte der Unternehmensstrategie.

Markt&Technik: Welche Vorteile und gegebenenfalls Nachteile hat USB 3.1 gegenüber USB 3.0?

Patrick Schick: USB 3.1 ermöglicht eine Datenübertragungsrate von 10 GBit/s brutto, doppelt so viel wie USB 3.0. Rechnerisch möglich sind 1,2 GByte/s. Geschwindigkeit ist ein bedeutender Vorteil von USB 3.1, ein weiterer ist der neue Steckertyp Micro-USB-C. Im Vergleich zum bisherigen Micro-B-Stecker ist Typ C kleiner, und es gibt keine definierte Einsteckrichtung. Für Kunden bedeutet das eine noch einfachere Bedienung der Kameras.

Das Thema Power Delivery ist ein weiterer interessanter Punkt: Die beteiligten Geräte handeln sozusagen aus, wer Strom liefert und wer ihn aufnimmt. So sind im Idealfall bis zu 100 W (36 W mit Mikro-USB-Stecker) über die Schnittstelle beispielsweise zur Stromversorgung von Beleuchtungssystemen möglich.

In puncto Kabellänge kann USB 3.1 je nach Anwendung zum Nachteil werden, denn bislang sind nur sehr geringe Längen möglich. Mit USB 3.1 Gen.2, also der schnellen Ausbaustufe mit 10 GBit/s, ist bisher nur 1 m realisierbar. Zum Vergleich: USB 3.0 erlaubt eine maximale Kabellänge von 3 bis 8 m, GigE sogar von 100 m.

10GigE ermöglicht ebenfalls eine Datenübertragungsrate von 10 GBit/s. Welche Vor- und Nachteile hat USB 3.1 gegenüber 10GigE?

Vorteil von 10GigE ist ganz klar die maximale Kabellänge von 100 m wie bei GigE, allerdings müssen Kunden je nach Anwendung die komplette Peripherie austauschen – aktuelle Kabel lassen sich nur bis 5GigE verwenden. In unseren Augen hat sowohl 10GigE als auch USB 3.1 seine Daseinsberechtigung, und beide Schnittstellen werden parallel auf dem Markt bleiben. USB 3.1 wird sich getreu dem heutigen USB-Prinzip „Plug and Play“ durchsetzen. Weil wir in viele verschiedene Märkte mit den unterschiedlichsten Anforderungen liefern, werden wir beide Schnittstellen anbieten.

Welche Berechtigung haben die relativ komplexen Schnittstellen-Standards wie CameraLink und CoaXPress in Zeiten von USB 3.1 und 10GigE? Welche genuinen Anwendungen gibt es noch für sie?

Wir setzen ausschließlich auf USB und GigE.

Hat IDS schon Kameras mit USB-3.1-Schnittstelle im Programm?

Momentan noch nicht, aber in Kürze werden wir erste Prototypen unserer neuen Einplatinen-Kameraserie „USB3 uEye LE“ mit USB-3.1-Gen.1-Anschluss vorstellen. USB 3.1 ist die konsequente Weiterentwicklung von USB 3.0. Die Schnittstelle wird sich sicherlich neben GigE im Bildverarbeitungsmarkt etablieren.

IDS unterstützt seit einiger Zeit den USB3-Vision-Standard, aber nach wie vor nicht den GigE-Vision-Standard. Plant IDS mittlerweile, GigE-Kameras mit GigE Vision anzubieten?

Obwohl wir von der Leistungsstärke unserer IDS Software Suite überzeugt sind, haben wir uns als USB-Pionier in der industriellen Bildverarbeitung dafür entschieden, zusätzlich auch den USB3-Vision-Standard zu unterstützen. Wir wollen dem Anwender die Wahl überlassen und ermöglichen ihm, zu einem späteren Zeitpunkt („smart & easy“) zwischen Standard und proprietär zu wechseln. Zur Vision-Messe im November werden wir den zweiten Schritt gehen und neue GigE-Kameras vorstellen, die wahlweise mit der IDS Software Suite oder mit GigE Vision erhältlich sein werden.