Voith und Loh verkaufen Kuka-Anteile Midea macht großen Schritt zur Übernahme von Kuka

Der chinesische Haushaltsgeräte-Konzern Midea hat schon jetzt sein Ziel erreicht, einen Anteil von mindestens 30 Prozent am Augsburger Roboterhersteller Kuka zu erlangen. Die offizielle Angebotsfrist endet am 15. Juli.

So will der Heidenheimer Maschinenbauer und Automotive-Zulieferer Voith seinen Anteil von 25,1 Prozent an Kuka in das öffentliche Übernahmeangebot von Midea einbringen. Als Folge rechnet Voith mit einem Liquiditätszufluss von rund 1,2 Milliarden Euro. Wie Voith mitteilte, hat sich der Wert seiner Kuka-Beteiligung »binnen rund anderthalb Jahren mehr als verdoppelt«. Das Unternehmen hatte seine Anteile an Kuka erst im Herbst 2014 für gut eine halbe Milliarde Euro gekauft.

»Die Beteiligung an einem Roboterhersteller war stets als ein weiterer Baustein für die Digitalisierung des Voith-Produktportfolios gedacht«, begründete Dr. Hubert Lienhard, Vorsitzender der Geschäftsführung der Voith GmbH, den Strategieschwenk. Es sei aber unternehmerisch für Voith unter den jetzigen Vorzeichen sinnvoll, die Beteiligung an Kuka zu verkaufen. »Durch die Abgabe der Beteiligung können wir die bislang dort gebundenen Mittel nun flexibel in organisches Wachstum wie auch für attraktive Akquisitionen einsetzen. Die erlöste Liquidität fließt vollständig in die beschleunigte digitale Transformation unseres Portfolios.«

Auch der Unternehmer Friedhelm Loh, dem unter anderem die Firmen Rittal und Eplan gehören, hat sich entschlossen, seinen Anteil von 10 Prozent an Kuka zu verkaufen. Ihm fließt dadurch knapp eine halbe Milliarde Euro zu.

Midea dürfte damit die Aktienmehrheit an Kuka schon erreicht haben. Erst in der vergangenen Woche hatte Kuka seinen Aktionären empfohlen, Mideas freiwilliges Übernahmeangebot anzunehmen, nachdem Kuka und Midea eine Investorenvereinbarung unterzeichnet hatten, die Midea bis zum Ende des Jahres 2023 vertraglich an weitreichende Zusagen bindet. Zu diesen Zusagen gehören unter anderem Standort- und Beschäftigungsgarantien, das Bekenntnis zur bestehenden Strategie von Kuka und zur Unabhängigkeit des Vorstands, Vereinbarungen zum Schutz von Geschäftspartner-Daten sowie die Zusage, keinen Beherrschungsvertrag und kein Delisting anzustreben.

Nach Einschätzung des Kuka-Vorstands unterstützt das Engagement von Midea Kukas bestehende Wachstumsstrategie. Wesentliche Treiber dafür seien der chinesische Markt, Industrie 4.0 sowie der Ausbau von Aktivitäten in Logistik und Service-Robotik. Midea habe sich verpflichtet, Kuka bei der Ausweitung des Geschäfts in China zu unterstützen, etwa durch zusätzliche Marktzugänge. Zudem sehe der Vertrag vor, dass Midea Kuka bei strategischen Wachstumsprojekten unterstütze, etwa durch eine Erhöhung der Mitarbeiterzahlen im Bereich Forschung & Entwicklung (F&E), einen Ausbau der bestehenden F&E-Standorte und Investitionen in Digitalisierung. Auch eine Kooperation von Kuka und Midea in der Logistik sowie die Aufnahme von Geschäftstätigkeiten in der Service-Robotik seien vertraglich vorgesehen.