Internationalisierung im Fokus Lenze: Leichtes Umsatzplus trotz wachsender Unsicherheit

Dr. Erhard Tellbüscher, Lenze: »Wir werden unser Ziel erreichen, im Jahr 2011 als gut aufgestellter Automatisierer am Markt zu sein.«
Dr. Erhard Tellbüscher, Lenze: »In Asien entwickeln sich die Märkte nach wie vor positiv, auch wenn sich das Wachstum verlangsamt.«

Mit einem Umsatzwachstum von rund 2 Prozent hat der Antriebs- und Automatisierungstechnik-Hersteller Lenze sein Geschäftsjahr 2011/12 (1. Mai bis 30. April) abgeschlossen. Für das laufende Bilanzjahr 2012/13 erwartet das Unternehmen Stabilität auf dem erreichten Niveau.

Konkret stieg der Umsatz von 567,0 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2010/11 auf 576,9 Mio. Euro. Das stürmische Wachstum der Nach-Finanzkrisen-Zeit - im Bilanzjahr 2009/10 hatte der Umsatz nur 416,9 Mio. Euro betragen - ist also erst einmal gestoppt. Bedingt vor allem durch höhere Energie- und Rohstoffkosten sowie einen moderaten Anstieg des Personalaufwands sank das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 48,0 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2010/11 auf 39,5 Mio. Euro. Das Ergebnis nach Steuern blieb dagegen mit 27,2 Mio. Euro fast auf Vorjahresniveau (28,0 Mio. Euro im Jahr 2010/11). Die Investitionen stiegen im Bilanzjahr 2011/12 auf 19,4 Mio. Euro; sie dienten den Unternehmensvorstand zufolge maßgeblich zur Stärkung der internationalen Präsenz. Zum Ende des Berichtsjahres waren in der Lenze-Gruppe 3136 Mitarbeiter tätig, jeweils die Hälfte im In- und Ausland.

Dass das Umsatzplus nicht höher ausgefallen ist, liegt dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Erhard Tellbüscher zufolge am Marktumfeld: Es sei vor dem Hintergrund der europäischen Schuldenkrise von einer zunehmenden Unsicherheit gekennzeichnet, die sich unmittelbar auf den Maschinenbau übertrage. »Darüber hinaus werden auch hier politische Einflüsse wie Subventionskürzungen und die volkswirtschaftliche Umstellung des Energiemixes, also die Energiewende, spürbar«, betont er. Der Markt für Elektromobilität, in dem die Lenze-Gruppe mit dem Geschäftsfeld »Lenze Mobile Drives« aktiv ist, komme ebenfalls nicht so recht in Gang: »Nach der anfänglichen Euphorie tritt jetzt eine Phase der Überprüfung ein«, hebt Tellbüscher hervor. So seien derzeit »im Bereich der Elektromobilität für Nutzfahrzeuge nur verhaltene Aktivitäten zu spüren«.

Um die Abhängigkeit von den stagnierenden europäischen Märkten zu kompensieren, setzt Lenze auf eine Globalisierungsstrategie. So investierte das Unternehmen in Asien über den gezielten Personalaufbau und die intensive Qualifizierung von Applikationsingenieuren und Vertriebsmitarbeitern hinaus auch in den Ausbau des Standorts Shanghai in China, wo ein Entwicklungszentrum für Elektromechanik aufgebaut wurde. »In Asien entwickeln sich die Märkte nach wie vor positiv, auch wenn sich das Wachstum verlangsamt«, kommentiert Tellbüscher.

Der Markt in den USA zeigte ebenfalls einen Aufwärtstrend, so dass die Lenze-Gruppe ihre Umsatzerlöse dort weiter steigerte. Im Geschäftsjahr 2011/12 errichtete das Unternehmen ein Logistikzentrum in Chicago, dem geografischen Herz des US-Maschinenbaus. Ein zufriedenstellendes Wachstum verzeichnete Lenze auch in Südamerika: In diesem Jahr wurde eine eigene Gesellschaft in Argentinien gegründet, und momentan wird die brasilianische Lenze-Gesellschaft in Sao Paulo zu einem Hub für ganz Südamerika ausgebaut.