IO-Link hält in immer mehr Maschinenbau-Branchen Einzug IO-Link-Einführung: Weder zäh noch stürmisch

Prozentsatz der befragten Maschinenhersteller, die IO-Link nutzen oder definitiv einführen wollen (2007 bis 2011)
Prozentsatz der befragten Maschinenhersteller, die IO-Link nutzen oder definitiv einführen wollen (2007 bis 2011)

Die im Jahr 2006 vorgestellte Datenübertragungstechnik IO-Link für die Verbindung zwischen E/A- und Sensor/Aktor-Ebene verbreitet sich in der Fabrikautomatisierung zunehmend: Während anno 2007 nur 1 Prozent der deutschen Maschinenhersteller IO-Link in ihren Maschinen integriert oder dies definitiv beabsichtigt hatten, sind es jetzt laut einer neuen Marktuntersuchung von Quest Techno-Marketing immerhin 12 Prozent.

Immer mehr Maschinenhersteller machen sich die Vorteile von IO-Link in Sachen Verkabelung und Kommunikation zunutze. Definiert ist IO-Link als bidirektionale Punkt-zu-Punkt-Verbindung für den »letzten Meter« zwischen einem Sensor oder Aktor (dem so genannten IO-Link-Device) und dem E/A-Modul (IO-Link-Master). Die IO-Link-Schnittstelle macht folglich die Verbindung zwischen der E/A- (also letztlich der Steuerungs-) und der Sensor/Aktor-Ebene dialogfähig und ermöglicht neue Parametrier-, Diagnose- und Wartungskonzepte. Sie begnügt sich mit einem simplen dreiadrigen Standardkabel und verwandelt eine 1-Bit-Punkt-zu-Punkt-Verbindung in einen bidirektionalen Kommunikationskanal.

Vorteile bringt IO-Link unter anderem für die Parametrierung der IO-Link-Devices: »Bei einem Drucksensor beispielsweise musste der Anwender früher Schaltpunkt, Hysterese sowie Öffner- oder Schließerverhalten zeitaufwändig von Hand am Ort des Sensors einstellen«, erläutert Albert Feinäugle, Director Marketing Services bei Balluff. »IO-Link dagegen ermöglicht erstmals eine zentrale Parametrierung vom HMI der Maschine aus; der Sensor muss nicht mehr unbedingt zugänglich sein. Wenn die Parametrierung automatisiert ist, lädt der Bediener mit Hilfe von Funktionsbausteinen zentral hinterlegte Datensätze in den Sensor.« Bei Format- und Rezepturwechseln ließen sich auf diese Weise ganze Gerätegruppen automatisch in kürzester Zeit umparametrieren.

Udo Huneke, Leiter der Product Unit Automation & Safety von Murrelektronik, stimmt dem zu: »Parameterdaten lassen sich direkt von der Steuerung in die Devices übertragen und auch auslesen, was die Inbetriebnahme vereinfacht, weil nicht jedes Device manuell eingestellt werden muss«, sagt er. »Im Fehlerfall kann ein Device ausgetauscht werden, und die Parameterdaten lassen sich automatisch in das neue Device übertragen. Stillstandszeiten sind auf diese Weise minimierbar.«

Ein von Feinäugle erwähntes Beispiel veranschaulicht die Vorteile von IO-Link bei der Sensorverkabelung: »Ein Hersteller von Verpackungsmaschinen bündelt seine 50 Optosensoren auf sieben IO-Link-Sensor-Hubs von Balluff, die wiederum an zwei 4-kanalige IO-Link-Master aus dem ET200-System von Siemens angeschlossen werden«, führt er aus. »IO-Link-typisch reicht dazu ein einfaches dreiadriges Kabel pro Sensor-Hub.« Laut Feinäugle kommen neuerdings auch immer häufiger IO-Link-Aktorikkonzepte zum Einsatz: »Neben IO-Link-Sensorik setzt ein Hersteller von Bearbeitungszentren eine große Zahl von IO-Link-Motorstartern und für die Ansteuerung der Hydraulikventile IO-Link-Aktor-Hubs ein, auch hier verbunden mit einer beeindruckenden Vereinfachung der Installation«, sagt er.

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IO-Link hält in immer mehr Maschinenbau-Branchen Einzug.

Feinäugle zufolge kommen immer mehr IO-Link-taugliche Geräte auf den Markt, darunter auch Signalgeräte, Bedieneinheiten, Vakuumerzeuger und sogar Miniaturantriebe. Huneke bestätigt das: »In den vergangenen zwei bis zweieinhalb Jahren hat die Verfügbarkeit von IO-Link-Komponenten enorm zugenommen«, führt er aus. »Die wachsende Zahl von IO-Link-Installationen spricht für die zunehmende Akzeptanz der Technologie und der Produkte.«

Die Marktuntersuchung der in Bochum und London ansässigen Quest TechnoMarketing e.K. untermauert diese Aussagen: »Seit 2007 wird IO-Link nach und nach in immer mehr Maschinenbau-Branchen genutzt«, sagt Thomas Quest, Geschäftsführer des Unternehmens. »Waren es 2007 noch zwei Branchen, in denen IO-Link zum Einsatz kam, nämlich Werkzeug- und Verpackungsmaschinen, sind es jetzt immerhin neun.« Generell zeige die Einführung von IO-Link »weder eine sprunghafte Aufwärtsentwicklung noch eine zähe Stagnation, sondern eine Entwicklung, wie sie für die prüfende Einführung einer neuen Technologie durchaus charakteristisch ist«, wie Quest betont. Seit drei Jahren in Folge steige der Anteil der Maschinenbauer, die IO-Link nutzen oder definitiv einführen wollen: »In diesem Jahr liegt er bei 12 Prozent der befragten knapp 250 deutschen Maschinenhersteller.«