Industrie 4.0 und KI als ein System Hannover glänzt mit »German Engineering«

Der Unterwasser-Roboter »BionicFinWave« von Festo schiebt sich hier auf der Hannover-Messe durch ein Rohrsystem aus Acrylglas, indem er mit seinen komplett aus Silikon gegossenen Seitenflossen eine durchgängige Welle erzeugt. Über Funk überträgt er Daten wie etwa Sensorwerte an ein Tablet.
Der Unterwasser-Roboter »BionicFinWave« von Festo schiebt sich hier auf der Hannover-Messe durch ein Rohrsystem aus Acrylglas, indem er mit seinen komplett aus Silikon gegossenen Seitenflossen eine durchgängige Welle erzeugt. Über Funk überträgt er Daten wie etwa Sensorwerte an ein Tablet.

Auch die siebte Hannover-Messe mit dem Leitthema »Integrated Industry« war eine Leistungsschau der digitalen Transformation zur Industrie 4.0 – geprägt von den Themen 5G, künstliche Intelligenz und Leichtbaurobotik. Für die Hannover-Messe 2020 haben die Veranstalter einige Neuerungen angekündigt.

Auf der Hannover-Messe hat sich gezeigt, dass künstliche Intelligenz (KI) und Machine-Learning (ML) sich zu einem integralen Bestandteil der Automatisierung entwickeln: Siemens etwa hat ein KI-Modul für seine Steuerung S7-1500 und sein I/O-System ET 200MP vorgestellt. Das Modul ist mit dem KI-fähigen Chip „Movidius Myriad X VPU“ (Vision-Processing-Unit) von Intel ausgestattet und ermöglicht so die effiziente Verarbeitung neuronaler Netze. Mittels ML-Algorithmen lassen sich beispielsweise Handling-Vorgänge auf Roboter-Basis optimieren. Auch Omron hat für sein Steuerungssystem Sysmac einen KI-Controller für Predictive Maintenance und Steuerung auf den Markt gebracht. Beckhoff Automation hat eine in die Automatisierungs-Software TwinCAT 3 und damit in die Steuerungstechnik nahtlos integrierte Lösung für ML in Echtzeit präsentiert.

Die Software-Lösung „Scraitec“ des Festo-Tochterunternehmens Resolto Informatik ist ebenfalls auf die Feldebene ausgerichtet; sie analysiert und interpretiert Daten in Echtzeit und erkennt und meldet Anomalien. Zudem lernt das System durch die permanente Datenanalyse kontinuierlich dazu und erweitert seine Wissensbasis, was intelligentes Prozess-Monitoring ermöglicht. Generell will Festo KI auf drei Netzwerkebenen ansiedeln: an der Edge, on Premises und in der Cloud. Und Delta hat die IIoT-basierte Plattform „Digital Factory Monitoring Solution“ vorgestellt, in der verschiedene Software-Systeme des Unternehmens zusammenlaufen. Sie ermöglicht eine 360-Grad-Überwachung von Fertigungs- und Werksaktivitäten, etwa der Datenerfassung von Produktionsanlagen (DIAMMP Manufacturing Management Platform), des Betriebs von Fabrikanlagen (DIAView SCADA-System) und des gesamten Energieverbrauchs von Werken (DIAEnergie).

»Eine Stärke in Deutschland und Europa liegt darin, Industrie 4.0 und KI zu einem System zusammenzuführen«, kommentiert der Vorstandsvorsitzende und CEO des VDE, Ansgar Hinz, der Deutschland bei KI ansonsten gegenüber Ländern wie China im Hintertreffen sieht. »Diese systemische Verknüpfung ist die Voraussetzung, um neue Konzepte angehen zu können – übergreifende Konzepte, aus denen dann echte neue Geschäftsmodelle entstehen könnten.« Genau das sei die große Stärke der Mittelständler hierzulande: Systeme übergreifend funktionsfähig zu machen. »German Engineering eben.«

ZVEI-Präsident Michael Ziesemer sieht die gegenwärtige Situation rund um Industrie 4.0 und KI in Deutschland optimistisch: »Was die Digitalisierung der Industrien angeht, haben wir die Nase vorn.« Das unterstreicht Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung: »Bei Industrie 4.0 schaut die Welt auf Deutschland. Wir haben mit der Plattform, dem Labs-Network sowie dem Standardization-Council ein Ökosystem Industrie 4.0 geschaffen, das weltweit seinesgleichen sucht. Folglich wollen alle mitmachen – die USA, China, Japan und so manches Land mehr.«