25 Jahre Stemmer Imaging Gelungene Konzentration auf das Wesentliche

Markt&Technik-Redakteur Andreas Knoll (links vorne) lässt sich von Christof Zollitsch (Mitte) und Wilhelm Stemmer (rechts) die jährlichen Umsatzwachstumsraten von Stemmer Imaging erläutern.
Markt&Technik-Redakteur Andreas Knoll (links vorne) lässt sich von Christof Zollitsch (Mitte) und Wilhelm Stemmer (rechts) die jährlichen Umsatzwachstumsraten von Stemmer Imaging erläutern.

Was vor 25 Jahren als »Stemmer PC-Systeme« begann, erzielte als »Stemmer Imaging« im Geschäftsjahr 2011/12 einen Umsatz von 54,8 Mio. Euro und beschäftigt momentan etwa 175 Mitarbeiter. Ein derartiges Wachstum ist auch in einer erfolgsverwöhnten Branche wie der Bildverarbeitung nicht selbstverständlich.

Wilhelm Stemmer und Christof Zollitsch, die beiden Geschäftsführer des in Puchheim bei München ansässigen Unternehmens, verraten einige ihrer Erfolgsgeheimnisse und geben einen Ausblick auf die Zukunft.

Markt&Technik: Was hat Sie im Juli 1987 dazu bewogen, das heutige Unternehmen Stemmer Imaging, anfangs »Stemmer PC-Systeme«, zu gründen?

Wilhelm Stemmer: Die Geschichte von Stemmer Imaging reicht eigentlich noch weiter zurück. Im Jahr 1973 gründete ich eine Personengesellschaft, die zunächst Digitalvoltmeter und getaktete Netzteile vertrieb. Schon bald kamen Messdatenerfassungs- und Bildverarbeitungstechnik hinzu, die aber damals noch sehr teuer waren und dadurch nur in der Grundlagenforschung eingesetzt wurden.

Als der 1981 auf den Markt gekommene PC in der Industrie Akzeptanz fand, begannen wir, die Messdatenerfassung mit Blick auf industrielle Anwendungen an den PC anzubinden: Das Unternehmen vertrieb also einerseits die bald aufkommenden PC-Einsteckkarten und andererseits die nötige Vernetzungstechnik. Es ging dabei sowohl um die Integration von Messkarten in den PC via ISA-Bus als auch um die Vernetzung des PCs über Ethernet.

1987 entschloss ich mich zu dem organisatorischen Schritt, der die eigentliche Geburtsstunde der heutigen Stemmer Imaging darstellt, nämlich zur Umwandlung der Einzelfirma in zwei GmbHs: einerseits der schon erwähnten Stemmer PC-Systeme mit Messdatenerfassungs- und Bildverarbeitungstechnik auf PC-Basis und andererseits der Stemmer Elektronik mit Komponenten und Dienstleistungen für die Vernetzung von PCs. Weil der Messtechnik-Bereich die geringsten Steigerungsraten und Wachstumschancen versprach, gliederte ich ihn 1994 aus der Stemmer PC-Systeme aus. Das Unternehmen wurde dadurch zur Stemmer Imaging und fokussierte sich fortan auf die Bildverarbeitungstechnik, die ja letztlich ein Teilbereich der Messdatenerfassung ist.

Was ist dann aus dem Messtechnik-Bereich geworden?

Er ging an einen damaligen Mitarbeiter, Josef Bressner, dessen »Bressner Technology GmbH« in Gröbenzell heutzutage mit Embedded-Systemen und Industrie-PCs am Markt vertreten ist.

Und aus der Stemmer Elektronik?

1998, nach dem tragischen plötzlichen Tod des von mir eingesetzten Geschäftsführers der Stemmer Imaging, musste ich mich für die Leitung einer der beiden erfolgreichen Firmen entscheiden. Weil mein Herz als Ingenieur für die Technik schlug, beschloss ich, die eher kommerziell ausgerichtete Stemmer Elektronik zu verkaufen und mich voll auf den dynamisch wachsenden Bereich der industriellen Bildverarbeitung zu konzentrieren. Die Stemmer Elektronik ist jetzt als IT-Dienstleister mit Sitz in Olching tätig, seit kurzem als Tochtergesellschaft der British Telecom; sie hieß nach dem Verkauf zunächst »net Stemmer GmbH« und trägt aktuell den Namen »Stemmer GmbH«.

In den frühen neunziger Jahren begann die industrielle Bildverarbeitung (IBV) ihren Siegeszug - was waren die Gründe dafür?

Christof Zollitsch: Die Bildverarbeitung tat damals einen entscheidenden Schritt: Sie trat aus dem Umfeld der Forschung heraus und wandte sich industriellen Anwendungen zu. Nachdem die Industrie die Bildverarbeitung für sich entdeckt hatte, begegnete sie ihr zunächst mit einer übertriebenen Euphorie, weil sie mehr erwartete als die Bildverarbeitung damals leisten konnte. Die Begeisterung wich dann einer eher zurückhaltenden Einschätzung, aber hohe Wachstumsraten waren den Unternehmen, die sich mit IBV beschäftigten, dennoch sicher. Heutzutage ist die IBV aus der Industrie nicht mehr wegzudenken: Sie ist ausgereift, langzeitstabil und immer einfacher zu bedienen, so dass die Industrie ein großes Zutrauen in sie gewonnen hat.

Wie hat Stemmer Imaging damals den Trend zur IBV genutzt?

Wilhelm Stemmer: Wir haben uns von Anfang an nicht mit bloßem Verkaufen von Komponenten begnügt, sondern intensiv mit der Technik als solcher auseinandergesetzt. Schon früh boten wir Applikationsberatung an, um unseren Kunden aus der Industrie die für ihre Aufgaben geeignetsten Komponenten zusammenstellen zu können. Auf dem Weltmarkt suchten wir nach Herstellern, deren Kameras, Optiken, Beleuchtungen und Framegrabber industrielle Anforderungen erfüllten. Mit unserem Wissen über Technik und Anwendungen entwickelten wir schließlich ab 1997 unsere eigene Software »Common Vision Concept« (CVC), jetzt »Common Vision Blox« (CVB), die sich stark an unserem Geschäftsmodell orientiert hat und nach wie vor orientiert.

Warum hat sich Ihr Unternehmen dazu entschlossen, eine eigene Software zu entwickeln?

Christof Zollitsch: Wir fanden damals auf dem Weltmarkt keine Software, die dafür geeignet gewesen wäre, die von uns ausgewählten Komponenten als Systeme zum Laufen zu bringen. Um die gewünschte Modularität zu erreichen, entwickelten wir also ein eigenes Produkt. Das Problem war ja damals, dass jeder Hersteller eine andere Programmiersprache nutzte und seine eigenen Treiber hatte. Für jede Bildverarbeitungs-Hardware gab es eine separate Treiberbibliothek. Im Vordergrund standen also bei CVC zunächst nicht Algorithmen, sondern das generalisierte Bild.