»Wir werden auch in Zukunft FireWire ebenso wie GigE unterstützen« FireWire: Alles andere als tot

Myriam Beraneck, Sony: »Mit FireWire lassen sich Systeme mit mehreren Kameras leichter realisieren.«
Myriam Beraneck, Sony: »Mit FireWire lassen sich Systeme mit mehreren Kameras leichter realisieren.«

Der Marketing-Wirbel um die Gigabit-Ethernet-Schnittstelle (GigE) hat das FireWire-Interface etwas in Bedrängnis gebracht. Dabei haben beide Techniken ihre spezifischen Vor- und Nachteile.

Myriam Beraneck, in der Image Sensing Solutions Division von Sony tätig, erläutert diese, informiert über die Marktdurchdringung der beiden Standards und gibt Auskunft über die Schnittstellen-Strategie des Unternehmens.


Markt&Technik: Welche technischen Vor- und Nachteile haben FireWire und GigE im Vergleich zueinander?

Myriam Beraneck: Mit einem FireWire-IEEE1394b-Interface lassen sich Bilddaten genauer übertragen. Hinzu kommt, dass über FireWire auch Strom übertragen werden kann. Außerdem lassen sich mit FireWire Systeme mit mehreren Kameras leichter realisieren. Dies sind alles Gründe, weshalb sich der Standard weit verbreitet hat.

Allerdings ist die Übertragungslänge traditionell die Achillesferse von FireWire. Die maximale Übertragungsdistanz beträgt rund 10 m. Aber das ändert sich gerade. Mit neuen Techniken wie FireWire über Koax-Kabel lassen sich Distanzen von mehr als 50 m überwinden.

Bei GigE verhält es sich mit den Vor- und Nachteilen genau andersherum. So fällt die Bildgenauigkeit schlechter als bei FireWire aus, auch wenn sie industriellen Ansprüchen genügt - das gilt zumindest für alles, was mit älteren Versionen als GigE v.1.2 realisiert wurde. Zudem verbraucht der Standard aufgrund der geringeren Integrationsdichte der ICs mehr Strom. Aber mit GigE können die Entwickler kostengünstigere Systeme realisieren, denn GigE macht Standard-Consumer-Hardware und -Peripherie verfügbar. Außerdem lassen sich mit GigE Daten über größere Distanzen übertragen. Hinzu kommt, dass sich mit GigE v.2.0 die Systemzuverlässigkeit verbessert, ohne dass die Flexibilität von Standard-Hardware verloren geht.


Welche Marktdurchdringung haben FireWire und GigE derzeit? Sind hier in naher Zukunft Veränderungen zu erwarten?

Gemäß unseren eigenen Zahlen entfallen heutzutage in Europa stückzahlmäßig rund 40 Prozent aller Kameras auf FireWire und GigE. Betrachtet man die Umsatzzahlen, dann liegt der Anteil im Bildverarbeitungssektor sogar bei 50 Prozent, wobei die beiden Standards ungefähr auf den gleichen Marktanteil kommen. Der Rest des Marktes wird von analogen sowie USB- und CameraLink-Installationen beherrscht. Der US-Markt spiegelt diese Einschätzung ebenfalls wider.

Es wird aber vielfach vorhergesagt, dass die digitalen Techniken der nächsten Generation, unter anderem GigE 2.0 und FireWire S 1600, die verbleibende installierte Basis analoger Kameras ersetzen werden, sobald sie sich entwickeln und die Preise fallen.


Warum gibt es aus Ihrer Sicht derzeit so einen Rummel um GigE?

Wenn man sich die bereits erwähnten Vorteile für den Kunden ansieht, ist dieser Trend nur zu verständlich. Es hängt vom Kamerahersteller oder Distributor ab, dem Kunden bei der Wahl der richtigen Schnittstelle und Kamera zu helfen und ihm die richtige Lösung für seine Bedürfnisse zu empfehlen. Denn die Unternehmen, die ein Bildverarbeitungssystem aufbauen, müssen nicht nur die Schnittstelle bedenken. Sie müssen auch die Anforderungen und Einschränkungen im Auge behalten, die sich durch die Umgebung und die Anwendung ergeben.