Die künftige Entwicklung der Robotik »Die Robotik in die richtigen Bahnen lenken«

Dominik Bösl, TU München / Kuka: »Kooperative Robotik kann die Welt besser machen, wenn wir sie richtig machen.«

Kooperative Roboter in der Industrie werden sich langfristig ebenso durchsetzen wie Service-Roboter in Haushalt, Pflege und Medizin. Damit aber die Entwicklung im Dienste des Menschen verläuft, ist eine breite Diskussion erforderlich, die Chancen und Risiken klar benennt und gangbare Wege aufzeigt.

Dominik Bösl, Dozent an der School of Education der TU München und Corporate Innovation Manager beim Roboterhersteller Kuka, will die Debatte anstoßen.

Markt&Technik: Wie schätzen Sie die Bedeutung der kooperativen Robotik in der Industrie ein?

Dominik Bösl: Der Entwicklungsschritt zur kooperativen Robotik ist von enormer Bedeutung. Er markiert einen Paradigmenwechsel: Über 40 Jahre lang waren Roboter in Sicherheitskäfigen eingesperrt, und jetzt haben manche von ihnen die Käfige verlassen, weil sie mit Menschen interagieren können, ohne sie zu verletzen. Vorkehrungen auf Basis von Sensorik und Steuerungstechnik zur Vermeidung und Erkennung von Kollisionen machen es möglich.

Der Paradigmenwechsel hin zur kooperativen Robotik erhöht die Flexibilität und ermöglicht individuellere Produkte. Er gestattet eine wirtschaftlich sinnvolle Automatisierung, indem Anwender beispielsweise den Roboterarm mit der Hand führen und so dessen Bewegungen einlernen können, anstatt sie programmieren zu müssen. Zudem beherrschen kooperative Roboter erstmals das Handling biegeschlaffer Teile, etwa von Schläuchen.

Welche Tätigkeiten werden kooperative Roboter künftig in der Industrie übernehmen?

Kooperative Roboter werden in Zukunft alle möglichen unterstützenden Tätigkeiten übernehmen. Sie sind klein, leicht, flexibel und mobil genug, um überall arbeiten zu können. Hierbei reichen sie dem Anwender Bauteile herüber oder bauen sie sogar ein. Zudem lassen sie sich in vernetzte Lösungen einbinden. In fünf Jahren könnte es beispielsweise ein Planungssystem geben, das dem Roboter meldet, wie viele Exemplare eines bestimmten Bauteils noch an Ort und Stelle in der Produktionslinie vorhanden sind, woraufhin der Roboter gegebenenfalls Nachschub aus dem Lager holt. Möglicherweise können Roboter dann mittels vorprogrammierter Algorithmen autonom navigieren.

Limitierende Faktoren für kooperative Roboter sind Effizienz und Wirtschaftlichkeit.

Was qualifiziert Menschen und Roboter jeweils für bestimmte Tätigkeiten?

Mensch und Roboter sollten in Zukunft jeweils das übernehmen, was sie am besten können. Menschen sind kreativ, arbeiten intuitiv und können geistige Leistungen vollbringen. Zudem haben sie ein Bewusstsein und sind zu sinnlicher Wahrnehmung fähig. Roboter dagegen arbeiten schnell und genau; sie können ein und dieselbe Bewegung unendlich oft wiederholen, sind kräftig – und mittlerweile für den Menschen nicht mehr in jedem Fall gefährlich. Mit der technischen Entwicklung verschwimmen also die Grenzen zwischen Mensch und Roboter allmählich.

Besonders geeignet sind kooperative Roboter für Tätigkeiten, die für Menschen körperlich belastend sind, weil sie beispielsweise den Rücken schädigen. Ein Roboter könnte Gummistopfen im Auto-Unterboden setzen, und der Mensch könnte ihn dabei positionieren und kontrollieren. Oder der Mensch übernimmt in der Automobilproduktion die Innenraummontage, während der Roboter gleichzeitig Arbeiten am Unterboden vornimmt. Oder der Roboter bewegt ein Teil und der Mensch arbeitet daran oder führt den Roboterarm. Der Roboter kann also schwere oder sich ständig wiederholende Aufgaben übernehmen und der Mensch kreative und intuitive.