ZVEI-Prognose für 2011 Deutsche Automatisierungs-Branche erwartet 10 Prozent Wachstum

Dr. Gunther Kegel, ZVEI: »Ein derart hohes Wachstum hatten wir nicht erwartet.«
Dr. Gunther Kegel, ZVEI: »Ein derart hohes Wachstum hatten wir nicht erwartet.«

Die Fertigungsautomatisierungs-Branche hat das Vor-Krisen-Umsatzniveau laut Daten des ZVEI-Fachverbands Automation schon 2010 übertroffen, und die Prozessautomatisierungs-Industrie wird es 2011 erreichen. Insgesamt erwartet der Fachverband für das laufende Jahr ein Branchenwachstum von 10 Prozent.

Der Gesamtumsatz der deutschen Automatisierungs-Branche stieg 2010 um mehr als 16 Prozent auf knapp 41 Mrd. Euro. Vor allem der Export trug das Wachstum; er nahm um 25 Prozent auf 27 Mrd. Euro zu. Auf fast 42 Prozent belief sich das Wachstum im Geschäft mit Südostasien. Mit plus 36 Prozent gehörten auch die USA wieder zu den Wachstumsregionen der Branche. Die Exportquote lag 2010 bei fast 83 Prozent.

»Ein derart hohes Wachstum hatten wir nicht erwartet«, sagte der Fachverbands-Vorsitzende Dr. Gunther Kegel auf der Hannover Messe. »Einige Unternehmen melden einen um 30 bis 40 Prozent gestiegenen Auftragseingang. Die Lieferzeiten bei einigen Bauteilen betragen jedoch bis zu 20 Wochen, so dass das Umsatzwachstum den Aufträgen hinterherhinkt.«

Der Umsatz mit Antrieben legte 2010 laut dem Fachverband um mehr als 18 Prozent auf 9 Mrd. Euro zu, der mit Schaltanlagen und Industriesteuerungen um gut 17 Prozent auf 15,5 Mrd. Euro und der mit Prozessautomatisierungstechnik um 15,4 Prozent auf 16,4 Mrd. Euro. »Der Konjunkturzyklus der Prozessautomatisierung startet mit ein paar Monaten Verspätung«, erläuterte Michael Ziesemer, im Vorstand des Fachverbands für das Segment zuständig. »Wegen der steigenden Anforderungen an Energieeffizienz in allen Bereichen rechnen wir mit weiterem Wachstum. Um hier belastbare Vergleichsmöglichkeiten zu schaffen, haben wir ein generisches Berechnungsinstrument entwickelt, mit dem man den Kostenvorteil energiesparender Technik über die gesamte Laufzeit einer Anlage berechnen kann.«

Deutschland bleibt dem Fachverband zufolge mit mehr als 12 Prozent Produktionsanteil weltweit der größte Nettoexporteur elektrischer Automatisierungstechnik. Anno 2009 wuchs der entsprechende Weltmarkt gegenüber dem Vorjahr insgesamt um knapp 4 Prozent auf 306 Mrd. Euro.

Für die Zukunft der Automatisierungsbrache ist der Fachverband sehr optimistisch - bei allen globalen Trends, etwa zu regenerativen Energien, Energieeffizienz, Elektromobilität und intelligenten Infrastrukturen, sei Automatisierungstechnik die treibende Kraft. Unsicherheiten sieht der Fachverband jedoch im Zusammentreffen weltweiter Verwerfungen außerhalb der Branche. Hierzu gehörten die Gefahr einer Destabilisierung der arabischen Welt, die unverminderte Schuldenkrise einiger Länder und die Ereignisse in Japan. Deren mittel- und langfristige Auswirkungen seien noch nicht abschätzbar.

Nachdem die Unternehmen während der Krise erfolgreich versucht hatten, ihre Mitarbeiter zu halten, stieg die Zahl der Beschäftigten 2010 um 1,3 Prozent auf 232.000 zum Jahresende. Wichtig bleibt laut Kegel, sich für qualifizierten Nachwuchs in Deutschland zu engagieren. 10.000 Jungingenieuren stehe ein Bedarf von 15.000 Ingenieuren pro Jahr gegenüber.