Service-Robotik von Pilz Der Knickarmroboter wird mobil

Aus der Kombination von FTS und Manipulator ergeben sich neue Möglichkeiten für die Gestaltung intralogistischer Prozesse.

Auch in der Intralogistik werden Roboter künftig als Assistenten des Menschen eine zentrale Rolle spielen; logistische Abläufe können durch die Kombination von Robotern und fahrerlosen Transportsystemen (FTS) neue Formen annehmen. Gleichzeitig wachsen jedoch die Anforderungen an die Sicherheit.

In der intelligenten Produktion lösen sich die Grenzen zwischen Industrie- und Service-Robotik zunehmend auf, und die Rolle des Menschen wird neu definiert. Denn Service-Roboter – hier verstanden als „Dienstleister“ des Menschen, auch in industriellen Anwendungen – werden dem Menschen bei körperlich belastenden oder monotonen Arbeiten zur Hand gehen und ihn entlasten. Der Mensch dagegen übernimmt verantwortungsvollere Aufgaben wie Planung und Programmierung, denn im Gegensatz zur Maschine kann er eigenständig Situationen bewerten, abwägen und Entscheidungen treffen. »Ein Service-Roboter kann die Materialversorgung in einem Fertigungsprozess genauso übernehmen wie die Bereitstellung von Medikamenten in einer Apotheke«, erläutert Dr. Manuel Schön, Product Manager für Controller beim Automatisierungstechnik-Hersteller Pilz in Ostfildern. »Gefragt sind flexible Lösungen – kompakte, vielseitige Assistenten statt massiver Montage-Roboter.«

In der Intralogistik setzen zahlreiche Unternehmen bereits auf FTS. Die lautlosen Gefährten manövrieren durch die Fertigungsstraßen und stellen einen effizienten Materialfluss in der Fertigung sicher – momentan noch mit einer gewissen Positionierungenauigkeit. »Mehr Präzision erlaubt die Kombination mit einem Manipulator«, sagt Schön. »Er kennt beispielsweise die exakte Position der aufzunehmenden Komponente und gleicht dadurch die gegebene Ungenauigkeit aus.« Außerdem ergeben sich aus einer solchen Kombination neue Ideen für wertschöpfende Prozesse in der Intralogistik: »So könnten Roboterarme mehrere Einzelteile noch während des Transports zu einem Zwischenprodukt zusammenfügen, das direkt in den nächsten Produktionsschritt einfließen kann. Ist der Manipulator mit Sensorik und Kamerasystemen ausgestattet, kann er sogar dynamisch greifen oder eine Qualitätskontrolle durchführen. Mit einem offenen, modularen Ansatz werden solche Gedankenspiele Realität.«

Baukasten für individuelle Service-Robotik

Die Pilz-Service-Robotik-Module beispielsweise bilden einen modularen Baukasten, aus dem sich Anwender ihre individuelle Roboterapplikation für industrielle und nichtindustrielle Anwendungen zusammenstellen können. Das Manipulatormodul PRBT ist ein von Pilz entwickelter Roboterarm mit einer Traglast von 6 kg. Durch seine maximale Reichweite von 741 mm, sein Gewicht von 19 kg und seine 24-V-Gleichspannungsversorgung eignet es sich besonders für mobile Anwendungen, etwa in Kombination mit einem FTS. Dabei lässt es sich in beliebiger Montagerichtung anbringen.

Der Markt der Service-Robotik ist stark in Bewegung und hoch innovativ. »Deshalb hat Pilz sich mit den Service-Robotik-Modulen für einen offenen Ansatz mit den entsprechenden physischen und virtuellen Schnittstellen entschieden«, stellt Schön fest. »Dadurch können Anwender die Module von Pilz mit Modulen von Drittanbietern kombinieren, etwa mit Greifern oder eben FTS. Durch den Einsatz von ROS-Paketen für die Robotersteuerung treibt Pilz diesen offenen Ansatz voran.« ROS (Robot-Operating-System) ist ein Open-Source-Framework, um Software für Robotikanwendungen zu schreiben oder ganze Roboterapplikationen umzusetzen.