Greifer für die Industrierobotik Der Greifer als Bauteilprüfer

Beim Smart Gripping vermessen, identifizieren und überwachen intelligente Greifer wie der »Schunk EGL« Bauteile sowie den laufenden Produktionsprozess.

Greifer für die Industrierobotik werden künftig nicht mehr nur Gegenstände aufnehmen und an einer bestimmten Stelle positionieren, sondern auch Bauteile einem Gut/Schlecht-Test unterziehen und die Prozessstabilität dokumentieren. Immer wichtiger werden zudem Flexibilität und einfache Integration.

Die Zeiten, in denen Greifer bloße Anhängsel von Industrierobotern waren, sind vorbei: Mittlerweile handelt es sich bei ihnen um Individuen mit auf die Anwendung abgestimmten Funktionen. Dass die Greifer Bauteile prüfen und Produktionsprozesse überwachen, kommt aber hauptsächlich in der klassischen nichtkollaborativen Industrierobotik zum Tragen: »Es gibt dort einen klaren Trend zur Mechatronisierung und zu intelligenten Greifern«, erläutert Prof. Dr. Markus Glück, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung beim Spann- und Greiftechnik-Hersteller Schunk in Lauffen/Neckar.

»Nachdem vor allem die Verkürzung der Schließzeiten, die Vereinfachung der Greiferintegration und die Bereitstellung sensitiver Greifwerkzeuge mit größerem Hub im Fokus der Entwicklungen für die automatisierte Elektronikindustrie standen, zeichnet sich derzeit ein bedeutsamer Wandel in der Fertigungsautomatisierung ab. Wir gehen davon aus, dass sich der Aspekt des Greifens grundlegend wandeln wird. Der Greifer wird künftig in der Lage sein, über Gut- und Schlechtteile zu entscheiden, mit selbst erfassten Messdaten Dokumentationen zu erstellen und beispielsweise die Qualität der Bauteile zu bewerten und so zur lückenlosen Traceability beizutragen.«

Mittelfristig würden Greifsysteme statistische Auswertungen ermöglichen, wie etwa die Overall Equipment Effectiveness (OEE), die Prozessfähigkeit (Cpk), die Mean Time Between Failure (MTBF) sowie Trendentwicklungen wie etwa Parameter-Drift oder Anstiege der Ausfallraten. »Smarte Greifer mit großen Hüben, wie unser Technologieträger auf Basis des ‚Schunk EGL‘, sind schon heute in der Lage, mithilfe ihrer integrierten Greifkraft- und Greifwegkontrolle auch minimale Abweichungen der Eigenschaften gegriffener Objekte präzise zu detektieren«, ergänzt Markus Glück. »Sie liefern in Echtzeit Leistungs- und Effizienzkennzahlen zur Prozessstabilität, sodass eine zuverlässige 100-Prozent-Kontrolle im laufenden Produktionsprozess möglich ist. Zudem eröffnen sie die Chance, situativ angepasst in Echtzeit zu reagieren, indem sie beispielsweise die Prozessführung autonom anpassen, Alarmmeldungen geben oder Korrektursignale an Steuerungssysteme senden.«

In der kollaborativen Industrierobotik stehen teilweise andere Aspekte im Vordergrund – hier geht der Trend laut Markus Glück zu einer Beschleunigung der Bearbeitungs- und einer Verringerung der Rüstzeiten sowie zu einer verbesserten Usability.