Smart-Meter-Gateway-Rollout startet Das Zentrum der Gebäudeautomatisierung

Alle haben auf das BSI geschimpft. Jetzt dreht sich der Wind.

Warum wollte Weptech überhaupt auf diesem Markt Fuß fassen?

Maurer: Weil wir auf Metering und OMS spezialisiert sind und selbstverständlich auch, um am schnell wachsenden Markt für SMGWs in Deutschland zu partizipieren. Das Sicherheitsthema erachten wir aber darüber hinaus für den ganzen IoT-Markt als höchst relevant. Besonders im industriellen Umfeld, in dem wir uns hauptsächlich tummeln. Wir haben sehr viel im gesamten Sicherheitsumfeld gelernt und unser Sicherheitsdenken beschränkt sich nicht nur auf SMGWs. Das ist für unsre Fertigung und unsere Position im internationalen Wettbewerb sehr wichtig.

War es für die Hersteller nicht eher enttäuschend, wie sich das Rollout-Szenario im Bereich der grundzuständigen Messstellenbetreiber entwickelt hat? Denn gegenüber den ursprünglichen Plänen deckt der Rollout jetzt nur einen kleinen Teil des Marktes ab.

Schönberg: Es musste ein Kompromiss gefunden werden, weil sich der Rollout mit hundertprozentiger Abdeckung politisch nicht hat durchsetzen lassen. Der Pflichteinbau betrifft nun Energiewendetechnologien wie EEG-Anlagen, Speicher, E-Mobilität und große Verbraucher, etwa ein Viertel der Zählpunkte müssen verpflichtend mit SMGWs ausgestattet werden. Viele MSB überlegen schon, ob ein Voll-Rollout nicht strategisch notwendig ist, um die Chancen der Digitalisierung offensiver zu nutzen und im Wettbewerb bei Mehrwertdiensten bestehen zu können. Außerdem kommt eine starke Nachfrage „von unten“, und zwar von der Wohnungswirtschaft. SMGWs eignen sich nämlich vor allem für die Bündelung von Submetering und Strom-Metering in Gebäuden und Quartieren. Das Liegenschaftsmodell im Digitalisierungsgesetz sieht die Bündelung ja explizit vor. Der Markt wird also gleichzeitig von oben durch die Pflichteinbaufälle und von unten angegangen. Ich bin recht optimistisch für die nächsten Jahre, denn die Chancen stehen gut, dass auch der Markt in der Mitte mit den für Dienste attraktiven Kunden zügig erschlossen wird.

Das gilt für den deutschen Markt. Werden sie sich, wie die Befürworter der SMGWs immer prognostizierten, darüber hinaus zum Exportschlager entwickeln?

Schönberg: Wir sehen für die SMGWs viele Einsatzmöglichkeiten auch im Ausland, überall wo sichere Systeme für das Messen, Steuern und Mehrwertdienste erforderlich sind. Die Energieeffizienz-Richtlinien der EU, die bis 2020 von den nationalen Parlamenten umgesetzt werden müssen, erfordern regelmäßiges Auslesen über das Jahr. Das klassische Metering mit einmaligem Ablesen pro Jahr passt nicht dazu. Da eignet sich der Einsatz von SMGWs für Smart Metering sehr gut, die für den Export ja nicht zertifiziert sein müssen.

Maurer: Die Fernablese von Zählern ist auch im Ausland zunehmend ein Thema und die Sicherheit der Systeme ist eine globale Anforderung.

Wolfgang Esch, Leiter Marketing und Vertrieb bei Weptech: Das OMS-Protokoll spielt dabei ebenfalls eine wesentliche Rolle, denn im Submetering wollen die Anwender standardisierte Protokolle verwenden. Dass das Thema OMS in diesem Zusammenhang immer interessanter wird, sehen wir schon daran, dass mehr und mehr Unternehmen Mitglied in der OMS-Group werden wollen.

Schönberg: Auch hier zeigt sich wieder, wie wichtig es ist, dass Firmen wie Weptech und PPC die Rolle der Pioniere übernehmen. Wenn Deutschland beweist, dass hierzulande die kritischen Infrastrukturen mithilfe der SMGWs sicher gemacht werden können und dass dies in der Realität funktioniert, dann wird das stark nach Europa und darüber hinaus ausstrahlen. Wir stärken damit auch den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Die vielen Jahre des Wartens waren also gut angelegt?

Schönberg: Alle haben auf das BSI geschimpft. Jetzt dreht sich der Wind. Manch einer im Ausland wäre froh, im IoT-Sektor über dieses oder ein vergleichbares Security-Level zu verfügen – erst recht, wenn es um kritische Infrastrukturen geht. Mit dem EU Cyber Security Act stellt auch die EU die Weichen für mehr Sicherheit und „Security by Design“. Maurer: Wir sind stolz darauf, in der Produktion Common Criteria Level 4+ erfüllen zu können. Darauf haben wir uns zusammen mit PPC konzentriert, wir haben gezeigt, dass es funktioniert, und können die zertifizierten SMGWs jetzt schnell produzieren.