Kommentar Auf die Krise folgt die Beschleunigung

Andreas Knoll, Markt&Technik
Andreas Knoll, Markt&Technik

Die Coronavirus-Krise wird viele Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft beschleunigen. Welche Trends zeichnen sich schon jetzt ab?

Obwohl das weltumspannende Coronavirus-Drama das Wirtschaftsleben noch für längere Zeit stark beeinträchtigen wird, ist eines schon jetzt absehbar: Die digitale Transformation, also der Trend zu Industrie 4.0 und IIoT, wird sich auch danach fortsetzen und sogar beschleunigen. Die technischen Entwicklungen laufen unweigerlich darauf hinaus – mittlerweile sind alle Zutaten verfügbar oder zumindest in Arbeit, um komplette Industrie-4.0-Systeme aufzubauen: von autonom fahrenden Transportrobotern, die einen kollaborativen Leichtbauroboter im Huckepack von Anwendung zu Anwendung chauffieren, über Cloud- und Edge-Lösungen für die Analyse der erfassten Daten und die angemessene Reaktion darauf bis hin zu KI- und Machine-Learning-Algorithmen für Anomalie-Erkennung und Predictive Maintenance.

Auch für die Datenkommunikation vom Sensor bis zur Cloud wird jedes Industrieunternehmen schon bald den für seine Anwendungen optimalen Mix zusammenstellen können: aus drahtgebundener Datenübertragung via TSN, OPC-UA-over-TSN und Single-Pair-Ethernet ebenso wie aus drahtloser per 5G, TSN-over-5G, LPWAN und WLAN. Überhaupt 5G: Dank hoher Bandbreite und kurzer Latenzzeiten dürfte die neue Mobilfunktechnik in den kommenden Jahren auch in der Industrie ihren Durchbruch erleben. Die Möglichkeit, private Campusnetze aufzubauen, wird das Übrige tun.

Die Coronavirus-Pandemie dürfte vielen – teilweise seit längerem erkennbaren - Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft einen Schub verleihen. Wie kräftig er ausfällt, wird davon abhängen, inwieweit Menschen und Unternehmen nach der Krise zu ihren vorherigen Verhaltensweisen zurückkehren, bei den im Krisenmodus eingeübten bleiben oder neue Wege einschlagen. Zu erwarten ist beispielsweise ein Trend zu weniger komplexen, regionaleren Lieferketten mit mehr „Second Sources“, was auch dem Klima zugute käme. Zu befürchten ist allerdings, dass sich durch Handelsstreitigkeiten und politisches Kräftemessen die Blockbildung in der Weltwirtschaft verstärkt. Generell werden wir die öffentliche Daseinsvorsorge wohl künftig wieder mehr zu schätzen lernen – ein Bewusstsein, das durch die Marktgläubigkeit der vergangenen Jahrzehnte weitgehend abhanden gekommen ist.

Beschleunigen wird sich der Trend zur Digitalisierung nicht nur der Produktion, sondern auch der Büroarbeit, des Kundenkontakts und des Privatlebens. Video-, Chat- und Telefonkonferenzen werden so manches persönliche Meeting, diverse Präsenz-Veranstaltungen und sogar immer mehr Geschäftsreisen ersetzen, und die Skepsis gegenüber digitalisiertem Arbeiten im Homeoffice wird bei vielen Unternehmen einer pragmatischeren Haltung weichen. Im Privatleben könnten Lieferdienste für Lebensmittel, die bisher eher ein Nischenphänomen waren, zu einem Massenphänomen werden, was jedoch eine weitere Verödung von Ortszentren und einen weiteren Rückzug von Präsenz-Infrastruktur vor allem aus dem ländlichen Raum zur Folge hätte. Ältere und nicht Online-affine Personen dürften dann zunehmend Probleme bekommen, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, vom Verlust lokaler Arbeitsplätze ganz zu schweigen.

Wer sich umfassend zum Thema IIoT informieren will, dem bietet die Konferenz »Internet of Things – vom Sensor bis zur Cloud« der WEKA Fachmedien reichlich Gelegenheit dazu. Sie deckt alle wichtigen Themen ab – von Schnittstellen über Datenanalyse, Datensicherheit und IoT-Plattformen bis hin zu Praxisanwendungen und zum IIoT-Retrofit bestehender Maschinen und Anlagen. Die Konferenz findet voraussichtlich am 20. und 21. Oktober 2020 im Mövenpick Hotel Stuttgart Airport statt. Weitere Informationen sind unter www.iot-konferenz.de zu finden.