Basler will Embedded Vision vorantreiben Auch Vision wird Embedded

Das Embedded-Vision-Portfolio der Basler AG

Der Industriekamera-Hersteller Basler AG engagiert sich seit einiger Zeit verstärkt in Sachen Embedded Vision – nicht von ungefähr, denn Bildverarbeitung lässt sich mittlerweile kostengünstig und ohne größere Probleme auf Basis von Embedded-Systemen umsetzen.

Sebastian von Holdt, Product Manager New Business Development bei Basler, erläutert, was Embedded Vision ist und kann, und skizziert, wie sich sein Unternehmen als Kameraspezialist auf den Embedded-Vision-Trend einstellt.

Markt&Technik: Wie definieren Sie den Begriff „Embedded Vision“?

Sebastian von Holdt: Embedded Vision bedeutet, dass Bildverarbeitung auf Basis eines Embedded-Systems stattfindet. Das heißt, eine Kamera oder ein Kameramodul ist an einen Single-Board-Computer oder ein kleines Processing-Board angeschlossen und stellt damit ein kompaktes, aber dennoch leistungsfähiges Vision-System dar. Neben der technischen Definition gibt es aber auch eine applikative. Dadurch, dass Vision-Systeme in ein Produkt oder Gerät eingebettet werden, ergeben sich neue Möglichkeiten und neue Anwendungsfelder.

Was kann Embedded Vision heutzutage und in absehbarer Zukunft leisten?

Embedded-Vision-Systeme werden sicher nicht die High-End-Vision-Systeme ablösen. Aber für viele Anwendungen wie Monitoring oder Detektion sowie für etliche Inspektionsaufgaben können sie eine gute Alternative darstellen. Weil sie kostengünstiger und kompakter sind, können sie Bildverarbeitung für Anwendungen und Systeme rentabel machen, bei denen dies vorher nicht der Fall war. Dadurch lassen sich neue Anwendungen und damit auch Märkte erschließen.

Welchen Bezug hat Embedded Vision zu und welche Bedeutung für Industrie 4.0 und IoT?

Einen sehr großen Bezug, denn Industrie 4.0 bedeutet ja, dass eine intensivere Datenerhebung und -kommunikation für eine effektivere Produktion stattfindet. Hier können Vision-Systeme die entsprechenden Daten liefern, egal ob aus (Vor-)Inspektion, Kontrolle, Schadenfeststellung oder anderen Inspektionsaufgaben. Besonders Embedded-Vision-Systeme bieten sich als eingebettete, spezielle Sensoren für die visuelle Datenerhebung an, weil sie technisch optimiert für die jeweilige Anwendung aufgebaut sind und damit auch kostenoptimiert eingesetzt werden können.

Embedded Vision verursacht geringere Systemkosten, erfordert aber größeren Integrationsaufwand als Standard-Industrie-PCs. Wie lässt sich das Dilemma bzw. der Widerspruch zwischen geringeren Systemkosten und größerem Integrationsaufwand auflösen?

Zunächst muss man festhalten, dass auch Embedded-Vision-Systeme relativ einfach aufzubauen sind, etwa auf Basis eines Single-Board-Computers mit einer Kamera, die per USB3 angeschlossen ist – dies erfordert nicht viel mehr Integrationsaufwand als ein klassisches Vision-System. Man muss den Integrationsaufwand also gegenüber der Anwendung (und der Stückzahl) abwägen.

Dennoch gibt es, gerade bei Systemen auf LVDS- oder MIPI-CSI-2-Basis, technische Hürden. Hier können viele kleine Hilfen seitens der Hersteller die Integration vereinfachen. Dies fängt bei einer guten Dokumentation an und umfasst beispielsweise Treiber, Demoanwendungen, Entwicklungs-Kits oder Ähnliches. Dem Entwickler-Team kann das eine Menge Arbeit abnehmen. Langfristig ist eine Standardisierung bezüglich Schnittstellen und Treibern anzustreben.

Bieten sich Embedded-Vision-Systeme wegen des größeren Integrationsaufwands eher für High-Volume-Anwendungen an?

Wenn man nur die Kosten im Blick hat: ja. Man muss aber auch andere Faktoren berücksichtigen wie Baugröße oder Energieverbrauch, das sind für viele Anwendungen weit wichtigere Punkte. Auch die direkte Prozessoranbindung kann entscheidend sein, weil nur so die optimale Systemleistung erreichbar ist. Dadurch sind Embedded-Vision-Systeme auch für Anwendungen mit kleineren bis mittleren Stückzahlen interessant.

Inwieweit ist fehlendes Know-how (noch) ein Hindernis für die Nutzung von Embedded-Vision-Technik?

Fehlendes Wissen verzögert die Nutzung von Embedded-Vision-Systemen sicherlich ein wenig. Aber mittelfristig muss jeder Hersteller schauen, technisch und kostenseitig nicht auf der Strecke zu bleiben. Das heißt, dass Embedded-Vision-Systeme sich für die Applikationen, in denen sie deutliche Vorteile bieten, auch durchsetzen werden.