WiMAX: Damoklesschwert Spektrum-Regulierung?

Die WiMAX-Technologie hat noch viel Potenzial - wären da nicht die Frequenz-Auktionen und die Regulierer.

Fachleute prophezeiten der WiMAX-Funktechnologie schwere Zeiten in Europa, vor allem wegen der relativ guten 3G/UMTS-Abdeckung sowie der DSL-Versorgung. Vor allem die 3G-/UMTS- und HSPA-Anbieter-Gilde war es, die in den vergangenen zwölf Monaten der WiMAX-Technologie den Untergang in Europa vorhersagte - natürlich aus Eigennutz, denn ein Alternativ-Mobilfunk zu 3G und dessen Weiterentwicklung in Richtung LTE (Long Term Evolution) hätte natürlich die wirtschaftlichen Potenziale der 3G-Stammhalter beeinträchtigt.

Doch vor allem die erheblich größeren Funkzellen von WiMAX, die Nutzung der Modulationsart OFDM, der Mehrwege-Funk MIMO (Multiple Input, Multiple Output) und die Beamforming-/Adaptive-Antenna-Technologien machen WiMAX in der Standard-Version 802.16e (Mobile WiMAX) sehr attraktiv, vor allem in den ländlichen Gebieten Europas. DSL und UMTS reichen hier meist nicht hinaus.

Große Halbleiter-, Dienste- und Netzanbieter sehen mittlerweile auch die Chancen durch WiMAX und entwickeln entsprechende Hard- und Software. Auch ist 802.16e als Plattform in den Mobilfunk-Anforderungskatalog IMT 2000 (International Mobile Telecommunications-2000) aufgenommen worden. Einzig die Spektrum-Auktionen könnten zu einem Problem werden, die für das 2,5 - 2,7-GHz-Frequenzband geplant sind und die ab nächstem Jahr in Europa stattfinden sollen: Werden sich genügend Anbieterfirmen bereit finden, in WiMAX-Frequenzen Millionen zu investieren? Zwar haben Schwergewichte wie Vodafone bereits WiMAX-Netze aufgebaut (zum Beispiel Malta), doch ist hier der Zeitrahmen begrenzt und das Engagement damit nicht dauerhaft gesichert.

Das 3,5-GHz-Band ist für WiMAX ebenfalls gefragt und interessant - auch hier ist die Frequenzvergabe noch nicht endgültig geregelt. Es bleibt also abzuwarten, wie engagiert sich die WiMAX-Promoter (mit dabei ist auch Intel als größter Halbleiterhersteller der Welt) daran machen werden, Netzbetreiber und Dienste-Anbieter zu finden, die durchaus Geld in die Hand nehmen wollen, um in Europa WiMAX-Frequenzbereiche zu sichern. Sollte das der Fall sein, wird WiMAX seinen Anwendungsbereich definitiv im Mobilfunk gefunden haben und mit der 3G-, HSPA- und LTE-Gilde sicher in Koexistenz bestehen können.