Vorhersage bei neurologischer Erkrankung Wearables warnen vor epileptischen Anfällen

Sensoren in einer Smartwatch oder einem Armband könnten biologische Merkmale wie Körperbeschleunigung, Herzfrequenz und Hautleitfähigkeit erfassen.
Sensoren in einer Smartwatch oder einem Armband könnten biologische Merkmale wie Körperbeschleunigung, Herzfrequenz und Hautleitfähigkeit erfassen.

Sind Smartwatches und Co. nur Gadgets für ambitionierte Freizeitsportler oder bieten sie auch Nutzen für andere Zielgruppen? Gerade bei chronischen Erkrankungen besteht sicherlich Anwendungspotenzial, zum Beispiel könnten Wearables als Vorhersagesysteme für neurologisch Erkrankte dienen.

Das Universitätsklinikum Freiburg beteiligt sich an der Entwicklung mobiler Geräte zur Vorhersage epileptischer Anfälle. Hierzu sollen selbstlernende Systeme konzipiert werden, die Körpereigenschaften auf typische Veränderungen untersuchen. Durch die Integration in Smartphones und/oder Wearables könnte das Warnsystem einer großen Anzahl von Menschen zugänglich gemacht werden.
Mittels Sensoren soll das von den Freiburger Wissenschaftlern entwickelte System biologische Parameter wir Körperbeschleunigung, Herzfrequenz und Hautleitfähigkeit messen, denn diese verändern sich bei epileptischen Anfällen auf charakteristische Weise. Dies könnte über eine Smartwatch oder ein Armband passieren, die die Hautfeuchtigkeit und Armbewegung erfassen. Selbstlernende Programme sollen eine Anpassung an den jeweiligen Patienten ermöglichen.
Für solche Vorhersagesysteme gibt es einige mögliche Anwendungsszenarien. Zum Beispiel könnte ein solches System die Lebensqualität von Epilepsiepatienten verbessern, denn durch die rechtzeitige Warnung vor einem Anfall wäre der Patient in der Lage, ein schnell wirkendes Medikament zu nehmen oder sich in eine sichere Umgebung zu begeben. Möglich wäre auch die Informierung eines Arztes oder einer Bezugsperson bei einem Anfall. Und auch die präzise, automatische Dokumentation der epileptischen Anfälle eines Patienten wäre eine Verbesserung im Vergleich zu den bisher selbst geführten Anfallstagebüchern.
Die Abteilung Prächirurgische Epilepsiediagnostik der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Freiburg führt das fünfjährige Projekt in Zusammenarbeit mit dem King’s College London durch. Zunächst wird das Projekt gemeinsam mit 120 stationär behandelten Patienten vorangetrieben, später ist die Ausweitung auf ambulante Patienten geplant.
Das Projekt wird im Rahmen des Forschungsprogramms RADAR-CNS (Remote assessment of disease and relapse - Central Nervous System) mit 800.000 Euro gefördert. Eine Übertragbarkeit des Vorhersagesystems auf andere neurologische Erkrankungen wie Depressionen oder Multiple Sklerose ist geplant. Die IMI (Innovative Medicines Initiative), ein Verbund zwischen Europäischer Union und dem Europäischen Dachverband der Pharmazeutischen Industrie stellt insgesamt 12 Mio. Euro für RADAR-CNS zur Verfügung.