Rundfunkfrequenzen fürs Internet

Endlich beginnt die »Digitale Dividende« Früchte zu tragen: In Mecklenburg-Vorpommern beginnt ein Feldversuch, um über freigewordene UHF-Frequenzen in ländlichen Gebieten das Breitband-Internet drahtlos bereit zu stellen.

Die lückenlose Breitbandversorgung in Deutschland ist ein vieldiskutiertes Thema, dessen sich sogar die Bundeskanzlerin mittlerweile angenommen hat. Fakt ist, dass rund 3 Mio. Haushalte, insbesondere in ländlichen Gebieten, nach Angaben des Deutschen Städte- und Gemeinde-Bundes derzeit keinen ausreichend schnellen Zugang zur Datenautobahn haben – weder über Draht-DSL noch über Mobilfunk, weil die dafür nötigen Aufbau- und Betriebskosten in diesen Regionen aktuell erzielbare Erlöse übersteigen.

Hinter dieser Zahl von 3 Mio. Haushalten verbergen sich 5 Mio. Bundesbürger, 800 Städte bzw. 2000 Ortschaften. Die E-Plus-Gruppe geht diese Problematik nun zusammen mit dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes Mecklenburg-Vorpommern, der dortigen Landesrundfunkzentrale sowie dem Telekommunikations-Ausrüster und -Dienstleister Ericsson an: Ende 2008 unterzeichneten die Partner eine Projektvereinbarung für einen Praxistest.

Dieser Test am Sendestandort Grabowhöfe nordwestlich von Waren (Müritz / Mecklenburgische Seenplatte) soll ab sofort aufzeigen, inwieweit die ländlichen Gebiete der Republik durch die Nutzung von Frequenzen aus der sogenannten »Digitalen Dividende« profitieren und die »Datenautobahn« besser nutzen können als bloß mit ISDN- oder Modem-Geschwindigkeiten.

Die Digitale Dividende bezeichnet die Frequenzen, die im Zuge der Digitalisierung des Rundfunks frei werden. Aus Wirtschaft und Politik auf Bundesebene und innerhalb der EU kamen seit längerem schon Forderungen auf, Teile dieser frei gewordenen Frequenzbereiche für den mobilen Internetzugang nutzen zu können. Die Telekommunikationsanbieter verfolgen damit das Ziel, im UHF-Bereich ein leistungsstarkes, weitreichendes und gleichzeitig günstig zu betreibendes mobiles Breitbandnetz aufzubauen, das die »weißen Flecken« auf der multimedialen Landkarte auf absehbare Zeit verschwinden ließe.

Gleichzeitig bekämen so Millionen Bundesbürger endlich Zugang zu schnellen digitalen Kommunikationswegen. Die zur Diskussion stehenden Frequenzen im niedrigen Frequenzspektrum zwischen 790 und 862 MHz bieten im Vergleich mit den heute für UMTS genutzten höheren Frequenzen aufgrund der physikalischen Gegebenheiten eine deutlich höhere Reichweite und könnten deshalb günstig und mit weniger Antennenstandorten auch ländliche Gebiete abdecken.

Mobile Breitbandtechnologie bis Ende 2009 testen

50 Haushalte und Betriebe, die Anfang 2009 von den Kommunen und Projektbeteiligten repräsentativ ausgewählt wurden, können in einem Umkreis von rund 20 km zu der Sendestation in Grabowhöfe die mobile Breitbandtechnologie bis Ende 2009 testen. Auf den zur Verfügung stehenden Frequenzen kommt die HSDPA-Mobilfunktechnologie mit einer Übertragungsrate von bis zu 7,2 Mbit/s zum Einsatz. Die Tester bekommen die Endgeräte sowie SIM-Karten kostenlos gestellt. Auch die Kosten der Datenübertragung im E-Plus-Netz werden in der Testphase von den Projektbeteiligten getragen.

»Der Test in Mecklenburg-Vorpommern wird zeigen, dass die »Digitale Dividende« den Verbrauchern eine einmalige Chance eröffnet«, so Thorsten Dirks, CEO der E-Plus Gruppe: »Wir haben damit die Möglichkeit, auch in den ländlichen Gebieten einen effizienten Netzausbau voranzutreiben und den Bürgern eine leistungsstarke, mobile Breitbandversorgung zu bieten.«

Und noch etwas kann der Test in Mecklenburg-Vorpommern leisten: die Diskussion über die Digitale Dividende zu versachlichen und so einen Beitrag zur politischen Meinungsfindung zu leisten. So könnten die intensiv geführten Diskussionen zwischen Mobilfunkern und Rundfunkanstalten einen neuen, fundierten Impuls bekommen. Letztlich, so E-Plus CEO Thorsten Dirks, profitierten auch die Programmveranstalter von einer gemeinsamen Verwendung der Digitalen Dividende unter Einbeziehung der Mobilfunker: »So können beispielsweise die immer wichtiger werdenden Internetangebote der Sender endlich auch in strukturschwachen Regionen angeboten werden. Dadurch kommen sie mit Kunden in Kontakt, die sie über ihre klassischen Verbreitungswege mit diesen Angeboten bislang nicht erreichen.«

Flächendeckende Versorgung wichtiger Standortfaktor

Diese Tests sind nicht zuletzt deshalb ein interessanter Feldversuch, da Internet im ländlichen Raum für das Flächenland Mecklenburg-Vorpommern von besonderer Bedeutung ist. Eine flächendeckende Breitbandversorgung in diesem Bundesland wäre ein wichtiger Standortfaktor, für Unternehmen und Bürger zugleich.

Ein weiterer technisch interessanter Punkt: Das Test-Gebiet ist aufgrund der geologischen Gegebenheiten sehr flach, bietet also bezüglich Reichweite erheblich bessere Voraussetzungen als hügelige Areale.