Schwerpunkte

Huaweis OpenLab-Strategie

Offene Kooperation statt Abschottung

25. September 2020, 06:43 Uhr   |  Heinz Arnold


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

"Gestärkt aus der Situation hervorgehen..."

»Ich bin deshalb überzeugt, dass wir gemeinsam mit unseren Partnern weltweit diese Zeit nicht nur unbeschadet überstehen, sondern gestärkt daraus hervorgehen werden«, so Wang.

Bisher jedenfalls wächst Huawei deutlich weiter: Im ersten Halbjahr 2020 hat der Umsatz gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 um 13 Prozent zugelegt. »Grundsätzlich entwickeln sich die Märkte, in die wir liefern, ausgesprochen gut, alle Zeichen stehen auf Wachstum.« Deshalb investiert Huawei auch weiter kräftig in R&D: Flossen 2019 rund 19 Mrd. Dollar in diesen Sektor, so sollen es in diesem Jahr 20 Mrd. Dollar werden.

Doch sitzt Huawei zunächst einmal auf dem Trocken – ohne mit den Chips versorgt zu werden, die für die Geräte so wesentlich sind. Angeblich hat sich Huawei in den verangenen Monaten große Lagerbestände angelegt, doch die werden irgendwann zur Neige gehen, und ohne neue IC-Generationen können auch die neuen Gerätegenerationen nicht gebaut werden. Für die Chips aus den USA und von TSMC dürften sich nicht so schnell alternative Quellen finden lassen. Was passiert also kurzfristig? David Wang schweigt und lächelt – und sieht nicht so aus, als ob er keine Ideen hätte.

Huawei_Dr. Cesim
© WEKA FACHMEDIEN

Dr. Cesim Demir, CTO Manufacturing & Automotive Industry, präsentiert die 5G/WiFi-6-Box im OpenLab von Huawei.

Offene Industrie-4.0-Entwicklungen

Wie das Gegenteil von Abschottung aussieht und wie sich Huawei eine offene Unternehmensstrategie vorstellt, zeigt der westeuopäische CTO für Manufacturing and Automotive Industry, Dr. Cesim Demir, am Beispiel des OpenLab in München. Hier hat Huawei eine Industrie-4.0-Fertigungslinie, ein privates 5G-SA-Netz sowie ein Rechenzentrum in einem Laborraum aufgebaut. Wie der Name anklingen lässt, steht das Lab Partnern und Interessenten offen, die dort rund um 5G, WiFi 6, Edge Computing, Datenzentrum, Cloud und IoT die jeweiligen Szenarien testen und ausprobieren können. Auf der Fertigungslinie können alle Schritte von der Zuführung der Komponenten aus dem Lager über die Produktion, die Software-Download-Szenarien und die Übergabe des fertigen Produkts an das Transportsystem (Automated Guided Vehicle) bis zur Auslieferung durchgespielt werden. Dazu stehen neben dem erforderlichen Edge Computing TSN, 5G und WiFi 6 zur Verfügung.

Deutschland-CTO Walter Haas legt neben 5G auch Wert auf WiFi 6: »Um eine Fertigung voll abdecken zu können, wird noch über viele Jahre sowohl 5G als auch WiFi erforderlich sein.« Stolz ist er darauf, dass es Huawei – »soweit ich weiß als einzigem Unternehmen« – gelungen sei, WiFi 6 und 5G in einer einzigen Box zu kombinieren.

Das Zusammenspiel beider Funktechniken nun ausprobieren zu können sei für die meisten Hersteller entscheidend, weil sich – anders als häufig zu hören – eine Produktion allein über 5G kaum zuverlässig steuern ließe. Es kommt also drauf an, dass gesamte Szenario abbilden zu können: »Wir müssen das zusammen mit den Automatisierern und den Systemintegratoren machen«, so Haas. »Wir sind intensiv dabei, zu verstehen, was auf dem Shopfloor genau passiert, welche Probleme entstehen und wie sie gelöst werden können, um die richtige Infrastruktur dafür bereit stellen zu können.« Hier gibt es selbstverständlich unzählige Detailfragen zu klären. »Es ist aber für uns vor allem wichtig, dass wir die vollständige Infrastruktur bereitstellen, sodass zusammen mit unseren Partnern ein Ecosystem entsteht«, so Haas. »Erst das ermöglicht den sinnvollen Einsatz von Techniken wie Cloud Computing, 5G, WiFi 6 und KI für den Aufbau von Industie-4.0-Systemen – offen für jeden zugänglich.«

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