Schwerpunkte

Interview, Prof. Stefan Rotter, TU Wien

»Diese Entwicklung hat noch viel Potential!«

11. Oktober 2016, 11:21 Uhr   |  Markus Haller


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Hat die TU Wien den perfekten störfesten Mikrowellenleiter entworfen?

In welchen praktischen Anwendungen bringt das kontrollierte Erzeugen von Ausnahmepunkten Vorteile? Liegt damit der perfekt störfeste Mikrowellenleiter vor?

Prof. Rotter: Tatsächlich ist es so, dass der von uns beschriebene Effekt von topologischer Natur ist. Konkret bedeutet dies, dass der Wellenleiter auch dann noch funktioniert, wenn ich ihn leicht verändere oder die Propagationsfrequenz meiner Mikrowellen verschiebe – das Funktionsprinzip ist somit breitbandig. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass eine Umrundung eines Ausnahmepunkts eben auch dann noch eine Umrundung bleibt, wenn die Schleife, die ich bei der Umrundung durchlaufe, etwas verändert wird.

Der konstruierte Wellenleiter ist für Mikrowellen geeignet – lassen sich die Erkenntnisse auch auf andere Wellenlängenbereiche übertragen?

Prof. Rotter: Das in der Arbeit vorgestellt Prinzip ist tatsächlich auf beliebige Wellen übertragbar – von der Akustik bis zu sichtbarem Licht oder auch auf Materiewellen in der Quantenmechanik. Insofern sind wir natürlich auch sehr an jedweden Nachfolgearbeiten sehr interessiert, die unsere Idee aufgreifen, um damit spannende Physik zu machen oder um konkrete Anwendungen zu realisieren.

Gibt es bereits Interessenten aus der Industrie für Ihre Forschungsergebnisse und eventuell konkrete Pläne für eine praktische Anwendung?

Prof. Rotter: Aus der Industrie hatten wir bisher noch keine Anfragen, wir wären jedoch sehr an praxisnahen Umsetzungen unseres Konzepts interessiert. Dafür bieten wir natürlich auch gerne unsere Unterstützung an.

Veröffentlichung:
[1] Jörg Doppler et al.: Dynamically encircling an exceptional point for asymmetric mode switching, Nature, 2016, doi: http://dx.doi.org/10.1038/nature18605

Stefan Rotter

ist Professor am Institut für Theoretische Physik der Technischen Universität Wien. Er studierte in Wien und in Lausanne; nach seiner Promotion arbeitete er als Postdoc an der Universität Yale (USA) sowie als Gastprofessor in Paris. Seit 2011 leitet er seine eigene Arbeitsgruppe, mit der er sich in erster Linie mit der Ausbreitung von Wellen in komplexen Medien beschäftigt.

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1. »Diese Entwicklung hat noch viel Potential!«
2. Hat die TU Wien den perfekten störfesten Mikrowellenleiter entworfen?
3. Hintergrund: Wellen mit komplexen Frequenzen

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