»Wir danken für Ihre hervorragende Arbeit…« - Arbeitszeugnis für Ingenieure

Bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses hat jeder Mitarbeiter Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Auch wenn man nicht davon ausgehen kann, dass in Arbeitszeugnissen der so genannte »Geheimcode« generell angewandt wird, gilt es doch, einige Punkte zu beachten.

von Prof. Dr. Arnulf Weuster

Bei begründeten Anlässen, etwa einer Änderung des Arbeitsgebietes, Versetzung, Beförderung oder Vorgesetztenwechsel, kann ein Zwischenzeugnis angefordert werden. Es besteht jedoch kein Anspruch darauf, dass in einem späteren Arbeitszeugnis exakt die gleichen Formulierungen verwendet werden. Sollte es jedoch deutlich negativer werden, muss der Aussteller dafür gewichtige Gründe anführen können.

Der Eingangssatz erlaubt eine erste Einschätzung

Im Eingangssatz des Endzeugnisses werden die Personalien des Ingenieurs, die Dauer der Unternehmenszugehörigkeit sowie seine Funktion(en) im Unternehmen aufgeführt.

Beispiel: »Herr Dipl.-Ing. Peter Sommer, geb. am 8.1.1957, war in unserem Unternehmen vom 1.4.1995 bis zum 31.12.2006 als Konstrukteur tätig.« Die angegebene Dauer des Arbeitsverhältnisses erlaubt eine erste Einschätzung des Informationswertes eines Zeugnisses: Je kürzer das Arbeitsverhältnis war, desto geringer sind die zeitliche Beurteilungsbasis des Ausstellers und die erworbene Berufserfahrung des beurteilten Ingenieurs. Eine Dauer unterhalb von ein bis zwei Jahren lässt bei qualifizierten Mitarbeitern meist auf eine Unzufriedenheit einer oder beider Seiten schließen.

Der Einganssatz sollte in einem guten Zeugnis aktiv (»war tätig«, »trat ein«) und nicht passiv (»wurde beschäftigt«, »wurde eingestellt«) formuliert werden. Wird nur die Existenz eines Arbeitsverhältnisses betont (»Das Arbeitsverhältnis dauerte von … bis«), so kann dies relativ lange Fehlzeiten andeuten.

Die Aufgabenbeschreibung muss aussagefähig sein

Die Beschreibung der Aufgaben muss so ausführlich sein, dass sich künftige Leser ein realistisches Bild von der betriebsbezogenen Berufserfahrung des Ingenieurs machen können. Eine bloße Bezeichnung der hierarchischen Einordnung (»Abteilungsleiter« oder »Junior-Produktmanager«), der Funktion (»Entwicklungsingenieur«, »Vertriebsingenieur«, »Konstrukteur« oder »Projektingenieur«), der Ausbildung (»Diplom-Wirtschaftsingenieur«) oder der Abteilung (»in der Produktion tätig«) genügen nicht, da sich in der Praxis hinter diesen Begriffen extrem unterschiedliche Tätigkeiten verbergen.

So kennzeichnet der Begriff »Projektleiter« nicht immer eine Führungskraft, sondern es kann sich im Rahmen des Stabs-Projektmanagements um eine Ein-Mann-Aufgabe mit lediglich sachlicher Leitungsfunktion handeln. Auch erfüllen Ingenieure in Führungsfunktionen oft technisch-administrative Mischfunktionen, was im Zeugnis näher beschrieben werden muss.