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Diskussion um digitale Bildung

Verbände fordern mehr Tempo

12. Februar 2019, 10:53 Uhr   |  Corinne Schindlbeck


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Qualifikation der Pädagogen ist großes Problem

Die größte Anstrengung in einer Lehrplanreform und der Einführung digitaler Medien in den Klassenräumen liegt den VDE-Experten zufolge bei der inhaltlichen, thematischen und didaktischen Qualifikation der Pädagogen. Der VDE führt dies auf deren fachliche Präferenz zurück und fordert daher die Einführung des Faches „Digitalisierung“ als Startpunkt digitaler Bildung in das Lehramtsstudium. Weiterhin müsse die bestehende Lehrerschaft entsprechend weitergebildet und zusätzliches IT-Personal zur Unterstützung eingestellt werden. »Andererseits muss jeweils kritisch hinterfragt werden, ob die Beschaffung digitaler Medien für den Unterricht tatsächlich mit einer Umstellung der Didaktik einhergeht oder ob sie nur eine hektische Reaktion auf Elternnachfragen ist«, erklärt Ansgar Hinz. Schlechter Unterricht werde durch den Einsatz von Computern schließlich nicht besser, guter Unterricht schon.

Visualisierung und audiovisuelle Medien im Schulunterricht können das Verstehen komplexer Zusammenhänge erleichtern. Hinzu kommt, dass digitalen Medien mittels Simulationen und Animationen teure technische Lernartefakte und Geräte ersetzen können. Lernsoftware kann teure Bausätze durch 3D-Modellsimulationen ersetzen, komplexe Abläufe wie auch gefährliche Experimente lassen sich eindrucksvoll virtuell erleben. Hinz ergänzt: »Deutschland ist führend bei der Erstellung und Produktion digitaler Medien für die Aus- und Weiterbildung und exportiert weltweit seine Bildungsprodukte. Umso mehr verwundert es, dass dieser Standortvorteil nicht frühzeitig in die schulische Praxis umgemünzt wurde und der Einsatz bis heute defizitär ist.« Allen Vorbehalten zum Trotz sei die flächendeckende Verbreitung digitaler Geräte unter den Schülerinnen und Schülern Realität. Die Digitalisierung habe das Bildungssystem längst überholt.

Auch der VDMA mahnt Verbesserungen an. Auch die Hochschulen stünden vor einem gewaltigem Change-Prozess, Industrie 4.0 stelle neue Anforderungen an die Ausbildung von Ingenieurinnen und Ingenieuren an den Hochschulen. »Wir brauchen neue Qualifikations- und Kompetenzprofile in der Ingenieurausbildung; die Hochschulen müssen mit dem technischen Fortschritt gehen und ihre Curricula rasch anpassen,« sagt Dr. Manfred Wittenstein, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Wittenstein SE und im Vorsitz des Kuratoriums der IMPULS-Stiftung des VDMA, in deren Auftrag die Studie „Ingenieurinnen und Ingenieure für Industrie 4.0“ vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e. V. (ISF München) erstellt wurde.

Mit der Studie liegt laut VDMA nun erstmals ein „Soll-Profil Ingenieurinnen und Ingenieure 4.0“ vor, das auf den Anforderungen der Maschinenbau-Industrie basiert. »Der digitale Wandel ist kein Selbstläufer, sondern setzt einen gewaltigen Change-Prozess in den Hochschulen voraus«, unterstreicht Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer. Die Studie zeige, dass die Hochschulen bei der Ingenieurausbildung für Industrie 4.0 zwar bereits »erste zielführende Ansätze« entwickelt haben, vielfach aber noch am Anfang einer notwendigen Entwicklung stünden.

Insbesondere die Integration neuer fachlicher Inhalte stellt eine große Herausforderung dar: So gibt es kaum strukturierte Entscheidungsprozesse zum Einbezug neuer und zur Streichung alter Inhalte. Zudem erweist sich durch administrative Hürden die fakultäts- und fachbereichsübergreifende Studienorganisation als schwierig.

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