Personalmanagement Über 1.400 Bewerbungen auf 20 Ausbildungsplätze

Lapp Gruppe erweitert Angebot für Kabelkonfektionierung
Begehrter Arbeitgeber: Das Unternehmen Lapp kümmert sich um seine Mitarbeiter und die danken es mit Engagement und einer geringen Fluktuation.

Sabine von Rechenberg verantwortet das Personalmanagement bei Lapp. Das Unternehmen ist für sein Engagement für die Mitarbeiter vielfach ausgezeichnet worden. Mit der Redaktion sprach von Rechenberg über Gemüse, Gespräche und das Glück des Personalers.

Markt&Technik: Über 1.400 Bewerbungen auf 20 Ausbildungsplätze und das in der Region Stuttgart – davon träumen viele Unternehmen. Warum ist Lapp als Arbeitgeber so beliebt?

Sabine von Rechenberg: Weil wir ein innovatives Familienunternehmen sind und unsere Mitarbeiter unterstützen.

Das behaupten ja viele Arbeitgeber von sich, aber die Realität ist dann oft eine andere...

Stimmt. Viele Personaler und Unternehmer schauen nicht über den Tellerrand hinaus und wollen sich vielleicht auch nicht verändern. Wir sprechen mit unseren Mitarbeitern, klären ihre Bedürfnisse und holen uns auch in Gesprächen mit anderen Unternehmen oder auf Veranstaltungen immer wieder neue Ideen in das Unternehmen.

Was sind denn die wichtigsten Themen bei Lapp?

Wir kümmern uns um die Qualifizierung, das Zusammenspiel von Beruf und Familie und um die Gesundheit unserer Mitarbeiter.

Gesundheitsmanagement klingt nach Sport für alle – doch nicht jeder will sporteln...

Wir wollen Lust auf Gesundheit machen und Hilfe zur Selbsthilfe leisten und niemanden entmündigen. En Beispiel wie sich Gesundheitsmanagement und Familienförderung verbinden lässt: Viele Mitarbeiter mit Kindern müssen nach der Arbeit noch schnell einkaufen. Das stresst viele. Wir haben darauf reagiert und ein regionaler Bauer verkauft jetzt regelmäßig einmal in der Woche  frisches Obst und Gemüse bei uns. So können unsere Mitarbeiter direkt auf dem Firmengelände regionale Produkte einkaufen. Das schont Nerven und die Umwelt, fördert die regionale Entwicklung und die Gesundheit

Demokratie im Unternehmen, Arbeit 4.0 und Co. – Personalmanagement ist momentan ein Hype-Thema und ein Ratgeber nach dem nächsten erscheint. Wie verändert sich Ihr Beruf?

Wir sind eine Vertrauensabteilung, keine Verwaltung. Wir denken mittlerweile in Lebensphasen und nutzen die Digitalisierung, um administrative Prozesse zu verschlanken um Zeit für unsere strategische Themen zu gewinnen.

In Lebensphasen denken klingt schön – was steckt dahinter?

Wir denken in Lebensphasen unserer Mitarbeiter und machen Angebote, die die Mitarbeiter unterstützen, damit sie ihre Leistung im Unternehmen bestmöglich erbringen können. Jüngere Mitarbeiter wollen nach der Ausbildung gerne gleich den Bachelor oder Master machen, den wir finanziell unterstützen. Mitarbeiter in der Familienphase brauchen Unterstützung, damit aus der Doppelbelastung ein doppeltes Glück wird und nutzen unsere Kita-Plätze, den Kostenzuschuss für die Kinderbetreuung und freuen sich über unser Kontakthalte- und Wiedereinstiegsprogramm sowie unsere Teilzeitmöglichkeiten. Wir bieten eine Pflegewerkstatt und Coaching für Mitarbeiter mit pflegebedürftigen Angehörigen. Als Erstansprechpartner für unsere Mitarbeiter zum Thema Pflege haben wir zwischenzeitlich auch Pflegelotsen ausgebildet. Der qualifizierte Pflegelotse kann betroffene Kollegen nach der Schulung kompetent und effektiv unterstützen. Dabei führt er keine Pflegeberatung durch. Seine Aufgabe ist es, Kollegen mit Pflegeverantwortung Orientierung in dieser schwierigen Lebenslage zu geben und an zuständige Ansprechpartner inner- und außerhalb des Betriebes zu vermitteln. So schaffen wir es, dieses schwierige Thema zu enttabuisieren. Das ist wichtig, da wir uns auf eine wachsende Zahl pflegender Mitarbeiter einstellen müssen, die vor der Aufgabe stehen, ihre Berufstätigkeit mit der Pflege Angehöriger zu arrangieren.

Das kostet Geld...

Nicht alle Maßnahmen, die wir anstoßen, kosten Geld. Die Idee mit dem Obst- und Gemüseverkauf auf dem Firmengelände zum Beispiel verursacht keine Kosten für das Unternehmen. Aber auch wir müssen uns Kennzahlen stellen. Unsere hohe Gesundheitsrate und unsere niedrige Fluktuation von weniger als drei Prozent sprechen für sich.

Okay, Sie haben tolle Zahlen, aber die Lebensphasen-Philosophie funktioniert nur mit guten Führungskräften...

Ja, unsere Philosophie steht und fällt mit unseren Führungskräften. Sie müssen wissen, dass diese Themen wichtig für unsere Zukunftsfähigkeit sind und sie müssen wissen, welche Angebote wir machen. Unsere Führungskräfte müssen aber nicht nur wissen, dass für ihre Mitarbeiter „ Familie sein darf“, sie sollen natürlich auch selber unsere Angebote und Möglichkeiten nutzen. Hierfür sensibilisieren wir auch in entsprechenden Führungskräftetrainings.

Lapp tut viel für die Mitarbeiter, die sind zufrieden. Ist ihr Job damit erledigt?

Nein, unsere Gesellschaft, die technischen Möglichkeiten und die sich hieraus ergebenden Anforderungen entwickeln sich in einem exponentiellen Tempo weiter. Da können wir uns nicht zurücklehnen. Flexibilität und Agilität sind heute schon wichtig, die Bedeutung steigt aber schnell noch weiter. Wir sind stolz mit dieser Entwicklung gut Schritt halten zu können.