Stellenanzeigen: Bonjour Tristesse

Auf Jobbörsen und Stellenmärkten geben wachsweiche Formulierungen den Grauton an. Ehrliche, aber diskriminierende Anforderungen sind von Gesetzes wegen untersagt, klare Aufgabenbeschreibungen sollen der Konkurrenz keinen Hinweis geben. Die Deutungshoheit der Wunschzettel liegt folglich beim Leser. Und die Werbefunktion der Anzeige geht gegen Null.

Eine Stelle neu zu besetzen kostet mitunter Zeit und Nerven, immer aber eine Menge Geld. Für einen Mittelständler mit jährlich 20 Stellenausschreibungen und rund 200 eingehenden Blindbewerbungen fallen Personal- und Sachkosten von knapp einer viertel Million Euro per annum an. Macht je Stelle im Durchschnitt 12.500 Euro - und darin sind die Kosten für die Inserate noch nicht einmal enthalten. Dafür erhofft er sich eine/n flexible/n, engagierte/n, belastbare/n, dynamische/n, überregional mobile/n und unternehmerisch denkende/n Mitarbeiter/in, zuverlässig, kommunikationsfreudig und mit einem gehörigen Maß an Durchsetzungsvermögen versehen.

Und dann reibt er sich verwundert die Augen, wenn der Personalchef ganz nebenbei fallen lässt, wer sich alles auf die Ingenieurs- oder Technikerstelle beworben habe. Erwerbslose Bühnenarbeiter mit (alles O-Töne) »großer Affinität zur Technik«. Maschinenbauschlosser, die »es noch einmal ganz woanders versuchen« wollen. Betriebswirte, denen der vorangegangene Chef geraten habe, »es doch lieber mal mit der Technik zu versuchen«, weil die Zahlen nicht so sein Ding wären. Und Elektroingenieure, die ihre Flexibilität daran festmachen, dass sie »selbstverständlich auch am Wochenende und in den späten Abendstunden zum Vorstellungsgespräch antreten« würden.