Schlechte Zeiten für jobsuchende Manager

Wer als Jungingenieur einen »krisensicheren Job« sucht, sollte keine Karriere als Manager anstreben, sondern lieber die Fachlaufbahn wählen, empfehlen Personaler. Zudem sollte man trotz »Fachkräftemangel« den Bogen im Bewerbungsgespräch besser nicht überspannen.

Erst kürzlich hat der VDE neueste Zahlen veröffentlicht: Young Professionals haben derzeit die Wahl unter 7000 Stellenangeboten allein im Internet. Sie müssen im Schnitt weniger als zehn Bewerbungen schreiben und gerade mal zwei Vorstellungsgespräche führen, um einen, so der VDE, »internationalen, kreativen und abwechslungsreichen Arbeitsplatz« zu ergattern. Also alles bestens, oder? Nicht für alle. Altbewerbern zum Beispiel fällt es zunehmend schwer, in neue Management-Positionen zu wechseln. »Hier gibt es klar ein Überangebot«, sagt Udo Wirth, Chef der Beratungsgruppe Wirth+Partner. Er kennt das Elektronikgeschäft seit über 20 Jahren und weiß: »Es gibt viele arbeitssuchende und wechselwillige Führungskräfte, aber nur wenige freie Stellen.« Das kann Kollege Michael Köhler von Schuh-Eder Executive Consulting bestätigen: »Der größte Hemmschuh sind die hohen Ansprüche der Manager, vor allem beim Gehalt.« Viele davon, etwa im Alter zwischen 45 und 55 Jahren, seien nicht in der Lage, zu reflektieren, ob man sein Gehalt überhaupt »wert« sei. »Dabei ist die Zeit der unrealistischen und überzogenen Gehaltsentwicklung für diese Zielgruppe vorbei«, pflichtet Udo Wirth bei.

Doch bislang scheint sich die Situation noch nicht bis zum Nachwuchs herumgesprochen zu haben. Sprechen die beiden Berater mit jungen Kandidaten über ihre Karriereziele, so wünscht sich der überwiegende Teil ein Plätzchen auf der Karriereleiter in Richtung Manager-Etage. Die Fachlaufbahn als Spezialist steht dagegen seltener auf dem Wunschzettel, dabei sind diese derzeit wirklich Mangelware.

Spezialisten mit fünf Jahren Berufserfahrung heiß umworben
»Die Situation hat in Deutschland eine besondere Ausprägung: Die so genannten ‘Jungingenieure’ und Spezialisten mit bis zu ca. fünf Jahren Berufserfahrung sind Mangelware und von den Unternehmen heiß umworben. Sie können aus vielen Jobangeboten wählen. Die Berufserfahrenen aus dem Mittel- und Top-Management hingegen haben es schwerer«, erklärt Personalberater Wirth die Lage am Arbeitsmarkt.

Dabei verdreht der »Fachkräftemangel« offenbar so manchem die Nase nach oben: Bewerber erscheinen schlecht vorbereitet zum Interview, fordern ungerechtfertigte Fabelgehälter oder vergessen nicht nur die Krawatte, sondern zuweilen auch ihr gutes Benehmen, klagt Wirth. Erwünscht, doch meist nur rudimentär vorhanden, ist ihr Blick über den fachlichen Tellerrand: »Es mangelt am Einschätzungsvermögen, worauf das Unternehmen bei der Besetzung einer bestimmten Position Wert legt. Auch am Gespür für wirtschaftliche Zusammenhänge und am Gespür für eine gute Selbstdarstellung fehlt es.« Kein Wunder: Im Gegensatz zu Kaufleuten haben Elektronik-Studenten kaum Berührung mit betriebswirtschaftlichen Abläufen. Das große Stellenangebot, aus dem sie scheinbar frei wählen können, verdrängt entscheidende Fragen hinsichtlich der Zukunft und der beruflichen Laufbahn. »Stattdessen freuen sie sich, wenn sie wenig Zeit in ihre Bewerbung investieren müssen«, moniert Wirth. Doch noch können sie sich das offensichtlich leisten. Corinne Schindlbeck