Weiterbildung Ostwestfalen schulen in Industrie 4.0

Lernen für die Industrie 4.0. Das Cluster It´s OWL bietet seit diesem Jahr einen neuen Kurs an.
Lernen für die Industrie 4.0. Das Cluster It´s OWL bietet seit diesem Jahr einen neuen Kurs an.

Mit der Digitalisierung der Fabriken verändern sich die Arbeitsplätze und Anforderungsprofile. Das Spitzencluster It´s OWL reagiert darauf. Eine neue Weiterbildung will berufserfahrene Fachkräfte für neuen Technologien und Methoden fit machen. Markt&Technik sprach mit einem Teilnehmer.

Michael Schürmann hat keine Angst vor der Digiatilsierung. Der Computer ist mittlerweile sein wichtigstes Arbeitsmittel, denn der 58-Jährige arbeitet seit mehr als 15 Jahren im Bereich Entwicklung und Konstruktion – CAD ist Standard. Sein Arbeitgeber ist der Maschinenbauer IMA Klessmann. Der Spezialist für Holzbearbeitungssysteme ist ein traditionsreiches Unternehmen aus der Region, die neben Industrie 4.0 auch für ihre Möbelindustrie bekannt ist. 

Markt&Technik: Wie sieht Ihr Arbeitsplatz heute aus?

Schürmann: Ich habe einen Büroarbeitsplatz in unserem Konstruktionsbüro. Es ist ein CAD-Arbeitsplatz. Meine Aufgabe ist es, Baugruppen und Komponenten für die Holzbearbeitung zu konstruieren. Der Computer ist also mein Hauptarbeitsmittel. Wir arbeiten mit dem CAD-Programm CATIA V5. Ich selbst komme gut damit zurecht, mache Kollegen finden es aber teilweise zu kompliziert.

Warum?

Das Programm bietet viel mehr, als der Maschinenbauer eigentlich braucht. Deshalb eignet sich jeder die Methoden und Funktionen des Programms an, die er für seine eigene Arbeit braucht. Wenn  die Kollegen dann ihre Arbeitsschritte zusammenführen müssen, kommt es manchmal zu Problemen in der Zusammenarbeit. 

Sorgt Sie die Digitalisierung der Fabrik? 

Grundsätzlich sehe ich die Entwicklung positiv. Aber es gibt auch Aspekte an der Vision der Industrie 4.0, die mich etwas beunruhigen. In dem Film von Wittenstein geht es um die komplett flexible Arbeitskraft. Der Arbeitnehmer richtet seine Arbeitszeiten nach der Fabrik aus, er lebt neben der Fabrik. Auch die mögliche Rationalisierung in der Produktion durch die Industrie 4.0 macht mir Sorgen.

Und für Ihren Arbeitsplatz?

In der Konstruktion geht es um kreative Arbeit, die nicht so schnell rationalisiert wird. Aber entwickelte Systeme könnten mehrfach einsetzbar sein, durch Plug-and-Play-Fähigkeit, etwa. Der modulare Aufbau in der Konstruktion wird derzeit stark vorangetrieben. 

Wie leicht können Sie sich in neue, digitale Arbeitswelten hineinversetzen?

Das bereitet mir keine großen Probleme.

Und wie könnte ihr Arbeitsplatz vernetzt sein?

Es gibt jetzt schon technische Möglichkeiten, die verschiedenen Kollegen und ihre Arbeitsschritte digital zu vernetzen, zum Beispiel über den 3D-Viewer.  Ich spreche meine Baugruppe aber noch persönlich mit dem Softwaretechniker durch, das funktioniert genauso gut. 

Wie sieht Ihr Arbeitsplatz in 10 Jahren aus?

Naja, in 10 Jahren bin ich selbst schon Rentner! (lacht)

So richtig kann ich mir aber nicht vorstellen, wie die Kollegen in 10 Jahren arbeiten werden. Die CAD-Programme werden bleiben. Die Werkzeuge werden sich aber verändern: Die Eingabe und die Steuerung der Programme könnte z.B. über Gestensteuerung erfolgen.

Glauben Sie, dass Ihre Arbeit dadurch dann einfacher wird? 
Ich kann mir gut vorstellen, dass die Konstruktionsarbeit dadurch einfacher wird. So hat bei Einführung des CAD nicht nur die Maus den Bleistift ersetzt. Es wurde zum Beispiel möglich, Modelle zu kopieren und an neue Anforderungen anzupassen. So musste nicht jede einzelne Zeichnung von Grund auf neu erstellt werden. Zudem wurden zusätzlich zur Zeichnung Daten zur weiteren Verarbeitung beispielsweise in CNC Maschinen erzeugt. Die Einführung des 3D CAD hat den Vorteil der totalen räumlichen Darstellung gebracht. Es wurden mehr Daten zur Weiterverarbeitung erzeugt.
Bei neuen Systemen wird es beispielsweise möglich sein, neue Bauteile automatisch an die vorhandene Umgebung in Baugruppen anzupassen um Überschneidungen und Kollisionen zu vermeiden.

Risiken sehe ich eigentlich nicht. Durch die Möglichkeit der räumlichen Darstellung aus allen Perspektiven fürchte ich den Verlust der Fähigkeit der räumlichen Vorstellung. 

Was erhoffen Sie sich von dem Kurs?

Ich möchte neue Methoden und Herangehensweisen in der Konstruktion lernen. Allein beim Erstellen des Umfeldmodell tauchen im Kurs Fragen auf, die eigentlich erst später behandelt werden. Im Kurs haben wir dann zum Beispiel einen sehr umfangreichen Fragenkatolog zusammengestellt. Mit so einer Grundlage könnte dann in der Realität ein einziger Termin mit dem Kunden ausreichen.

Ich nehme gemeinsam mit zwei Kollegen aus unserer Konstruktion teil. Wir wollen das Gelernte im Unternehmen zur Anwendung bringen. Besonders wenn ganz neue Entwicklungsprojekte starten, wollen wir sie anders angehen. 

Im Büro merke ich, dass auch viele andere Kollegen Interesse an unserer Weiterbildung im Systems Engineering haben. Natürlich gibt es aber auch Skepsis.

Vielen Dank

Mehr Informationen zum Kurs: 

Michael Schürmann hat keine Angst vor der Digiatilsierung. Der Computer ist mittlerweile sein wichtigstes Arbeitsmittel, denn der 58-Jährige arbeitet seit mehr als 15 Jahren im Bereich Entwicklung und Konstruktion – CAD ist Standard. Sein Arbeitgeber ist der Maschinenbauer IMA Klessmann. Der Spezialist für Holzbearbeitungssysteme ist ein traditionsreiches Unternehmen aus der Region, die neben Industrie 4.0 auch für ihre Möbelindustrie bekannt ist. 

Markt&Technik: Wie sieht Ihr Arbeitsplatz heute aus?

Schürmann: Ich habe einen Büroarbeitsplatz in unserem Konstruktionsbüro. Es ist ein CAD-Arbeitsplatz. Meine Aufgabe ist es, Baugruppen und Komponenten für die Holzbearbeitung zu konstruieren. Der Computer ist also mein Hauptarbeitsmittel. Wir arbeiten mit dem CAD-Programm CATIA V5. Ich selbst komme gut damit zurecht, mache Kollegen finden es aber teilweise zu kompliziert.

Warum?

Das Programm bietet viel mehr, als der Maschinenbauer eigentlich braucht. Deshalb eignet sich jeder die Methoden und Funktionen des Programms an, die er für seine eigene Arbeit braucht. Wenn  die Kollegen dann ihre Arbeitsschritte zusammenführen müssen, kommt es manchmal zu Problemen in der Zusammenarbeit. 

Sorgt Sie die Digitalisierung der Fabrik? 

Grundsätzlich sehe ich die Entwicklung positiv. Aber es gibt auch Aspekte an der Vision der Industrie 4.0, die mich etwas beunruhigen. In dem Film von Wittenstein geht es um die komplett flexible Arbeitskraft. Der Arbeitnehmer richtet seine Arbeitszeiten nach der Fabrik aus, er lebt neben der Fabrik. Auch die mögliche Rationalisierung in der Produktion durch die Industrie 4.0 macht mir Sorgen.

Und für Ihren Arbeitsplatz?

In der Konstruktion geht es um kreative Arbeit, die nicht so schnell rationalisiert wird. Aber entwickelte Systeme könnten mehrfach einsetzbar sein, durch Plug-and-Play-Fähigkeit, etwa. Der modulare Aufbau in der Konstruktion wird derzeit stark vorangetrieben. 

Wie leicht können Sie sich in neue, digitale Arbeitswelten hineinversetzen?

Das bereitet mir keine großen Probleme.

Und wie könnte ihr Arbeitsplatz vernetzt sein?

Es gibt jetzt schon technische Möglichkeiten, die verschiedenen Kollegen und ihre Arbeitsschritte digital zu vernetzen, zum Beispiel über den 3D-Viewer.  Ich spreche meine Baugruppe aber noch persönlich mit dem Softwaretechniker durch, das funktioniert genauso gut. 

Wie sieht Ihr Arbeitsplatz in 10 Jahren aus?

Naja, in 10 Jahren bin ich selbst schon Rentner! (lacht)

So richtig kann ich mir aber nicht vorstellen, wie die Kollegen in 10 Jahren arbeiten werden. Die CAD-Programme werden bleiben. Die Werkzeuge werden sich aber verändern: Die Eingabe und die Steuerung der Programme könnte z.B. über Gestensteuerung erfolgen.

Glauben Sie, dass Ihre Arbeit dadurch dann einfacher wird? 
Ich kann mir gut vorstellen, dass die Konstruktionsarbeit dadurch einfacher wird. So hat bei Einführung des CAD nicht nur die Maus den Bleistift ersetzt. Es wurde zum Beispiel möglich, Modelle zu kopieren und an neue Anforderungen anzupassen. So musste nicht jede einzelne Zeichnung von Grund auf neu erstellt werden. Zudem wurden zusätzlich zur Zeichnung Daten zur weiteren Verarbeitung beispielsweise in CNC Maschinen erzeugt. Die Einführung des 3D CAD hat den Vorteil der totalen räumlichen Darstellung gebracht. Es wurden mehr Daten zur Weiterverarbeitung erzeugt.
Bei neuen Systemen wird es beispielsweise möglich sein, neue Bauteile automatisch an die vorhandene Umgebung in Baugruppen anzupassen um Überschneidungen und Kollisionen zu vermeiden.

Risiken sehe ich eigentlich nicht. Durch die Möglichkeit der räumlichen Darstellung aus allen Perspektiven fürchte ich den Verlust der Fähigkeit der räumlichen Vorstellung. 

Was erhoffen Sie sich von dem Kurs?

Ich möchte neue Methoden und Herangehensweisen in der Konstruktion lernen. Allein beim Erstellen des Umfeldmodell tauchen im Kurs Fragen auf, die eigentlich erst später behandelt werden. Im Kurs haben wir dann zum Beispiel einen sehr umfangreichen Fragenkatolog zusammengestellt. Mit so einer Grundlage könnte dann in der Realität ein einziger Termin mit dem Kunden ausreichen.

Ich nehme gemeinsam mit zwei Kollegen aus unserer Konstruktion teil. Wir wollen das Gelernte im Unternehmen zur Anwendung bringen. Besonders wenn ganz neue Entwicklungsprojekte starten, wollen wir sie anders angehen. 

Im Büro merke ich, dass auch viele andere Kollegen Interesse an unserer Weiterbildung im Systems Engineering haben. Natürlich gibt es aber auch Skepsis.

Vielen Dank

Zum Kurs: 

Das Programm besteht aus vier Modulen, die bis Mitte Juni umgesetzt werden. In Kooperation mit dem Fraunhofer IEM werden zunächst Grundlagen des System Engineering vermittelt. Darunter verstehen die Fachleute Methoden der Produktentwicklung, die disziplinübergreifend das Produkt ganzheitlich betrachten. In Zusammenarbeit mit Studierenden, anderen Ingenieuren lernen die Teilnehmer in Übungen die praktische Anwendung. Gleichzeitig arbeiten die Teilnehmer an konkreten Projekten mit.