Noch kein allgemeiner Ingenieurmangel

Es gibt zwar Engpässe in einigen Ingenieurberufen, von einem Ingenieurmangel könne man aber nicht sprechen sprechen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Es suchen immer noch rund 24 000 Ingenieure eine Beschäftigung; besonders betroffen sind Ältere und Frauen.

In den einzelnen Ingenieurberufen ist die Arbeitsmarktlage sehr unterschiedlich. Während die Arbeitslosigkeit bei Architekten und im Bereich Bergbau nach wie vor hoch ist, deuten auf unter 4 Prozent gesunkene Arbeitslosenquoten bei Maschinenbau-, Elektro- und Wirtschaftsingenieuren auf Engpässe hin.

Die günstige konjunkturelle Entwicklung hat ab 2006 zu einem deutlichen Anstieg der Nachfrage geführt; vor allem bei den Ingenieurberufen wird bereits von einem "Mangel" gesprochen. Im vierten Quartal 2006 gab es mit rund 66 000 die höchste Zahl der zu besetzenden offenen Stellen. Doch deutet dies bereits auf einen akuten Ingenieurmangel hin? Das Institut für Arbeitsmarkt und  Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit sagt nein.

Zwar habe es im Jahr 2006 mit durchschnittlich 21 Bewerbungen auf eine offene Stelle in einem Ingenieurberuf 14 weniger gegeben als im Jahr zuvor. Darunter seien jedoch nach Aussagen der befragten Betriebe sechs geeignete Bewerber gewesen, nur einer weniger als im Jahr 2005. Eine Verschlechterung sei jedoch bei der beruflichen Qualifikation festzustellen: Neueinstellungen waren häufiger als in den Vorjahren mit Schwierigkeiten verbunden, weil Bewerber nicht über die geforderten berufsfachlichen Kenntnisse verfügten; insgesamt 26 Prozent aller einschlägigen Neueinstellungen waren davon betroffen.

Noch immer viele arbeitslose Ingenieurinnen

Zwar sinkt die Zahl der Arbeitslosen, die eine Stelle im Ingenieurberuf suchen, von Monat zu Monat. Allerdings scheinen lediglich die Neuzugänge in die Arbeitslosigkeit weniger zu werden. Personen, die bereits arbeitslos sind, haben in jüngerer Zeit keine höheren Chancen, wieder in den Arbeitsmarkt zu gelangen.

Im Gegenteil: Betriebe stellen arbeitslose Ingenieure seltener ein als früher. Im vergangenen Jahr fiel bei nur 11 Prozent aller Neueinstellungen in Ingenieurberufen die Wahl auf Personen, die vorher arbeitslos waren. Im Jahr 2004 waren es noch 19 Prozent. Im August 2007 sind danach immer noch 24 147 arbeitslose Ingenieure registriert, die eine Beschäftigung suchen - diese Zahl ist allerdings laut IAB eher eine Untergrenze, da aufgrund gesetzlicher und technischer Änderungen der Statistik der Zielberuf der Arbeitslosen häufig nicht erfasst wird.

Selbst bei den besonders gefragten Berufsgruppen Maschinenbau-, Elektro- und insbesondere bei den Wirtschaftsingenieuren gibt es danach immer noch zahlreiche Personen, die arbeitslos gemeldet sind: rund 5000 Maschinenbauer, 4200 Elektroingenieure und 3700  Wirtschaftsingenieure suchten im August 2007 eine Stelle.

Ingenieurinnen sind deutlich häufiger arbeitslos als Ingenieure. Die Arbeitslosenquote bei Ingenieurinnen lag im Dezember 2006 mit 9,7 Prozent zweieinhalbmal so hoch wie die ihrer männlichen Fachkollegen mit 3,7 Prozent. Selbst in den Sparten, in denen Engpässe herrschen, haben die Bewerberinnen noch immer schlechtere Karten. „Derzeit scheint also allenfalls ein Mangel an jungen männlichen Ingenieuren bestimmter Fachrichtungen zu bestehen“, so die IAB-Studie.

Um Ingenieurinnen künftig besser zu integrieren und das Berufsbild damit auch für junge Frauen interessanter zu machen, müsse sich nicht zuletzt die Unternehmenskultur in Deutschland ändern. Das IAB fordert unter anderem mehr Kinderbetreuung und mehr Möglichkeiten zur Teilzeitarbeit im Ingenieurbereich.

Während also das IAB einen aktuellen Ingenieurmangel bezweifelt, könnten zumindest bei einigen Ingenieurdisziplinen Engpässe eintreten. Auch hält das IAB die vom Institut der Deutschen Wirtschaft im Auftrag des Wirtschaftsministeriums vorgenommene Einschätzung nicht für plausibel, dass der Fachkräftemangel bereits im Jahr 2007 zu einer Einbuße von 1 Prozent des Bruttosozialprodukts führt. Dieses Ergebnis impliziere, dass die deutsche Wirtschaft weitgehend unflexibel auf Arbeitskräfteengpässe reagiere; dies treffe jedoch nicht zu.

Auf mittlere Sicht werde jedoch ein Akademikermangel in der Bundesrepublik immer wahrscheinlicher. Der Bedarf an Hochqualifizierten steigt, während das Erwerbspersonenpotential wegen des demografischen Wandels abnimmt. Ohne eine neue Bildungsexpansion, die mehr Akademiker pro Jahrgang hervorbringt, wird dies schon in weniger als zehn Jahren zu einem erheblichen Akademikermangel führen.

Technische Berufe werden davon besonders betroffen sein. Der Rückgang an qualifizierten Arbeitskräften wird hier durch die sinkenden Studienanfängerzahlen noch verstärkt.