Forschung Medien als Wegbereiter der Industrie 4.0?

„Das Bild, das Medien von Industrie 4.0 zeichnen hat natürlich auch Auswirkungen auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den digitalen Wandel in Unternehmen maßgeblich mitgehalten sollen", meint Prof. Volker Banholzer von der TH Nürnberg.
„Das Bild, das Medien von Industrie 4.0 zeichnen hat natürlich auch Auswirkungen auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den digitalen Wandel in Unternehmen maßgeblich mitgehalten sollen", meint Prof. Volker Banholzer von der TH Nürnberg.

Die Bilder und Metaphern, die von Massen- und Fachmedien zu Industrie 4.0 und Arbeit 4.0 verwendet werden, stehen ab Herbst 2016 im Fokus eines von der Staedtler Stiftung geförderten Forschungsprojektes am Studiengang Technikjournalismus/Technik-PR der TH Nürnberg.

Industrie 4.0, Digitalisierung und Arbeit 4.0 sind als Begriffe in Wirtschafts- und Fachmedien bestimmend. Die Medienberichterstattung und die Einstellung der Bevölkerung gelten als wesentliche Einflussfaktoren für den Erfolg von Innovationen, vor allem wenn einer Innovation so tiefgreifende Wirkungen in die Gesellschaft zugeschrieben werden. „Das Bild, das Medien von Industrie 4.0 zeichnen hat natürlich auch Auswirkungen auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den digitalen Wandel in Unternehmen maßgeblich mitgestalten sollen,“ so Projektleiter Prof. Volker Banholzer. Und diese Argumentationen in Fach- und Massenmedien sollen jetzt erstmalig wissenschaftlich untersucht werden.

„Industrie 4.0 ist im Mittelstand angekommen“, Aussagen wie diese oder sogenannte Readyness-Indices werden mittlerweile häufig zitiert in Fach- und Massenmedien. Bundesregierung und Wirtschaftsverbände sehen in Industrie 4.0 das zentrale Zukunftsprojekt, um die Wettbewerbsfähigkeit erhalten oder verbessern zu können. Auf der anderen Seite fallen in Medien Bilder von humanoiden Robotern auf, mit denen Berichte um von Automatisierung bedrohte Arbeitsplätze illustriert werden. Von den Belegschaften wird erwartet, dass sie die Chancen der Digitalisierung in der Wirtschaft sehen und ergreifen. Ob diese positive Meinung von Fach- und Massenmedien geteilt wird und wie sie versuchen, das zu vermitteln, das soll die Untersuchung am Forschungsschwerpunkt „Gestaltungsdiskurs Industrie 4.0“ (www.th-nuernberg.de/industrie40) der TH Nürnberg herausarbeiten. 

Medienberichterstattung wichtig für das Innovationsklima

Wie beeinflusst die Mediendarstellung den Erfolg von Technologien wie Industrie 4.0? Welche Bilder, Metaphern und Beschreibungen verwenden Fach- und Massenmedien, um über Industrie 4.0, das Internet der Dinge oder Robotik zu berichten? Wie stark hängt die gesellschaftliche Akzeptanz von Industrie 4.0 von dieser Berichterstattung ab? Das sind deshalb die Fragen, die ab dem Herbst 2016 im Mittelpunkt des Projektes „Akzeptanz von Technologien - Akteurkonstellationen und Frames in der Diskussion um Industrie 4.0“ stehen. Wirtschaftsforschungsinstitute wie das DIW, Wirtschaftsverbände wie der BDI oder Einrichtungen wie Acatech bewerten die Innovationsfähigkeit von Volkswirtschaften auch danach, wie Technologie und Innovation in den Medien vertreten sind und wie das Innovationsklima in einer Gesellschaft einzuschätzen ist. Denn: Ob sich Technologien oder innovative Konzepte entwickeln können hängt maßgeblich von der Akzeptanz in der Gesellschaft ab. „Diese Akzeptanz wird nicht nur durch die reinen technischen Eigenschaften einer Innovation bestimmt, sondern hängt von bestehenden Einstellungen in der Bevölkerung und den Diskursen in einer Gesellschaft ab, vor allem dann, wenn durch eine Technologie tiefgreifende Veränderungen in der Gesellschaft zu erwarten sind,“ so Projektleiter Prof. Volker Banholzer. Und das wird auch durch die Berichte in Medien beeinflusst. 

Erstes Ziel der Untersuchung ist es, herauszufinden, wie Industrie 4.0 als Begriff von den verschiedenen Akteuren sprachlich besetzt und in die Öffentlichkeit vermittelt wird. Der zweite Aspekt ist die Berichterstattung in Fachmedien und deren Positionierung. Ermöglicht hat das auf ein Jahr angelegte Projekt die Unterstützung der Nürnberger Staedtler Stiftung. Die Untersuchung ist in den Forschungsschwerpunkt „Gestaltungsdiskurs Industrie 4.0“ am Studiengang Technikjournalismus/Technik-PR integriert. Eine Vorerhebung aus dem Winter 2015/16 hatte hier bereits auf ein Problem der Wahrnehmung von Industrie 4.0 in Unternehmen hingewiesen. „Die Antworten der Unternehmen ließen den Eindruck entstehen, Industrie 4.0 ist nur ein Thema für das Management und nicht für den Shopfloor,“ so Banholzer. So sei auch Industrie 4.0 nicht als explizites Thema in der internen Kommunikation benannt worden. Aber die Medienberichte erreichen die Belegschaft trotzdem.